Außergewöhnlicher Zyklus führt zu Zinssenkungen durch die Fed trotz hoher Inflation

Es ist höchst ungewöhnlich, dass die Federal Reserve die Zinsen senkt, obwohl die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert liegt. In der Vergangenheit hat die Fed ihre Geldpolitik erst gelockert, wenn der Preisdruck eindeutig unter Kontrolle war. Die aktuelle Situation, in der die Inflation hartnäckig hoch bleibt, während das Wachstum und der Arbeitsmarkt nachlassen, unterstreicht, wie außergewöhnlich dieser Zyklus ist. Die Fed setzt eindeutig darauf, dass die weitere Schwäche des Arbeitsmarktes und der vorübergehende Charakter der durch Zölle bedingten Preissteigerungen letztendlich zu einem Rückgang der Inflation führen werden.

Zinssenkungen als verlässlicher Kurstreiber!?

Wenn die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen senken, horchen Anleger auf. "Dass Zinssenkungen unterstützend und in der Tendenz positiv für Konjunktur und auch für Aktienmärkte sind, ist eine Binsenweisheit. Doch wie stark ist dieser Effekt wirklich? Diese Frage stellt sich aktuell umso mehr, da die Fed auf weitere Zinssenkungen in den nächsten Quartalen zusteuert, nachdem sie seit längerer Zeit im September bereits um 25 Basispunkte gesenkt hatte", sagt Marc Decker, Co-Aktienchef bei Quintet, der Muttergesellschaft von Merck Finck. 

Einschätzung zum Jackson Hole Symposium

Ein leicht zurückhaltender Ton ist Musik in den Ohren der Marktteilnehmer, da Fed-Chef Powell eine gewisse Klarheit hinsichtlich der bevorstehenden geldpolitischen Entscheidung im September geschaffen hat. Mit einem Verweis auf die steigenden Risiken für den Arbeitsmarkt wurden die Befürchtungen hinsichtlich einer hawkischen Haltung im Vorfeld der Rede zerstreut, sodass die Märkte schnell ihre Wetten auf eine Lockerung im September erhöhten.

Märkte und Fed im Clinch – Erwartungen versus Realität

Die Märkte setzen auf baldige Zinssenkungen in den USA – doch das Ausmaß und das Tempo der aktuell eingepreisten Zinssenkungen erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt überzogen. Die Inflationserwartungen sind zuletzt gestiegen, und eine spürbare Abschwächung der US-Konjunktur ist bislang nicht erkennbar. Aus Sicht von Matthias Busuttil, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management, ist Geduld gefragt.

PIMCO: US-Arbeitsmarkt verliert Dynamik

Was ist passiert? Der Oktober-Arbeitsmarktbericht, beeinflusst durch Streiks und tropische Wirbelstürme, bestätigt unsere Einschätzung eines sich abkühlenden US-Arbeitsmarktes. Die Beschäftigung stieg im Oktober um nur 12.000 Stellen – überwiegend aufgrund dieser Sondereffekte. Auch ohne diese Einflüsse bleibt das Bild verhalten:

US-Arbeitsmarkt robuster als erwartet – Lockerungszyklus der Fed könnte schneller enden

Der unerwartet gute US-Arbeitsmarktbericht für September löste zwar eine breite Konsolidierung an den Märkten aus, doch war diese Neubewertung angesichts der bereits bestehenden Rallye bei Zinsen, Krediten und Aktien nicht völlig unerwartet. Zum jetzigen Zeitpunkt, da noch ein weiterer Arbeitsmarktbericht vor der nächsten Fed-Sitzung ansteht, hängt es von der unerwarteten Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes ab, ob die nächste Zinssenkung 50 Basispunkte oder, was wahrscheinlicher ist, 25 Basispunkte betragen wird.

Ostrum AM: Ist es an der Zeit für die Reflationswette?

Könnte es angesichts starker Wirtschaftsdaten aus den USA, der Aussicht auf baldige Zinssenkungen und Stimuli aus China für Investoren schon an der Zeit sein, Wetten auf eine Reflation einzugehen, fragt sich Axel Botte, Chefstratege beim französischen Investmenthaus Ostrum AM, in seinem aktuellen „MyStrat Weekly“. Zahlreiche Impulse hätten ein durchaus günstiges Umfeld für risikobehaftete Anlagen geschaffen, für gibt es jedoch unverändert eine Reihe von Unsicherheiten zu bedenken.

EZB-Zinssenkung im Juni erwartet – und im Juli nicht ausgeschlossen

Es wird allgemein erwartet, dass die EZB auf ihrer Sitzung in dieser Woche die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird. Die Zinssenkung wurde im April angekündigt, obwohl die EZB immer wieder betonte, dass die endgültige Entscheidung datenabhängig sei. Annalisa Piazza, Analystin für festverzinsliche Wertpapiere, MFS Investment Management, gibt ihre Einschätzung im Voraus der EZB-Sitzung am Donnerstag, 6. Juni:

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