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„Der beste Weg ein Problem vergessen zu können, ist etwas daraus zu lernen“, soll der Künstler und Schauspieler Sir Peter Ustinov einmal gesagt haben. Passenderweise ist eine Krise oft eine gute Gelegenheit, um Probleme festzustellen –wenn auch auf unangenehme Weise. Für das US-amerikanische Gesundheitswesen war die Corona-Pandemie eine solche Krise. Sie fordert die Leistungsfähigkeit des Systems bis zum Äußersten heraus und zeigt gravierende Schwächen auf. Mithilfe moderner Technologien kann es allerdings gelingen, aus den Problemen zu lernen und das US-Gesundheitswesen zukunftsfähig aufzustellen.
19. März 2021
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„Der beste Weg ein Problem vergessen zu können, ist etwas daraus zu lernen“, soll der Künstler und Schauspieler Sir Peter Ustinov einmal gesagt haben. Passenderweise ist eine Krise oft eine gute Gelegenheit, um Probleme festzustellen –wenn auch auf unangenehme Weise. Für das US-amerikanische Gesundheitswesen war die Corona-Pandemie eine solche Krise. Sie fordert die Leistungsfähigkeit des Systems bis zum Äußersten heraus und zeigt gravierende Schwächen auf. Mithilfe moderner Technologien kann es allerdings gelingen, aus den Problemen zu lernen und das US-Gesundheitswesen zukunftsfähig aufzustellen.

Gesund in den USA? Nicht ohne Bedingungen.

Nach Angaben der Federal Reserve Bank of Atlanta und der University of Wisconsin hängt der allgemeine Gesundheitszustand der US-Bevölkerung zu 80 Prozent von sozialen Faktoren wie Job, Einkommen, Bewegung, Ernährung oder dem Wohnort ab. Lediglich 20 Prozent macht die eigentliche klinische Versorgung aus. In einem Land wie den Vereinigten Staaten, das von diversen kulturellen Hintergründen, Bevölkerungsschichten und einer großen Spanne zwischen Arm und Reich geprägt ist, führt das dazu, dass zum Beispiel ärmere Bevölkerungsgruppen stärker von gesundheitlichen Problemen betroffen sind.

Die Pandemie hat das Ausmaß der Ungleichheiten beim Zugang zur Versorgung innerhalb des US-Gesundheitssystems besonders hervorgehoben. Sozioökonomische Faktoren scheinen einen ausschlaggebenden Einfluss darauf gehabt zu haben, welche Menschen besonders von der Pandemie betroffen waren. Das zeigt sich zum Beispiel beim Vergleich ethnischer Gruppierungen. So war die Ansteckungsrate bei Schwarzen oder Afro-Amerikanern nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention im Vergleich zur Rate unter Weißen US-Amerikanern fast dreimal so hoch, die Hospitalisierungsrate fast fünfmal so hoch und die Todesrate mehr als doppelt so hoch.

Die Abrechnung der Behandlungs- und Pflegemaßnahmen verstärkt die Probleme zusätzlich. „Leistung nach Gebühr“ (Fee for Service, FFS) ist das derzeit vorherrschende Vergütungssystem für Gesundheitsleistungen in den USA. Die große Mehrheit der US-Amerikaner ist über FFS-basierte Pläne versichert. Sie bezahlen also einzeln für jede für sie geleistete Gesundheits-Dienstleistung. So verdienen Kliniken an jeder ausgeführten Handlung, ohne Anlass, die einzelnen Maßnahmen möglichst kosteneffizient durchzuführen. Am Ende bezahlt schließlich der Patient.

Die Pandemie zeigt: Der US-Gesundheitssektor ist reif für einen Umbruch. Die Kosten steigen enorm, während gleichzeitig der Bedarf wächst. Die, die öfter Leistungen in Anspruch nehmen müssen, können sich die nicht mehr leisten.

