Fed: Weniger Ankäufe, mehr Inflation

Wie allgemein erwartet kündigte die U.S. Notenbank in ihrer Novembersitzung den Start der Reduktion ihrer Anleihenkäufe an. Von nun an wird das Tempo höchstwahrscheinlich jeden Monat um 15 Mrd. USD reduziert. "Höchstwahrscheinlich" deshalb, weil es sich die U.S. Notenbanker offenhalten, diese Kürzungen in den kommenden Monaten anzupassen - sollte der volkswirtschaftliche Ausblick dies erfordern. Während diese Entscheidung eigentlich schon Schlagzeilen per se wert ist, bleibt die eigentliche Frage, die die Marktteilnehmer beschäftigt, eher unbeantwortet: Die U.S. Notenbank hält an ihrer Einschätzung fest, dass die erhöhte Inflation „größtenteils auf Faktoren zurückzuführen ist, die voraussichtlich vorübergehend“ sein werden.

Die Fed bewegt sich auf einem schmalen Grat

Seit der letzten Sitzung der US-Notenbank (Fed) Ende September hat sich einiges geändert. Wie Fed-Chef Jerome Powell kürzlich zugab, ist die seit Monaten vorgebrachte Argumentation eines lediglich vorübergehenden Inflationsanstiegs – eine Beobachtung, die auf steigenden Energiepreisen, Arbeitskräftemangel und Störungen auf der Angebotsseite beruhte – nicht länger aufrecht zu erhalten. 

EZB will hohe Inflation aussitzen

EZB-Chefin Lagarde gab auf der heutigen Pressekonferenz zu von der Inflationsdynamik etwas überrascht zu sein. Sie betonte aber, dass die Notenbank weiter von einem Rückgang im kommenden Jahr ausgeht und das Risiko von Zeitrundeneffekten als begrenzt ansieht. Angesichts der Erholung der Wirtschaft beabsichtigt die EZB aber wohl ihr Notfallkaufprogramm PEPP im März zu beenden. Die EZB bleibt mit ihrer Reaktion auf die Inflationsrisiken dennoch deutlich entspannter als andere Notenbanken. Für Investoren birgt dies Chancen und Risiken, erklärt Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. In der nächsten Printausgabe von INTELLIGENT INVESTORS haben wir ein Interview mir Dr. Mayr.

Schreckgespenst Stagflation: Warum sich Anleiheinvestoren keine langfristigen Sorgen machen müssen

Anleiheinvestoren haben sich in diesem Jahr bereits mit unzähligen Herausforderungen konfrontiert gesehen – von niedrigen Zinsen über eine steigende Inflation bis hin zu sehr engen Spreads. Jetzt droht das nachlassende globale Wachstum in eine Stagflation überzugehen. Zu einer Stagflation kommt es, wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, die Arbeitslosigkeit steigt und die Inflation hoch bleibt.

DVFA-Mitglieder sehen geldpolitischen Kurs kritisch

Das ist eine eindeutige Aussage. Zu locker sei die aktuelle geldpolitsche Ausrichtung der Notenbanken. Zu diesem Ergebnis kommt der Berufsverband der Investment Professionals DVFA, der hierzu seine Mitglieder befragt hat.  Sehr entschieden halten die Befragten die aktuelle geldpolitische Ausrichtung für zu locker, sind aber auch der Ansicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der hohen Verschuldung im Euroraum auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein wird, die Zinsen angemessen anzuheben.

Trotz Einlenken der Notenbanken: Aktienmärkte weiter mit Chancenpotential

„Die Geldpolitik der Notenbanken kommt unter Druck. Die Zentralbanken haben zur Kenntnis genommen, dass dieser Druck länger anhalten könnte als ursprünglich erwartet. Dies führt zu einer Intensivierung der Diskussionen über das Tapering. Wir glauben allerdings nicht, dass dieses zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein ernsthaftes Problem für die Aktienmärkte darstellt. Denn die möglichen Anpassungen werden schrittweise erfolgen und sind von den Märkten antizipiert.

Federal Reserve steuert auf Tapering im November zu

Die US-Notenbank wird ihre Anleihekäufe höchstwahrscheinlich im November zurückfahren. Davon ist auch Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, überzeugt. Allerdings hängen die längerfristigen Aussichten seiner Einschätzung nach davon ab, wie vorübergehend der derzeitige Inflationsschub ist: „Sollten wir richtig liegen und die Inflation schneller als erwartet abflauen, dürften sich die Zinserhöhungen verzögern, was einen weiteren Aufwärtstrend bei nordamerikanischen Aktien begünstigen würde.“ Im Detail erwartet Galy die folgenden Entwicklungen.

Hoher Gleichlauf von Aktien und Staatsanleihen bereitet Schwierigkeiten

Staatsanleihen mit langer Duration boten lange Zeit die nahezu perfekte Absicherung gegen Kursverluste in Risikoanlagen. Sie generierten positive Erträge und kompensierten bei Aktienmarktkorrekturen als sicherer Hafen regelmäßig einen Teil der Verluste. Diese Korrelationseigenschaften zwischen Staatsanleihen und Aktien waren maßgeblich für den Erfolg statischer Multi-Asset-Ansätze.

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