US-Wirtschaft: Was die EZB von der Fed lernen könnte

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal geschrumpft, zum zweiten Mal in Folge. Nach landläufiger Meinung befindet sich die amerikanische Wirtschaft damit in einer Rezession. Ob dies aus ökonomischer Sicht wirklich so ist, darüber kann durchaus gestritten werden - vor allem weil das Minus im ersten Quartal fast ausschließlich von deutlich sinkenden Exporten verursacht wurde, während die Inlandsnachfrage noch recht robust blieb. Entscheiden wird diesen Streit das National Bureau of Economic Research irgendwann im kommenden Jahr. Wichtig für die Beurteilung der aktuellen Lage ist ohnehin etwas anderes. Die Dynamik der US-Wirtschaft hat im bisherigen Jahresverlauf nachgelassen: Während Konsum und Investitionen im ersten Quartal noch 0,5 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum beitrugen, kippte dieser Wert im zweiten Quartal mit 0,1 Prozentpunkten ins Minus. 

EZB: Teurer Kompromiss

Auf ihrer Sitzung hat die EZB die Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben und damit die Zeit der Negativzinsen beendet. Gleichzeitig hat sie weitere Zinsschritte angekündigt und einen unbegrenzten Rettungsschirm für fiskalisch angeschlagene Mitgliedsländer aufgespannt. Ein mutiger Kompromiss mit erheblichen ökonomischen und politischen Kosten. Und das Rezessionsrisiko für den Euro-Raum bleibt hoch. Ähnlich dem US-Markt könnte in Europa bald über eine Inversion der Zinskurven diskutiert werden, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.   

Studie: ESG-Integration bei Unternehmensanleihen — hier liegt die Krux

Die Ära des Nullzinses ist zu Ende. Eine neue Zeitrechnung beginnt. Zentrale Notenbanken rund um den Globus erhöhen die Zinsen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Für Investments in Unternehmensanleihen eröffnen sich somit wieder Chancen auf höhere Erträge. Bei der ESG-Integration in der Asset-Klasse Unternehmensanleihen müssen Investoren aber einige Fallstricke beachten, so das Fazit einer aktuellen Studie aus dem Hause Metzler. Die Autoren Joanna Glöggler und Daniel Sailer wollen den Blick darauf schärfen, dass es aus Ihrer Sicht im Hinblick auf ESG-Kennzahlen zwischen den Asset-Klassen Aktien und Unternehmensanleihen zu differenzieren gelte und veranschaulichen das an Beispielen.

Die EZB darf nicht länger warten

Die Europäische Zentralbank (EZB) hinkt bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik weit hinterher und darf mit der Anhebung der Zinssätze nicht länger warten. Unter ihrer Präsidentin Christine Lagarde sollte die EZB daher einen aggressiven Ton anschlagen und endlich handeln – und zwar mit einer ersten Zinserhöhung um 50 Basispunkte, im Unterschied zu den von den Märkten erwarteten 25 Basispunkten. Denn ist es schwer vermittelbar, den Sommer mit negativen Zinsen zu verbringen, wenn die Inflation in der Eurozone weiter ansteigt: Im Mai lag sie bei 8,6 Prozent gegenüber Vorjahr und der Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Ein zusätzliches Argument für die EZB, ihre Entschlossenheit zu zeigen, ist die Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar, der die Rohstoffpreise weiter in die Höhe treibt.  

Eyb & Wallwitz: EZB macht Ernst

Auf ihrer heutigen Sitzung hat die EZB die Einstellung der QE-Käufe und Zinsanhebungen im Juli und September bestätigt. Der Rat folgt damit dem Plan eines schrittweisen Ausstiegs von EZB-Chefin Lagarde. Klar ist aber: Der Rückenwind der Geldpolitik nimmt rasch ab, eine Beschleunigung der Ausstiegsschritte ist wahrscheinlich. Gleichzeitig ist der Effekt auf die Inflation gering und das Rezessionsrisiko steigt. Am Finanzmarkt könnte vor allem das Ende der QE-Käufe Spuren hinterlassen, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

EZB hält sich Hintertür für aggressivere  Zinserhöhungen offen

Da die EZB der Inflationsdynamik eine höhere Beachtung schenkt als dem Wirtschaftswachstum, wird sie unserer Meinung nach den Prozess der geldpolitischen Normalisierung fortsetzen – ein Prozess, der bereits im vergangenen Dezember eingeleitet wurde. Der EZB-Rat wird wahrscheinlich beschließen, die Nettokäufe von Vermögenswerten im Rahmen seines regulären Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) in diesem Monat zu beenden. Gleichzeitig wird sie den Markt auf Zinserhöhungen im Juli und im September vorzubereiten – die ersten Zinserhöhungen in der Eurozone seit elf Jahren.

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