US-Wirtschaft: Was die EZB von der Fed lernen könnte

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal geschrumpft, zum zweiten Mal in Folge. Nach landläufiger Meinung befindet sich die amerikanische Wirtschaft damit in einer Rezession. Ob dies aus ökonomischer Sicht wirklich so ist, darüber kann durchaus gestritten werden - vor allem weil das Minus im ersten Quartal fast ausschließlich von deutlich sinkenden Exporten verursacht wurde, während die Inlandsnachfrage noch recht robust blieb. Entscheiden wird diesen Streit das National Bureau of Economic Research irgendwann im kommenden Jahr. Wichtig für die Beurteilung der aktuellen Lage ist ohnehin etwas anderes. Die Dynamik der US-Wirtschaft hat im bisherigen Jahresverlauf nachgelassen: Während Konsum und Investitionen im ersten Quartal noch 0,5 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum beitrugen, kippte dieser Wert im zweiten Quartal mit 0,1 Prozentpunkten ins Minus. 

US-Notenbank erhöht Zinsen um 0,75 Prozent

Wie allgemein erwartet, erhöht die US-Notenbank auf ihrer Juli-Sitzung die Zinsen um weitere 75 Basispunkte. Damit kann der aktuelle Stand der US-Geldpolitik als neutral angesehen werden, das derzeitige Zinsniveau von 2,25 bis 2,5 Prozent ist nach allgemeiner Einschätzung weder förderlich noch hinderlich für die Wirtschaft. Aber es scheint, als würden die Zentralbanker allmählich anerkennen, was andernorts bereits intensiv diskutiert wird: eine Abschwächung der Wirtschaftsdynamik. Trotz dieser Änderung in der Presseerklärung wird die US-Notenbank höchstwahrscheinlich weiterhin mehr Gewicht auf die immer noch viel zu hohe Inflation legen.

FED muss sich auf ihr Hauptmandat der Preisniveaustabilität konzentrieren

Die US-Inflation hat im Juni erneut auf der hohen Seite überrascht: Der Anstieg der Verbraucherpreise lag bei 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und die Kerninflation bei 5,9 Prozent – im Vergleich zu Erwartungen in Höhe von 8,8 bzw. 5,7 Prozent. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge kann das Risiko nicht ausgeschlossen werden, dass sich das inflationäre Umfeld verfestigt, insbesondere durch Zweitrundeneffekte. Daher hat die Fed keine andere Wahl, als sich auf ihr Hauptmandat – Wahrung der Preis-niveaustabilität – zu konzentrieren und weiterhin schnell und entschlossen zu handeln. Unserer Ansicht nach sollte sie daher eine weitere Anhebung der Fed Funds Rate um 75 Basispunkte beschließen. 

US-Inflationsdaten steigern Rezessionsgefahr

Die Fed wird zum Feind. Zumindest aus Sicht der Märkte. „Angesichts der noch einmal über den schon hohen Erwartungen liegenden Inflationsrate bleibt der Fed kaum ein anderer Weg, als noch einmal die Zügel anzuziehen“, sagt Benjamin Bente, Geschäftsführer der Vates Invest GmbH. „Zwei Jahrzehnte war die Fed Freundin und Retterin der Aktienmärkte, damit ist es jetzt vorbei.“ Cash könnte für eine Weile die Anlage der Wahl sein.

US-Inflation sinkt nur leicht, Druck auf FED bleibt

Die US-Inflation ist im April leicht auf 8,3% über Vorjahr gesunken. Auch die Kernrate hat etwas nachgegeben. Die FED wird ihren Straffungskurs deswegen aber noch nicht überdenken. Hierfür ist ein mehrmonatiger uns spürbarer Rückgang der Kernrate bei gleichzeitig sinkenden Inflationserwartungen Voraussetzung. Ein Erreichen von „Peak-Hawkishness“ ist eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Stabilisierung der Märkte, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.  

Euro-Inflation auf Gipfelplateau

Die Inflationsrate im Euro-Raum lag auch im April bei 7,5%. Ein leichter Rückgang der Energiepreise wurde durch den Anstieg der Nahrungsmittelpreise und der Kerninflation kompensiert. Die Entlastungsmaßnahmen der Politik haben den Preisdruck nur bedingt gemindert. Der Druck auf die EZB ist vor allem deshalb gestiegen, da die mittelfristigen Inflationserwartungen ihre Verankerung zu verlieren drohen, erklärt Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

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