Droht uns eine Stagflation?

Die Corona-Pandemie hält die Weltwirtschaft nach wie vor in Atem. Nachdem das vergangene Jahr im Zeichen der wirtschaftlichen Krisenbewältigung stand, sollte das Jahr 2021 eigentlich den Startschuss zum Aufschwung geben. Die steigenden Rohstoffpreise und die derzeit zu beobachtenden Lieferengpässen könnten diesen jedoch gefährden, warnt Dr. Andrea Siviero, Investment Strategist bei Ethenea Independent Investors S.A.. Er beobachtet in den letzten Monaten vermehrt Indizien, die auf eine Stagflation hinweisen könnten, ähnlich wie in den 1970er Jahren. 

Globale Aktienmärkte im Stimmungshoch

Nach einer vorübergehend schwächeren Phase hat sich die Stimmung an den Märkten zuletzt wieder deutlich verbessert. Nachdem der US-Kongress das Infrastrukturpaket der Demokraten, das bis zu 550 Mrd. USD an neuen Investitionen vorsieht, verabschiedet hat, erreichten die Kurse an den globalen Börsen teilweise neue Rekordhöhen.

Fed: Weniger Ankäufe, mehr Inflation

Wie allgemein erwartet kündigte die U.S. Notenbank in ihrer Novembersitzung den Start der Reduktion ihrer Anleihenkäufe an. Von nun an wird das Tempo höchstwahrscheinlich jeden Monat um 15 Mrd. USD reduziert. "Höchstwahrscheinlich" deshalb, weil es sich die U.S. Notenbanker offenhalten, diese Kürzungen in den kommenden Monaten anzupassen - sollte der volkswirtschaftliche Ausblick dies erfordern. Während diese Entscheidung eigentlich schon Schlagzeilen per se wert ist, bleibt die eigentliche Frage, die die Marktteilnehmer beschäftigt, eher unbeantwortet: Die U.S. Notenbank hält an ihrer Einschätzung fest, dass die erhöhte Inflation „größtenteils auf Faktoren zurückzuführen ist, die voraussichtlich vorübergehend“ sein werden.

Die Fed bewegt sich auf einem schmalen Grat

Seit der letzten Sitzung der US-Notenbank (Fed) Ende September hat sich einiges geändert. Wie Fed-Chef Jerome Powell kürzlich zugab, ist die seit Monaten vorgebrachte Argumentation eines lediglich vorübergehenden Inflationsanstiegs – eine Beobachtung, die auf steigenden Energiepreisen, Arbeitskräftemangel und Störungen auf der Angebotsseite beruhte – nicht länger aufrecht zu erhalten. 

Mangelnde Investitionen in fossile Rohstoffe rächen sich

Die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen in der aktuellen Energiekrise bereits eine Bremse für das Wirtschaftswachstum und haben deshalb ihre Wachstumsprognosen gerade wegen der Versorgungsengpässe drastisch gesenkt. Axel Botte, Marktstratege beim französischen Investmenthaus Ostrum Asset Management, erwartet durch den Anstieg der Gaspreise noch für mindestens sechs weitere Monate erhöhte Nachfrage nach Öl – IEA-Prognosen gehen von etwa 500 000 Barrel pro Tag aus – und rechnet damit, dass trotz der klimatischen Herausforderungen in den Vereinigten Staaten wieder mehr Schieferöl („Fracking“) produziert werden könnte.

Federal Reserve steuert auf Tapering im November zu

Die US-Notenbank wird ihre Anleihekäufe höchstwahrscheinlich im November zurückfahren. Davon ist auch Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, überzeugt. Allerdings hängen die längerfristigen Aussichten seiner Einschätzung nach davon ab, wie vorübergehend der derzeitige Inflationsschub ist: „Sollten wir richtig liegen und die Inflation schneller als erwartet abflauen, dürften sich die Zinserhöhungen verzögern, was einen weiteren Aufwärtstrend bei nordamerikanischen Aktien begünstigen würde.“ Im Detail erwartet Galy die folgenden Entwicklungen.

Die Aktie ist der Königsweg zur Immobilie

Die institutionelle Kapitalanlage ist im Umbruch. Verantwortlich ist insbesondere das seit Jahren bestehende Null- und Negativzinsumfeld. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Staatsanleihe – jahrzehntelang der Garant für auskömmliche Renditen bei niedrigem Risiko – hat als alleinige tragende Säule ausgedient. Ohne zusätzliche Renditetreiber können Versicherungen, Versorgungswerke oder Pensionskassen ihre Renditeziele nicht mehr erreichen, erst recht nicht in Zeiten höherer Inflationsraten.

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