BlueBay AM: „Investoren könnten von der Fed enttäuscht werden“

Die Marktteilnehmer rechnen damit, dass die US-Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus verlangsamen wird. Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, warnt jedoch vor verfrühtem Optimismus. Die Renditeaussichten für festverzinsliche Wertpapiere im Jahr 2023 scheinen derweil positiv.
27. November 2022
Mark Dowding - Foto: © BlueBay AM

Die Marktteilnehmer rechnen damit, dass die US-Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus verlangsamen wird. Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, warnt jedoch vor verfrühtem Optimismus. Die Renditeaussichten für festverzinsliche Wertpapiere im Jahr 2023 scheinen derweil positiv.

„Aufgrund der US-Feiertage zu Thanksgiving und des Beginns der Fußballweltmeisterschaft war es am Kapitalmarkt in der vergangenen Woche relativ ruhig. Die Stimmung wurde jedoch durch das positive Protokoll des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank Fed aufgehellt. Dieses untermauerte die Ansicht, dass sich der Zinserhöhungszyklus im Dezember verlangsamen wird.

Die am VIX-Index gemessene Volatilität ist seit Oktober rückläufig und liegt nun wieder auf dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen fünf Jahre. In der Zwischenzeit ist der VVIX, der die Volatilität der Volatilität misst, auf ein Siebenjahrestief gesunken. Alles in allem hat dies dazu beigetragen, die Preisentwicklung bei Risikoanlagen zu unterstützen.

Die Marktteilnehmer könnten vor diesem Hintergrund zu dem Schluss kommen, dass der Kampf gegen die Inflation gewonnen ist und sowohl die makroökonomische als auch geopolitische Unsicherheit nachlassen. Die Zuversicht wächst, dass die Fed ihren Straffungszyklus bis zum Ende des ersten Quartals 2023 beendet haben wird, da der Verbraucherpreisindex sinkt und sich das Wachstum verlangsamt.

Wir sind jedoch besorgt, dass der Ausblick auf eine weniger restriktive Geldpolitik verfrüht eingepreist wurde. Die finanziellen Bedingungen sind deutlich entspannter als vor der letzten Fed-Sitzung, bei der die Währungshüter die Zinsen um 75 Basispunkte anhoben. Daher besteht das Risiko, dass die Investoren vom FOMC enttäuscht werden könnten.

Statistisch gesehen dürfte es nicht allzu sehr überraschen, wenn der US-Arbeitsmarktbericht in der kommenden Woche fest bleibt: Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiterhin hoch, wie aus den JOLTS-Daten (Job Openings and Labor Turnover) hervorgeht. Die Entlassungen in Bereichen wie der Technologiebranche scheinen sich aber zu beschleunigen und der Arbeitsmarkt sich abzukühlen. Das dürfte sich jedoch erst in einigen Monaten in den Daten niederschlagen.

Die Marktteilnehmer setzen vor dem Hintergrund der jüngsten Inflationsdaten auf eine Verbesserung des Inflationstrends. Da der US-Verbraucherpreisindex für November jedoch erst Mitte Dezember und damit nur zwei Tage vor der letzten FOMC-Sitzung des Jahres veröffentlicht wird, könnte es bei einer negativen Überraschung zu erneuter Volatilität kommen.

Mit Blick auf die Renditeaussichten für festverzinsliche Wertpapiere im Jahr 2023 herrscht eine gewisse Zuversicht. Bei US-Zinsen von rund 4,5 Prozent könnten Investment-Grade-Anlagen im kommenden Jahr auf US-Dollar-gesicherter Basis durchaus Renditen von 7 bis 8 Prozent erzielen. Bei höher verzinslichen Anleihen besteht Spielraum für zweistellige Renditen, wenn die negativen Auswirkungen steigender Ausfallraten vermieden werden können.

Doch die Märkte bewegen sich nicht geradlinig. In den vergangenen Jahren haben wir gelernt, wie schwierig der Aufbau einer Strategie basierend auf einem 12-Monats-Ausblick ist. Daher nutzen wir weiter Gelegenheiten, bei denen wir ein asymmetrischeres Renditeprofil sehen – und kaufen bei Schwäche und verkaufen bei Stärke.“ (ah)

 

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