„Kevin Warshs Nominierung zum Fed-Vorsitzenden könnte einen Regimewechsel einleiten“

„Wir müssen über Kevin sprechen. Nicht nur, weil Donald Trump (ein enger Freund von Mr. Warshs Schwiegervater Ronald Lauder) sagt, er habe ‚großen Scharfsinn und ein großartiges Aussehen‘, sondern weil Kevin Warshs Nominierung zum Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) einen Regimewechsel in der US-Geldpolitik einleiten könnte – mit Folgen für Zinsstrukturkurve, Liquidität und Risikoanlagen. Warsh bringt solide Qualifikationen mit. Als Fed-Gouverneur während der globalen Finanzkrise spielte er eine Schlüsselrolle und wurde von Ben Bernanke dafür gelobt, in einer Phase, in der institutionelles Vertrauen entscheidend war, konstruktive Verbindungen zwischen der Fed und dem Kongress aufrechterhalten zu haben. Zugleich verfügt Warsh jedoch über eine Historie als beharrlicher – und bisweilen fehlgeleiteter – Inflationsfalke. Während seiner Amtszeit (2006–2011) hielt Warsh an einer inflationären Falkenhaltung fest – bis Ende 2009, als die Kernrate des PCE-Deflators bei 0,6 Prozent lag und die Arbeitslosigkeit 9,9 Prozent betrug. Zudem ist er für seine restriktive Haltung zur Bilanz der Fed bekannt. Er argumentiert seit Langem, dass quantitative Lockerung (QE) und eine überdimensionierte Notenbankbilanz die Wall Street gegenüber der Main Street bevorzugen, indem sie Vermögenspreise nach oben treiben, ohne die Kreditkosten, die für Haushalte und kleine Unternehmen tatsächlich relevant sind, spürbar zu senken. Aus seiner Sicht drückt QE die langfristigen Renditen, lässt die kurzfristigen Finanzierungsbedingungen jedoch weitgehend unberührt. Konsequent aus dieser Perspektive betrachtet plädiert Warsh für zwei bis drei Zinssenkungen im Jahr 2026 – eine gute Nachricht für die Main Street. Für das obere Ende der K-förmigen Wirtschaft könnte ein Zinsniveau von 3,75 Prozent bereits potenziell akkommodierend sein; für das untere Ende bleibt selbst 3 Prozent restriktiv. Anders gesagt: das kurze Ende lockern, nicht die Bilanz. Theorie ist jedoch das eine, Praxis das andere. Eine solche Ausrichtung wird nicht über Nacht umgesetzt – und ein solcher Übergang (falls er tatsächlich erfolgt) würde mit dem US-Finanzministerium (Scott Bessent) koordiniert, welches seinerseits die Emissionen am langen Ende weiter reduzieren würde. Die Implikation wäre eine steilere US-Zinsstrukturkurve. Die kurzfristigen Zinssätze würden durch Senkungen der Leitzinsen stabilisiert, während langfristige Renditen auf ein höheres, marktbasiertes Niveau steigen dürften – getrieben von Marktkräften in einem Umfeld mit einer robusten (und sehr wahrscheinlich wieder beschleunigenden) US-Wirtschaft, anhaltendem Inflationsdruck, hohen Haushaltsdefiziten und fortgesetztem Angebot an US-Staatsanleihen. Für Risikoanlagen könnte dieser Policy-Mix allerdings als leicht negativ interpretiert werden. Bilanzreduktion in Zeiten großer fiskalischer Defizite bedeutet eine höhere Nettoemission, die vom Markt absorbiert werden muss – und das in einem ohnehin fragilen Liquiditätsumfeld. Stressanzeichen am Repo-Markt und wiederkehrende Finanzierungsspannungen deuten darauf hin, dass die Liquiditätsbedingungen alles andere als unproblematisch sind. Vor diesem Hintergrund könnte eine weniger unterstützende Bilanzpolitik auf Aktien und andere Risikoanlagen drücken – selbst wenn Zinssenkungen am kürzeren Ende der Kurve der Realwirtschaft etwas Entlastung verschaffen.“

