MärkteDie richtigen Risiken zum richtigen Preis und zum richtigen Zeitpunkt

Income-Experten, die sich in Gänze auf das Anleihesegment konzentrieren, haben es nicht einfach. Dauerhaft niedrige Renditen, eine jedenfalls noch relativ ungewisse Erholungsphase, kombiniert mit dem Inflationsrisiko. Ein herausforderndes Marktumfeld, um regelmäßig Erträge zu generieren. Wie das dennoch gelingen kann, darüber sprach die Redaktion mit Richard Ryan, dem Fondsmanager des M&G Alpha Opportunities Fund.
28. Juni 2021
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Income-Experten, die sich in Gänze auf das Anleihesegment konzentrieren, haben es nicht einfach. Dauerhaft niedrige Renditen, eine jedenfalls noch relativ ungewisse Erholungsphase, kombiniert mit dem Inflationsrisiko. Ein herausforderndes Marktumfeld, um regelmäßig Erträge zu generieren. Wie das dennoch gelingen kann, darüber sprach die Redaktion mit Richard Ryan, dem Fondsmanager des M&G Alpha Opportunities Fund.

INTELLIGENT INVESTORS: Value hat einen gewissen Reiz. Dennoch bereiten vor allem die mageren Zinsen Probleme. Wie beurteilen Sie das aktuelle Umfeld für Income-Strategien?
Richard Ryan: Ganz klar ist das Umfeld für Income-Strategien herausfordernd. Ende 2007 lag die Rendite des Euro Corporate Index bei 5,35 %, heute mit 0,35 % ganze 5 % niedriger! Anleger gehen unterschiedlich damit um: Die eine Gruppe versucht, mehr Risiko einzugehen, um das Ertragsniveau zu halten – durch ein größeres Engagement in hochverzinslichen Schuldtiteln und in illiquiden/komplexen Anlagen, bei denen das nicht ausreichend kompensiert wird. Die zweite Gruppe ist geduldig und entscheidet selektiv, welche Risiken sie wann eingeht und welches Renditeniveau das Risiko kompensiert. Dabei nutzen sie die Marktvolatilität, nehmen aber auch geringere Renditen in Kauf, wenn es weniger Chancen gibt. Das ist auch unser Ansatz, indem wir typischerweise 10 bis 15 % in privaten Schuldtiteln, vorwiegend europäische Leveraged Loans, halten. Wir kombinieren ihn mit einer wertorientierten Aktienauswahl, die stark auf Research setzt.

II: Waren Sie gezwungen, größere Anpassungen an Ihrem Fonds vorzunehmen, zum Beispiel im Zuge der COVID-19-Krise?
Ryan: Nein. Wir konzentrieren uns darauf, wie wir unseren Anlegern Renditen liefern und auf die Risiken. Entsprechend haben wir im zweiten Halbjahr 2019 das Risiko auf Emittentenbasis stark reduziert, als die Bewertungen den Fair Value erreichten und in vielen Fällen übertrafen. So gingen wir mit einem niedrigen Risikoniveau in das Jahr 2020 und konnten die Chancen nutzen, die sich während des pandemiebedingten Ausverkaufs boten. Wir haben hauptsächlich Investment-Grade-Anleihen mit längeren Laufzeiten hinzugefügt, die sich gut entwickelten, als sich die Märkte erholten. In den ersten sechs Monaten nach Pandemiebeginn brachten langlaufende Investment-Grade-Schuldtitel (mit einem Rating von A/BBB) vergleichbare Renditen wie High-Yield-Schuldtitel (mit einem Rating von BB/B), jedoch mit viel kleinerem Ausfallrisiko.

II: Risikomanagement ist der Schlüssel: Wie gehen Sie damit um?
Ryan: Anleihen sind keine risikofreie Anlageklasse, und Risikomanagement beginnt immer mit einem hohen Maß an Diversifizierung. Unsere Strategien umfassen in der Regel 250 bis 350 Emittenten und mehr als 400 Emissionen. Außerdem ist uns sehr wichtig, die richtigen Risiken zum richtigen Preis und zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen. Ein tiefes Verständnis der Kreditfundamentaldaten ist daher eine Voraussetzung, aber ohne eine Einschätzung des Value gibt es keine attraktiven Renditen. Unsere Frage ist immer: Werden wir für das Risiko entschädigt?

II: Wie können sich institutionelle Anleger am besten gegen (erhöhte) Inflationsrisiken und Kursverluste schützen?
Ryan: Die Politik der Zentralbanken auf der ganzen Welt hat die Märkte nach oben und die Renditen nach unten getrieben. Die Vorhersage zukünftiger Bewegungen von Anleiherenditen und Währungen ist extrem unzuverlässig, wenn die Volkswirtschaften ständig externen Schocks, wie z. B. dem Anstieg der Inflation, unterliegen. Die lassen sich abmildern, wenn das Engagement in Zinssätzen und Währungen vollständig abgesichert und nicht spekuliert wird. Durch die Absicherung des Zinsrisikos bzw. der Duration auf null wird unsere Multi-Asset-Credit-Strategie quasi zu einem Floating-Rate-Fonds. Wir entscheiden nicht nach Meinungen oder Prognosen der Märkte, sondern konzentrieren uns auf Risikoprämien für Anleihen.

II: Seit Jahresbeginn haben sich Hochzinsanleihen (deutlich) besser entwickelt als andere Anleihesegmente. Wird sich dieser Trend fortsetzen? Welche Renditeniveaus können wir von Hochzinsanleihen erwarten?
Ryan: Für einen Income-Investor bietet der Euro-Hochzinsmarkt weiterhin eine attraktive Rendite von zur Zeit circa 3,5 %. In einem stabilen Marktumfeld ist das mittel-/langfristig ein attraktives Ertragsniveau für eine Anlageklasse, die im Durchschnitt mit BB bewertet ist. Anleger sollten sich davor hüten, die Märkte immer höher zu treiben und sich stattdessen auf qualitativ hochwertigere Bestände konzentrieren. Dabei sollte man vorerst niedrigere Renditeniveaus akzeptieren, aber ausreichend liquide und qualitativ hochwertige Vermögenswerte behalten, um auf mögliche Chancen im weiteren Verlauf des Zyklus zu reagieren.

II: Gibt es bestimmte regionale Knackpunkte, die derzeit positiv in Bezug auf das Erreichen Ihres Auszahlungsziels auffallen?
Ryan: Wir konzentrieren uns in erster Linie auf Europa, würden aber auch attraktiv bewertete Emissionen aus den USA und Großbritannien nutzen – auf vollständig währungsgesicherter Basis. Bei der Einschätzung dieser Opportunitäten ist es allerdings wichtig, dass eine Nicht-Euro-Anleihe im Vergleich zu den Euro-Märkten, aber auch zu ihren Mitbewerbern und anderen Möglichkeiten im UK bzw. US-Markt attraktiv gepreist ist. Strategien wie der M&G Alpha Opportunities Fund können öffentliche und (weniger liquide) private Schuldtitel mischen. Die zusätzlichen Erträge (derzeit circa 4,5 %) und die Diversifizierung, die sich beispielsweise aus einer Allokation in europäische Leveraged Loans ergeben, können attraktiv sein.

Richard Ryan – Foto: © M&G

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