“Kreditqualität am Hochzinsmarkt heute ist viel höher als früher”

Mit der Rückkehr der Zinsen sind die Anleihenmärkte wieder in den Fokus der Investoren gerückt. Die vergangenen Monate haben indes gezeigt, wie herausfordernd das Agieren sein kann. Welche Segmente bleiben spannend im Anleihen-Universum? Andreas Fitzner und John Petersen aus dem Hause Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement standen in München für ein Doppel-Interview zur Verfügung.
15. März 2024
Andreas Fitzner (li.), John Petersen (re.) - Foto: Copyright Eyb&Wallwitz

Mit der Rückkehr der Zinsen sind die Anleihenmärkte wieder in den Fokus der Investoren gerückt. Die vergangenen Monate haben indes gezeigt, wie herausfordernd das Agieren sein kann. Welche Segmente bleiben spannend im Anleihen-Universum? Andreas Fitzner und John Petersen aus dem Hause Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement standen in München für ein Doppel-Interview zur Verfügung. 

INTELLIGENT INVESTORS: Meine Herren, die vergangenen Jahren an den Bondmärkten waren alles andere als einfach. Wie schätzen Sie die Lage aktuell ein?

Andreas Fitzner: Wenn wir uns das große Bild vor Augen führen, so befinden sich die Anleihenmärkte seit einigen Monaten wieder in geordnetem Fahrwasser. Der starke Zinsanstieg kombiniert mit der einhergehenden hohen Inflation hatten in der Vergangenheit zu teils stärkeren Verwerfungen mit Liquiditätsentzug an den Rentenmärkten geführt. Keine einfache Ausgangslage. Mit der langsamen Stabilisierung des Zinsniveaus kam dann peu-a-peu auch wieder das Vertrauen der Investoren zurück.

John Petersen: Mitentscheidend für das zurückerlangte Vertrauen, insbesondere bei institutionellen Investoren, war auch das Ausbleiben einer zweiten Inflationswelle. Dieses zeitweise für möglich erachtete Szenario ist nicht eingetreten mit der Konsequenz, dass sich die Märkte stabilisiert haben und wir zum Ende des vergangenen Jahres Zuflüsse registriert haben.

II: Das Zauberwort der Zinssenkungen macht allenthalben die Runde. Nachdem die Zinsen in rasantem Tempo emporkletterten, nun die Frage nach den Senkungen. Wann und wie viel erachten Sie für möglich?

Fitzner: Die Gretchenfrage. Hier müssen wir trennscharf unterscheiden zwischen den Entwicklungen in den USA und Europa. Die US-Wirtschaft hat mit einem realen BIP-Anstieg von 3,3 % im vierten Quartal des vergangenen Jahres positiv überrascht. Die US-Konjunktur präsentiert sich also nach wie vor in robuster Verfassung. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Inflationsdaten, dass die letzte Etappe zum Zwei-Prozent-Inflationsziel mühsam ist. Wir gehen von 3 bis 4 Zinsschritten beginnend zur Jahresmitte aus. Insbesondere auch mit Blick auf US-Staatsanleihen bleiben wir bei einem Ausgangszinsniveau von mehr als 4 % für 10-jährige Treasuries positiv.

II: Und Europa?

Petersen: Auch auf dem europäischen Kontinent ist die Inflation inzwischen deutlich zurückgegangen. Im Januar betrug der Wert für die Eurozone 2,8 %; etwas weniger als im Dezember. Obgleich die EZB beim jüngsten Zinsentscheid die Zinssätze unverändert gelassen hat, preisen Marktteilnehmer Zinssenkungen bereits in der ersten Jahreshälfte ein. Da Zinssenkungen, wann auch immer, bevorstehen, werden Investoren versuchen, die Renditen für die nächsten Jahre zu sichern und entsprechende Investments auch in längeren Laufzeiten tätigen.

II: Kommen wir einmal auf die einzelnen Segmente des Rentenmarkts zu sprechen. Langlaufende US-Staatsanleihen werfen wieder mehr als 4 % ab. Generell interessant für Sie?