Fed dürfte mit Zinssenkung warten

Die Sitzung der US-Notenbank war weniger ein „Nicht-Ereignis“ als eine gezielte Botschaft: Der Offenmarktausschuss ließ die Zielspanne für den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent und stimmte mit 10 zu 2 für das Abwarten. Zwei Notenbanker – Waller und Miran – wollten bereits jetzt eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte. Das kann man als ernst gemeinte geldpolitische Minderheitenposition lesen, weil Waller seit längerem für Zinssenkungen argumentiert. Man kann es aber ebenso als Signal in eigener Sache deuten: Wer sich als künftiger Vorsitzender ins Gespräch bringen will, profitiert davon, früh „Mut zur Lockerung“ zu zeigen. Entscheidend ist: Diese beiden Stimmen bilden nicht die Mehrheit ab.

Zinshalt: Die Fed wählt die Warteposition

Die Federal Reserve (Fed) steht vor einer Zäsur: Nach drei Zinssenkungen in Folge signalisiert sie nun eine Phase der Stabilität. Für die Januarsitzung erwartet Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A., dass die Fed den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen wird. Die Notenbanker betrachteten die aktuelle Geldpolitik als „gut positioniert“ und würden eine abwartende „Wait-and-see“-Haltung einnehmen, um die Wirkung der bisherigen Lockerungen zu evaluieren. Helds detaillierte Einschätzung:

Ostrum AM: Zinssenkung der Fed unwahrscheinlich

Von der Fed-Sitzung in der kommenden Woche erwartet Axel Botte, Chefstratege des französischen Investmenthauses Ostrum Asset Management, keine Zinssenkung. Die Daten zur Inflation in den USA seien bestenfalls gemischt; der Erzeugerpreisindex habe sogar die Befürchtungen vor einem Wiederanstieg der Inflation wieder angefacht.

Fed-Sorgen stützen Gold und Silber

Das US-Justizministerium hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen die Fed eingeleitet – Gold und Silber reagierten positiv und stiegen am Montagmorgen um 1,5 % bzw. 5 %. Die Einmischung der Regierung in die Fed sei 2026 ein bullischer Faktor für Edelmetalle, stellt Carsten Menke fest, Head Next Generation Research bei Julius Bär:

FED-Sitzung: Entschlossen vorsichtig

Auf ihrer Dezembersitzung hat die FED die Obergrenze für den Leitzins – wie erwartet – erneut um 25 Basispunkte auf 3,75% gesenkt. Die Notenbank reagiert damit zum dritten Mal in Folge auf den schwächeren Beschäftigungsaufbau und die gestiegenen konjunkturellen Risiken. Die Entscheidung fiel mit drei Gegenstimmen. Damit hat sich die Anzahl abweichender Meinungen zur letzten Sitzung um eine weitere Stimme erhöht. Gleichzeitig haben die FED-Mitglieder ihre Zinserwartungen (Dot-Plot) für 2026 und auch die Folgejahre nicht verändert. Chair Powell äußerte sich wie bei der letzten Zinsentscheidung vorsichtig zum Ausblick und verwies auf die kommenden Daten als entscheidend dafür, ob und wie weit die Zinsen im ersten Halbjahr noch gesenkt werden sollten. Das ist richtig. Und auch in den kommenden Monaten sollten die Ratsmitglieder sparsam mit Zinssignalen umgehen, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.      

Fed macht es noch einmal

Die kommende FOMC-Sitzung wird als klare Fortsetzung des Risikomanagement-Zyklus in die Geschichte eingehen, erwartet Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. Er sieht die erwartete Zinssenkung durch die makroökonomischen Daten gedeckt:

Fed ist mitten im Paradigmenwechsel

„Die Frage ist längst nicht mehr, ob sich das geldpolitische System der USA verändert, sondern wie schnell und welche Folgen dies für die Kapitalmärkte hat“, kommentiert Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. „Fakt ist: Die Märkte handeln diese Veränderung bereits, lange bevor sie offen ausgesprochen wird.“

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