US-Wirtschaft bleibt auf Soft Landing Kurs

In den USA haben sich die wirtschaftliche Dynamik wie auch die Preisdynamik im Juli moderat abgekühlt, und der ISM-Index und aktuelle Arbeitsmarktdaten lassen eine ähnliche Entwicklung auch für die kommenden Monate erwarten. Der Straffungskurs der FED sowie die global schwächere Konjunktur bremsen die Nachfrage. Und auch am Arbeitsmarkt sind zunehmend Bremsspuren erkennbar. Anders als in Europa läuft der Prozess insgesamt aber sehr geräuschlos und der FED scheint ein Soft Landing tatsächlich zu gelingen. Hierbei helfen auch die strukturellen Vorteile der US-Wirtschaft, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

US-Wirtschaft: Widerstandsfähiger Arbeitsmarkt deutet auf Ausbleiben der Rezession hin

Der zunehmende Aufschwung der US-Wirtschaftsdaten hat einige weitreichende Auswirkungen auf die Zukunft. Der jüngste Aufschwung des Verbraucherpreisindex (CPI) und des Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) spiegelt sich in einer begleitenden Erholung der realen Ausgaben auf 1,93 % auf annualisierter 3-Monats-Basis wider, da sich die Ausgaben für Dienstleistungen dem Trend des Zeitraums 2015-2019 nähern und die Ausgaben für Waren weiterhin über dem Trend von 2015-2019 liegen. Während sich frühere Befürchtungen auf das schwindende persönliche Realeinkommen und die persönlichen Ersparnisse konzentrierten, haben sich auch diese erholt und deuten auf eine Fortsetzung der Ausgabentätigkeit hin.

Hohe Studiengebühren bremsen den wirtschaftlichen Aufschwung in den USA

Die Federal Reserve rechnet mit einer wachsenden Gefahr von Zahlungsausfällen privater Konsumenten. Zwar ist die Gesamtverschuldung der privaten US-Haushalte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit ihren Höchstständen während der Corona-Pandemie aktuell tendenziell rückläufig. Zudem befinden sich die Quoten für ernsthafte Zahlungsausfälle auf einem historischen Tiefstand – und das trotz steigender Hypotheken- und Studentenschulden (bei denen die Zinsen im Gegensatz zu Kreditkarten und Hypotheken täglich anfallen). Dennoch warnt die Fed davor, dass dies die "potenzielle Gefahr" verschleiert.

US-Wirtschaft: Was die EZB von der Fed lernen könnte

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal geschrumpft, zum zweiten Mal in Folge. Nach landläufiger Meinung befindet sich die amerikanische Wirtschaft damit in einer Rezession. Ob dies aus ökonomischer Sicht wirklich so ist, darüber kann durchaus gestritten werden - vor allem weil das Minus im ersten Quartal fast ausschließlich von deutlich sinkenden Exporten verursacht wurde, während die Inlandsnachfrage noch recht robust blieb. Entscheiden wird diesen Streit das National Bureau of Economic Research irgendwann im kommenden Jahr. Wichtig für die Beurteilung der aktuellen Lage ist ohnehin etwas anderes. Die Dynamik der US-Wirtschaft hat im bisherigen Jahresverlauf nachgelassen: Während Konsum und Investitionen im ersten Quartal noch 0,5 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum beitrugen, kippte dieser Wert im zweiten Quartal mit 0,1 Prozentpunkten ins Minus. 

Keine Angst vor “Taper Tantrum”

Wird die US-Notenbank Fed in Kürze ihre Anleihekäufe reduzieren? Sehen wir den Anfang eines Strategiewechsels? Angesichts der zunehmenden Nervosität der Märkte im Vorfeld der Notenbanktagung in Jackson Hole rät Esty Dwek, Head of Global Market Strategy bei Natixis Investment Managers, zu mehr Gelassenheit. Sie rechnet erst im November mit der Ankündigung der Fed, in 2022 ihre Anleihekäufe zu reduzieren – wahrscheinlich um 15 Mrd. USD pro Monat.

US-Aktien bleiben „The Place to be“

nsgesamt kann man aus Sicht der Kapitalmärkte von einem positiven Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen sprechen. Die Handels- und Außenpolitik dürfte unter dem Demokraten Joe Biden wieder konventioneller werden, der Ton sachlicher. Das ist positiv für die Weltwirtschaft. Zudem ist die Sitzverteilung im Kongress deutlich knapper ausgefallen als im Vorfeld von vielen Experten angenommen. Dies ist ebenfalls von Vorteil für die Märkte, da die Demokraten damit ein Gegengewicht haben. Die sehr engen Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus und im Senat sollten die Demokraten bei der Umsetzung einer progressiven Agenda damit entscheidend einschränken. Geplante Steuerhöhungen sind so nicht einfach durchzusetzen. Weitere fiskalische Anreize scheinen hingegen umsetzbar. Erste entsprechende Signale der neuen Administration wurden bereits positiv von den Märkten aufgenommen.

Great again?

Die US-Wirtschaftsdaten verbessern sich weiterhin schneller und stärker als erwartet, und wenn die Wirtschaftsaussichten angesichts der Impfstoffentwicklungen positiv bleiben, könnte dies zu einer zusätzlichen Unsicherheit hinsichtlich weiterer umfangreicher fiskalischen Anreize in den USA führen. Die finanzielle Unterstützung der Bundesstaaten und Kommunen könnte immer noch die größte politische Hürde für ein zusätzliches Finanzpaket darstellen.

Die Rückkehr Europas

In der vergangenen Dekade erlebten die Vereinigten Staaten die längste Phase guter Konjunktur. Die US-Wirtschaft boomte. Investitionen, Konsumausgaben und Gewinne – vieles schoss in den Himmel. Das spiegelte sich auch in den Kursständen der US-Aktienmärkte wider. Nun könnte sich das Blatt wenden und die Outperformance amerikanischer Aktien sich ihrem Ende nähern. Speziell europäische Werte stehen hingegen vor einer Aufholbewegung. Der Abgesang auf Europa war verfrüht.

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