Fitzner: Unser Credo lautet, dass wir kein Investment eingehen ohne Aussicht auf Ertrag. Ein Asset nur unter Diversifikationsaspekten ins Portfolio aufzunehmen reicht nicht aus. Das erklärt auch, weshalb wir im Bereich der Staatsanleihen in Zeiten des Null- bzw. Niedrigzinses gar nicht investiert waren. Mittlerweise, nach der Zinswende, haben sich diesbezüglich die Vorzeichen geändert. Denn nunmehr bedeuten gestiegene Renditen, dass Anleger auf mittlere Sicht mit langlaufenden und bonitätsstarken Staatsanleihen wieder auskömmliche positive Realrenditen erzielen können. Das sorgt für zusätzliche Stabilität und Sicherheit im Portfolio. Kürzlich allokierten wir eine französische Staatsanleihe im Portfolio.

II: Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld könnten Hochzinsanleihen vermehrt kritisch beäugt werden. Wie sehen Sie das?

Petersen: Nachdem der Markt für Hochzinsanleihen im vergangenen Jahr gute Erträge abwarf, fragen sich Anleger natürlich, ob die starke Performance angesichts des möglichen Rezessionsrisikos am Horizont anhalten kann. Insbesondere vor dem Hintergrund eines Soft Landings sollten High Yield Anleihen aber weiter gut abschneiden. Gleichwohl ist die Auswahl einzelner Sektoren bzw. Segmente weiterhin entscheidend bei der Erzielung attraktiver risikobereinigter Renditen.

Fitzner: Wenn ich ergänzen darf, so ist generell festzuhalten, dass die Kreditqualität am Hochzinsmarkt heute viel höher als früher ist. Viele Emittenten haben in den vergangenen Jahren gute Gewinne erzielt und ihre Bilanzen gestärkt, so dass sie gut gerüstet sind, um einen möglichen Abschwung zu überstehen. Das gilt sowohl für Europa als auch für die USA. Hinzu kommt, dass es vielen Unternehmen dank der Profitabilität gelungen ist, die höheren Zinskosten zu kompensieren. In der Summe gehen wir aktuell nicht von einer dramatischen Insolvenzwelle aus, die über dem normalen Maß leicht gestiegener Ausfallsraten in wirtschaftlich schwierigerem Umfeld liegt.

II: Zinswende, Krieg und Kostenexplosion haben beispielsweise die Marktumstände der Immobilienwirtschaft verändert. Sind Immobilienanleihen bei Ihren Portfolioüberlegungen außen vor?

Petersen: Nein, auch in diesem Segment können wir mit unserer Investmentphilosophie fündig werden. Dabei geht es eindeutig nicht um hochspekulative Anlagen, sondern um überwiegend Investment Grade Anleihen, die aber im vergangenen Jahr nach unserer Ansicht zu Unrecht von Investoren als sehr riskant eingestuft wurden. Unternehmen mit bestehenden Immobilienportfolien, die bereits mit einem deutlichen Puffer bzw. Abschlag gehandelt werden. Von Immobilienentwicklern lassen wir jedoch die Finger.

II: Lassen Sie uns noch ein paar Takte zu Ihrem Phaidros Funds Fallen Angels verlieren. Welche Merkmale machen den Fonds aus?

Fitzner: Der Fonds ist ein globaler Anleihenfonds, der bevorzugt in Unternehmensanleihen von Emittenten aus dem BBB-BB Ratingsegment investiert. Hervorstechend ist, dass wir uns auf jene Unternehmensanleihen von Emittenten konzentrieren, die ursprünglich aus dem Investment Grade Segment kommen und auf „High Yield“ herabgestuft wurden. Im vergangenen Jahr konnten wir eine Wertentwicklung von mehr als 14 % verzeichnen. Anleihen aus den Bereichen Finanzen und Konsum machen aktuell die Hälfte des Portfolios aus. Aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus bieten sich aber auch wieder attraktive Investitionsmöglichkeiten in anderen Bereichen, wie z. B. Staatsanleihen höchster Bonität, die wir aktuell vermehrt nutzen. Das Portfolio kann dadurch wieder ausgewogener zwischen Ertrags- und Stabilitätsquellen aufgestellt werden. ohne großes Renditepotenzial aufzugeben. Die Ausgangslage ist für die Rentenmärkte insgesamt wieder deutlich positiver als wir es in der Nullzinsphase der letzten 10 Jahren gewohnt waren.

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