MärkteDer Kampf Wall Street vs. Main Street

Die Corona-Pandemie hat die Welt sozusagen in ihren Grundfesten erschüttert. In diesen durchaus sehr herausfordernden Zeiten reiben sich einige Anleger beim Blick auf die steigenden Indexstände verwundert die Augen. Hat sich das Geschehen dort („Wall Street“) von der realen Ökonomie („Main Street“) entkoppelt? Mitnichten. Eine Betrachtung von Christian Schmitt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea.
13. August 2020
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Die Corona-Pandemie hat die Welt sozusagen in ihren Grundfesten erschüttert. In diesen durchaus sehr herausfordernden Zeiten reiben sich einige Anleger beim Blick auf die steigenden Indexstände verwundert die Augen. Hat sich das Geschehen dort („Wall Street“) von der realen Ökonomie („Main Street“) entkoppelt? Eine differenzierte Betrachtung von Christian Schmitt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea.

„Die Wall Street steht in diesem Zusammenhang symbolisch für die vermeintlich zu hoch gestiegenen Aktienindizes, während die Main Street tagtäglich mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen der globalen COVID-19-Pandemie zu kämpfen hat“, erklärt Schmitt. „Und wie so oft ist es auch hier der einfachste Weg, sich subjektiv in ein Lager zu begeben und entsprechend zu argumentieren. Argumente sind immerhin in Hülle und Fülle vorhanden.“ Dabei seien, objektiv betrachtet, die Argumente sowohl der Wall Street als auch der Main Street sehr valide und hätten absolut ihre Berechtigung. „Diese Diskussion ist zentral für alles andere und es lohnt daher, sich die Situation erneut zu vergegenwärtigen.“

Wiederanlageprobleme und Langzeitarbeitslosigkeit

Die Sicht der Wall Street stelle sich dabei wie folgt dar: Die globale Geldmenge wird durch die Ankaufprogramme der Notenbanken unaufhaltsam aufgebläht. Für jedes Wertpapier, das eine der großen Notenbanken von ihrem vorherigen Eigentümer erwirbt, erhält dieser Cash und steht vor einem Wiederanlageproblem. „Die Folge ist eine Preisinflation sämtlicher Finanzanlagen, da sich immer mehr Geld auf immer weniger erwerbbare Assets konzentriert“, sagt Schmitt. Im Niedrig-/Null-/Negativzinsumfeld spiele die Bewertung am Ende des Tages – berechtigterweise – eine stark untergeordnete Rolle.

Die Main Street dagegen verkörpere alle Probleme der Realwirtschaft: „Einem jahrelangen, ohnehin schon schwachem Wirtschaftswachstum setzt der jüngste ökonomische Schock durch die mit dem Coronavirus einhergehenden Belastungen stark zu.“ Nachhaltige Besserung sei auf absehbare Zeit kaum zu erwarten. „Die Infektionszahlen steigen global weiter an, das Konsumklima ist entsprechend belastet und viele zunächst temporäre Arbeitslose drohen in eine anhaltende Arbeitslosigkeit abzurutschen – vor allem in Staaten mit weniger stark ausgeprägten Systemen der sozialen Absicherung als es in weiten Teilen Europas vorhanden ist“, sagt der Experte.

Ein absehbares und unattraktives Risiko

Dabei sei festzuhalten, dass beide skizzierten Trends nicht erst mit dem Auftreten des Coronavirus entstanden seien. Vielmehr hätten sie sich in den vergangenen Monaten exponentiell verstärkt. „Man ist schnell geneigt, solche Auswüchse als Übertreibung abzutun“, sagt Schmitt, „doch in der Breite sind wir tatsächlich noch weit von der Größenordnung historischer Exzesse der Finanzmärkte entfernt. Wie weit uns die Entwicklung diesmal tragen wird, ist seriös schlichtweg nicht abzuschätzen.“

Daher wählt der Portfolio Manager für den Ethna-Dynamisch einen risikokontrollierten Zugang zu den globalen Aktienmärkten. „Wachstum zu einem angemessenen Preis gehört deshalb für uns zu verantwortungsvollem Investieren dazu. Wachstum zu jedem Preis (engl. Growth At ANY Price – GAAP), welches bereits einige Bereiche der Aktienmärkte zu neuen Höhen antreibt, stellt in unseren Augen dagegen ein ebenso absehbares wie unattraktives Risiko dar. Ebenso meiden wir weniger solvente Unternehmen mit verwundbarem Geschäftsmodell in diesen ökonomisch schwierigen Zeiten.“ (ah)

Foto: Christian Schmitt — © ETHENEA

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