Markterwartungen für Q1 2026: Zwischen Gewinnresilienz und Bewertungsfragen

Die Berichtssaison für das erste Quartal 2026 dürfte auf den ersten Blick überzeugen – sie fällt jedoch in eine Phase, in der sich das Umfeld bereits eingetrübt hat. Die Märkte blicken damit auf rückwärtsgerichtet starke Gewinne, während die Unsicherheit über die kommenden Quartale zunimmt. Analysten erwarten für den S&P 500 ein Gewinnwachstum von bis zu 17 %. Dieses basiert allerdings vor allem auf der bis Februar robusten Konjunktur, einem schwächeren US-Dollar sowie konkreten Investitionszyklen – insbesondere rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Auffällig ist dabei die Diskrepanz zwischen fundamentalen Erwartungen und Marktpositionierung: Trotz der starken Gewinnprognosen bleiben viele Investoren vorsichtig, insbesondere in Technologie- und Softwarewerten.

Diversifikation statt Aktionismus

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten – insbesondere der US-Militärschlag gemeinsam mit Israel gegen Iran – hat die Märkte bewegt, aber nicht in Panik versetzt. Die Ölpreise zogen spürbar an, Aktien gerieten etwas unter Druck und klassische sichere Häfen wie Gold verzeichneten leichte Zuflüsse. Entscheidend für Anleger ist jetzt weniger die Frage nach kurzfristigen Reaktionen als nach der Robustheit der eigenen Portfoliostruktur.

Die Weltwirtschaft wächst über Trend

Trotz aller geopolitischen Querelen ist der globale Konjunkturtrend 2026 zunehmend aufwärtsgerichtet: „Wir haben unsere globale Wachstumsprognose noch einmal auf 3,4 Prozent angehoben“, sagt Robert Greil. Der Chefstratege von Merck Finck: „Haupttreiber bleiben die USA und auch China, wo wir unsere Prognose besonders stark angehoben haben – während die Dynamik in Europa weiterhin hinterherhinkt.“ Greil: „Hinter der positiven Entwicklung stehen vor allem vier Haupttreiber: weniger Handelskonflikte als im Vorjahr, zumeist weiter sinkende Leitzinsen, klar steigende Staatsausgaben und gerade in den USA und China noch mehr KI-Investitionen.“

Warum KI die Software-Branche erschüttert – und wer als Gewinner daraus hervorgehen könnte

Der Technologiesektor erlebt eine Phase tiefgreifender Verunsicherung. Kaum ein Bereich steht dabei so im Fokus wie der Subsektor Software – ein Segment, das über Jahrzehnte als Inbegriff stabiler Wachstumsmodelle galt. So sehen wir gerade das Auseinanderlaufen der Untersektoren des Information Technology Sektors: während der Unterindex für globale Halbleiterwerte seit Jahresanfang ca. 15%, gerechnet in US-Dollar, hinzugewinnen konnte, verlor der Unterindex der globalen Softwareunternehmen spiegelbildlich fast genauso viel.

Globaler Aufschwung bleibt trotz Geopolitik intakt

Trotz aller geopolitischen Schlagzeilen hat der Internationale Währungsfonds seine globale Wachstumsprognose für 2026 von 3,1 % auf 3,3 % angehoben. „Die Weltwirtschaft trotzt der geopolitischen Unsicherheit“, sagt Robert Greil. Der Chefstratege von Merck Finck weiter: „Solange der von den USA vor China und Europa angeführte Konjunkturaufschwung anhält, sollte der Börsentrend trotz aller geopolitisch verursachten Volatilitätssprünge nach oben gerichtet bleiben.“

„Es geht voran, aber langsamer als es die Investoren hofften“

Die Rezession in den USA ist wieder einmal ausgeblieben. Im Gegenteil. Für manche eher überraschend, zeigte sich die US-Volkswirtschaft im nun ablaufenden Jahr 2025 als äußerst robust. Und die Vereinigten Staaten haben mit dem „KI-Hype“ einen zusätzlichen Trumpf im Ärmel. Doch die Rückschau bringt an dieser Stelle wenig. Was haben wir von den USA, Europa und China mit Blick nach vorne zu erwarten? Kommt Deutschland wieder auf die Füße und schafft den wirtschaftlichen Turnaround? Anfang November ergab sich die Gelegenheit eines ausführlichen Austauschs mit Robert Greil, dem Chefstrategen von Merck Finck.

US-Inflation könnte die Fed zum Zögern bringen

Kommenden Mittwoch stehen in den USA die Inflationsdaten für September an - sollten sie, auch wenn Shutdown-bedingt erst später veröffentlicht - nach oben überraschen, könnte das weitreichende Folgen haben. "Wir rechnen im September mit einem Anstieg der US-Inflationsrate auf über 3%", sagt Robert Greil "und auch in den Folgemonaten erst mal mit Inflationsdruck nach oben". 

Drei Zutaten für eine volatile Börsenwoche

Kommende Wochen rollen auf die Finanzmärkte vorrangig drei wichtige Termine zu: „Während die EZB-Sitzung mit wohl keiner Zinssenkung mehr noch das geringste Unruhepotenzial für die Börsen birgt und für die französische Vertrauensfrage Premier Bayrou wohl absehbar zum Sturz bringen dürfte, bergen die US-Inflationszahlen am Donnerstag am meisten Sprengstoff“, meint Robert Greil.

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