HighlightMärkteDie neue Zukunft

2020 wird als Corona-Jahr in die Geschichte eingehen. Covid-19 hat unser normales alltägliches Leben nachhaltig verändert. Bereits die erste Infektionswelle hat die Finanzmärkte massiv erschüttert. Die Fiskal- und geldpolitischen Stimuli, die die Zentralbanken und Regierungen in Europa und den USA im hohen Maße in das System pumpten, führten jedoch zu einer schnellen Erholung der Märkte. Eine Rezession konnte verhindert werden.
14. Dezember 2020
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2020 wird als Corona-Jahr in die Geschichte eingehen. Covid-19 hat unser normales alltägliches Leben nachhaltig verändert. Bereits die erste Infektionswelle hat die Finanzmärkte massiv erschüttert. Die Fiskal- und geldpolitischen Stimuli, die die Zentralbanken und Regierungen in Europa und den USA im hohen Maße in das System pumpten, führten jedoch zu einer schnellen Erholung der Märkte. Eine Rezession konnte verhindert werden.

Durch die Gewissheit, dass die Regierungen alles in ihrer Macht stehende tun würden, um eine langanhaltende Depression zu verhindern, wurden Anleger zu Investitionen ermutigt. Darüber hinaus war das Vertrauen auf den Finanzmärkten groß, dass ein Impfstoff gefunden werden würde. Im November erreichte die Welt dann die Nachricht: Gleich mehrere Pharmaunternehmen, darunter Pfizer/BioNtech und Moderna, meldeten die erfolgreiche Entwicklung eines gegen Covid-19 wirksamen Vakzins. Durch die dadurch begründete Hoffnung, dass die Pandemie nun durch Impfungen besiegt werden könne, erhielten die Märkte einen weiteren starken Auftrieb. Mit Blick auf das Jahr 2021 stellt sich nun die Frage: Welche Lehren können wir aus der Corona-Pandemie ziehen?

Gewinner und Verlierer der Corona-Pandemie

Während der Erholung der Aktienmärkte hat sich die Polarisierung der Indizes auffallend verstärkt. Zwischen den Performances des S&P 500 und S&P klafft bei gleichgewichteter Betrachtung eine große Lücke. Der Hauptgrund für die Divergenz ist die Dominanz von Technologieaktien im S&P 500 mit Mega-Caps wie Microsoft, Apple und Amazon. Dies erklärt auch weitgehend, warum die USA Europa und andere Regionen übertroffen haben. Während kleinere Unternehmen hart getroffen wurden, profitierten insbesondere die großen multinationalen Technologieunternehmen davon, dass die Menschen von zu Hause arbeiteten und sich an die neue Realität einer sozial distanzierten Welt anpassten.

Als sich die Volkswirtschaften im Sommer nach der ersten Welle wieder öffneten, kam es zu einer deutlichen Erholung der Wirtschaftstätigkeit, da sich die Nachfrage  aufgestaut hatte und die Sparquote der Haushalte in der ersten Phase des Lockdowns auf ein Rekordniveau gestiegen war.

Die zweite Welle der Pandemie bremst zurzeit in Folge von Kontaktbeschränkungen und Schließungen von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen die Wirtschaftstätigkeit erneut aus. Solange nicht eine ausreichende Zahl von Menschen geimpft ist, gilt nach wie vor ein Gesundheitsnotstand. Viele kleine Unternehmen sind ein zweites Mal dieses Jahr gezwungen, ihre Türen zu schließen.

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Obwohl wir mitten in der zweiten Corona-Welle stecken, reagierten die Finanzmärkte positiv auf die Nachricht eines Impfstoffes und präsentieren sich im vierten Quartal stark. Anleger beschäftigt nun, in welchem Ausmaß die positiven Nachrichten bei den Aktienkursen bereits eingepreist sind. Es wird erwartet, dass Aktien aufgrund der starken Erholung über ihren historischen Durchschnittswerten notieren. Ein Grund hierfür ist der TINA-Effekt („There is no alternative“), da sich die Renditen von Staatsanleihen auf historisch niedrigem Niveau befinden und den Anlegern nur wenige Möglichkeiten bleiben, gute oder überhaupt Renditen zu erzielen.