Die Lösung: Bezahlung bei Heilung

Diesen Herausforderungen kann mit einer anderen Form der Abrechnung für Gesundheitsleistungen begegnet werden. Indem die Vergütung der Leistungserbringer mit den erzielten Gesundheitsergebnissen verknüpft wird, werden Anreize für Ärzte und Kostenträger geschaffen, sich aktiv für kosteneffiziente Heilung einzusetzen. Ist ein wesentlicher Teil der Vergütung an die Resultate der Behandlung gekoppelt, haben Anbieter zusätzlich einen Anreiz, die Hauptkostentreiber des Gesundheitswesens am Ursprung zu verbessern.

Der Übergang zur resultatbasierten Vergütung hat weitreichende Auswirkungen auf das Versorgungssystem. Um die Kosteneffizienz der verschiedenen Faktoren einer Behandlung erfassen zu können, braucht es neue Technologien. Innovationen im Gesundheits- und Technologiesektor ermöglichen heute solche Auswertungen. Damit einhergehend werden in den kommenden Jahren Investitionen in Unternehmen erheblich steigen, die Lösungen für Dateninteroperabilität, Konnektivität, Monitoring und Analytik anbieten.

Innovationen bringen Hoffnung

Die Pandemie beschleunigt den flächendeckenden Einsatz vergleichbarer Technologien. So hat sie zum Beispiel verdeutlicht, in welchem Maße die Telemedizin eine zukunftsfähige Lösung ist. Sie ermöglicht es zugelassenen Ärzten und Krankenschwestern, sich unkompliziert mit weit entfernten Patienten und Spezialisten in Verbindung zu setzen und ermöglicht so auch Patienten im ländlichen Raum verlässlichen Zugang zu Versorgungseinrichtungen. Für diese Lösung fehlte jedoch bisher die Akzeptanz. Allen Beteiligten fehlte das Vertrauen für Behandlungen und Diagnosen über den Bildschirm. Erst mit dem Ausbruch der Pandemie änderte sich das merklich. Aus Sorge vor Ansteckung im Wartezimmer forderten immer mehr Patienten aktiv virtuelle Versorgung ein und auch das medizinische Personal begrüßte die neue Technologie.

Im Zusammenspiel mit der Telemedizin gewinnt auch Technologie an Bedeutung, die ohne Behandlungstermin Informationen an Mediziner liefern kann und gleichzeitig dem Patienten unmittelbar dabei hilft, selbst präventive Maßnahmen zu treffen. Ein Beispiel dafür sind Diabetes-Messgeräte. In den letzten Jahrzehnten haben bedeutende Fortschritte in der Medizintechnik die Entwicklung von kleinen, am Körper getragenen Glukosemessgeräten und Insulinpumpen ermöglicht. Sie sammeln kontinuierlich Daten, die sich sowohl vom Patienten als auch dem behandelnden Arzt auslesen lassen – und das zunehmend vernetzt mit weiteren Geräten.

Dass Mediziner über diese und ähnliche Daten verfügen, hat gleich mehrere Vorteile, die besonders in einem System der ergebnisorientierten Vergütung zum Tragen kommen:

  • Anbieter haben so die Datengrundlage, um Behandlungen auf die kosteneffektivste Weise durchzuführen.
  • Anhand der Daten lässt sich das Versorgungsmanagement insgesamt effizienter planen.
  • Die Koordination der Versorgung unter verschiedenen Anbietern wird vereinfacht.

Ein Gesundheitswesen für die Zukunft

Die Pandemie hat nicht nur die Schwächen des aktuellen US-amerikanischen Gesundheitssystems offengelegt, sie hat auch die großen Chancen moderner Gesundheitstechnologie verdeutlicht. So beschleunigt sie den überfälligen Übergang zu einem ergebnisorientierten Vergütungssystem. Ein System, das Anreize schafft, Versorgungslücken zu schließen und die Probleme an ihrem Ursprung anzugehen. Insgesamt wird das Gesundheitswesen nach der Pandemie dadurch nicht nur widerstandsfähiger für künftige Infektionskrankheiten, sondern stellt sich grundsätzlich zukunftsfähig auf.

Autor: Jon Stephenson, CFA, Portfolio Manager Health Care bei BNP Paribas Asset Management und Manager des BNP Paribas Health Care Innovators

Jon Stephenson — Quelle: © BNP Paribas Asset Management

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