Fed ist mitten im Paradigmenwechsel

„Die Frage ist längst nicht mehr, ob sich das geldpolitische System der USA verändert, sondern wie schnell und welche Folgen dies für die Kapitalmärkte hat“, kommentiert Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. „Fakt ist: Die Märkte handeln diese Veränderung bereits, lange bevor sie offen ausgesprochen wird.“

EZB: Kaum Signale für Leitzinssenkung

Die Europäische Zentralbank dürfte am Donnerstag eine abwartende Haltung einnehmen. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone ist immer noch nahe dem Rekordtief. Auch dürfte die Inflation bei über 2,0 Prozent verharren und somit kein starkes Signal für eine Leitzinssenkung senden.

Fed in der Zwickmühle

Die US-Notenbank steht vor einer heiklen Entscheidung: Der schwächelnde Arbeitsmarkt spricht für Zinssenkungen, die steigende Inflation dagegen. Dr. Felix Schmidt, Senior Economist bei Berenberg, erläutert in einem aktuellen Kommentar seine Einschätzung zum Ausgang der anstehenden Fed-Sitzung: 

Prognosen werden sich nicht dem Willen der Tauben beugen – vorerst

Im Juli hat die EZB ihren Zinssenkungskurs wie erwartet unterbrochen, da die Inflation nahe am Ziel lag, die Konjunkturstimmung robust war und die Arbeitsmarktbedingungen stabil waren. Wir interpretierten die Einschätzung der EZB hinsichtlich der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit als potenziell hawkisches Signal – insbesondere für den Fall, dass die externen Gegenwinde nachlassen sollten. Allerdings betonen wir die außergewöhnliche Unsicherheit hinsichtlich der globalen Handelsentwicklung, insbesondere der US-Zölle und der Reaktion Europas, die entweder zu erneuten Zinssenkungen führen oder den Fokus der EZB auf Inflationsrisiken verlagern könnten, aufgrund der fiskalischen Lockerung.

Einschätzung zum Jackson Hole Symposium

Ein leicht zurückhaltender Ton ist Musik in den Ohren der Marktteilnehmer, da Fed-Chef Powell eine gewisse Klarheit hinsichtlich der bevorstehenden geldpolitischen Entscheidung im September geschaffen hat. Mit einem Verweis auf die steigenden Risiken für den Arbeitsmarkt wurden die Befürchtungen hinsichtlich einer hawkischen Haltung im Vorfeld der Rede zerstreut, sodass die Märkte schnell ihre Wetten auf eine Lockerung im September erhöhten.

Fed unter Druck — Anleihemärkte nervös — Aktienmärkte übersehen Gefahren

Die Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed steht unter großem Druck von US-Präsident Donald Trump, die Zinsen zu senken. Axel Botte, Chefstratege des französischen Investmenthauses Ostrum Asset Management, beobachtet in seinem aktuellen MyStratWeekly, dass die Anleihemärkte offensichtlich eine höhere Inflationsrate einpreisen; die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sei im Vorfeld der Sitzung der US-Notenbank wieder auf 4,40 Prozent gestiegen.

EZB verfügt über flexible Geldpolitik

Geldpolitisch befindet sich die EZB in einer beneidenswerten Lage, da die Inflation nun wieder auf das Ziel von 2 % zurückgekehrt ist und dort voraussichtlich auch für den Prognosezeitraum bleiben wird. Darüber hinaus werden Zölle außerhalb der USA angesichts der nachlassenden Risiken einer Eskalation der Strafzölle zunehmend als deflationär angesehen.

US-Treasuries: Private Investoren füllen die Lücke der Fed

„Der US-Dollar bleibt das Rückgrat des globalen Handels – und damit auch der strukturelle Anker für die Nachfrage nach Treasuries“, sagt Garrett Melson, Portfoliostratege bei Natixis Investment Managers Solutions. Trotz geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten und dem Rückzug der Notenbanken sieht Melson keinen nachhaltigen Bruch in der Nachfrage nach US-Staatsanleihen – im Gegenteil: „Die Nachfrage lebt, nur die Käufer haben sich verändert“.

SOCIAL MEDIA

RECHTLICHES

AGB
DATENSCHUTZ
IMPRESSUM
© wirkungswerk
ALLE RECHTE VORBEHALTEN

Anmeldung zum Newsletter