Analysten rechnen jedoch damit, dass die Gewinne 2021 wieder steigen werden und bis Ende des Jahres die Niveaus von 2019 erreicht haben werden.

Es wird erwartet, dass die Gesamterträge im nächsten Jahr um 25–30% steigen werden. Die Haupttreiber des erwarteten Wachstums werden voraussichtlich die eher zyklischen und value-orientierten Sektoren wie Energie, Industrie, Finanzen und Grundstoffe sein, da diese zurzeit niedrig bewertet und Teil der Value-Rotation sind, die die Märkte zurzeit erleben.

Neue Chancen für Anleger: Grüne Investments und Digitalisierung

Die Corona-Krise wird zu einem tiefgreifenden Wandel der Weltwirtschaft führen. Im Zuge dessen könnte sich unsere Betrachtungsweise der Welt und der Finanzpolitik der Regierungen verändern. Schon jetzt zeichnet sich ein Politikwechsel zu Gunsten grüner Energie, Digitalisierung und zukunftsfähiger Gesundheitssysteme ab.

Ein Beispiel ist der EU-Rettungsplan, in dem grüne Initiativen und die Digitalisierung im Fokus stehen. Für diese beiden Hauptbereiche sind Finanzmittel bis zur Hälfte des 750 Milliarden Euro schweren Zusatzfonds vorgesehen.

Aus Anlegerperspektive wird dies das Tempo der Investitionen nach ESG-Kriterien und in Unternehmen, die von Initiativen rund um erneuerbare Energien und der energetischen Sanierung von Gebäuden profitieren, beschleunigen.

Beispielsweise könnten Siemens und Vestas von dem verstärkten Einsatz von Windturbinen profitieren. Auch der spanische Energieversorger Iberdrola, der stark auf erneuerbare Energien ausgerichtet ist, sowie das französische Bauunternehmen Saint Gobain, das Infrastrukturverbesserungen und „Green Homes“ umsetzt, könnten gewinnen.

Hinsichtlich der Digitalisierung wird zunehmend wichtig, europaweit auf 5G-Netze umzurüsten. Europäische Unternehmen wie Ericson und Nokia sind Vorreiter dieser Technologie.

Niedrigzinsen setzen Banken unter Druck

Einige Branchen, insbesondere der Reise- und Tourismussektor, sind durch Covid-19 stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich diese Branchen nach Eindämmung und Kontrolle des Virus wieder erholen werden.

Ein noch größerer Verlierer sind jedoch die Banken angesichts der Verpflichtung der Zentralbanken, die Kreditzinsen niedrig zu halten. Die europäischen Banken hatten bereits in den vergangenen 10 Jahren aufgrund der Niedrig- beziehungsweise Negativzinspolitik der EZB mit niedrigen Margen zu kämpfen. Jetzt stehen die US-Banken vor einer ähnlichen Herausforderung, und solange die Zinssätze nicht steigen, werden ihre Nettozinsmargen unter Druck stehen.

Zukunft liegt in krisensicheren Investments

Der große Gewinner ist der Technologiesektor. Die Krise hat die Eingliederung von Technologie in das Arbeitsleben beschleunigt.

Obwohl wir im nächsten Jahr eine Rotation in andere Bereiche des Marktes erwarten, hat die Krise die Eingliederung von Technologie in den Alltag beschleunigt. Unternehmen, die den Einsatz von Technologie verstärken, werden aller Wahrscheinlichkeit nach gegenüber Unternehmen, die weniger Technik-affin sind, gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Die wichtigste Lehre, die wir aus der Pandemie ziehen können: Wir sind vor   schwarzen Schwänen nicht gefeit. Sie kommen unerwartet, häufig wie aus dem Nichts und können schwere Krisen auslösen. Für Anleger lohnt es, in krisensichere, nachhaltige Sektoren zu investieren.

Gastbeitrag von Brian O‘Reilly, Head of Market Strategy Mediolanum International Funds Ltd.

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