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Die Corona-Pandemie hat die globale Wirtschaft in die tiefste Rezession seit Jahren gestürzt. Doch in China zeichnet sich bereits eine Erholung ab. Winston Ke, Portfoliomanager bei FSSA Investment Managers, über verändertes Verbraucherverhalten und Investitionschancen.
8. Dezember 2020
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Die Corona-Pandemie hat die globale Wirtschaft in die tiefste Rezession seit Jahren gestürzt. Doch in China zeichnet sich bereits eine Erholung ab. Winston Ke, Portfoliomanager bei FSSA Investment Managers, über verändertes Verbraucherverhalten und Investitionschancen.

Chinas Wirtschaft wird sich erholen. Das Land hat es geschafft, die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen. Die Industrieproduktion, Anlageinvestitionen und Einzelhandelsumsätze haben sich kontinuierlich verbessert. Nachholbedarf gibt es im Dienstleistungssektor bei Reisen und vertragsgebundenen Dienstleistungen wie Unterhaltung; und selbst dort sind erste Anzeichen eines Aufwärtstrends zu erkennen. Der Exportsektor bleibt stark, dank der gestiegenen Nachfrage aus den USA und Europa sowie der Unternehmen, die ihre Produktion nach China verlagert haben.

Mit Blick in die Zukunft erwarten wir, dass sich der Aufschwung fortsetzt, da sich die Wirtschaftsaktivitäten normalisieren und die Regierung die Wirtschaft weiterhin unterstützt. Die globale Situation bleibt hingegen unsicher. Wir glauben, dass der Verlauf der Erholung und die Folgen für China genau beobachtet werden müssen.

Aus einer Bottom-up-Perspektive werden die unterschiedlichen Leistungen der Unternehmen offensichtlich. Wir glauben, dass Qualitätsunternehmen mit hohen technischen und operativen Kapazitäten und solche, die vom veränderten Verbraucherverhalten profitiert haben, nach dem Abklingen der Krise gestärkt hervorgehen werden. Wir konzentrieren uns in den kommenden Jahren auf Titel mit soliden Fundamentaldaten und sichtbarem Gewinnwachstum. In der Zwischenzeit haben wir auch nach unterbewerteten Unternehmen gesucht, die kurzfristig unter Covid-19 gelitten haben, deren Geschäftsmodell jedoch intakt geblieben ist.

E‑Commerce als Lichtblick

Chinas E‑Commerce und Online-Services gehörten zu den wenigen Lichtblicken inmitten des düsteren wirtschaftlichen Umfelds in diesem Jahr. Viele Unternehmen berichteten von einem Anstieg der Online-Verkäufe während Covid, der trotz sinkender Fallzahlen und gelockerter Lockdown-Maßnahmen anhielt. Während die Umsätze der lokalen Einzelhändler in China im ersten Quartal um 19 Prozent zurückgingen, stiegen die Online-Verkäufe im gleichen Zeitraum um sechs Prozent.

Maßgeblich verantwortlich für diese gestiegenen Online-Ausgaben sind die chinesischen Millennials. Sie waren in den vergangenen Jahren die wichtigsten Treiber des chinesischen Binnenkonsums, auf sie entfielen bis zu 65 Prozent des jährlichen Wachstums. Jung und hochgebildet, mit sicheren Arbeitsplätzen, verfügen sie in der Regel über ein beachtliches Einkommen – insbesondere diejenigen, die noch zu Hause und ohne familiäre Verpflichtungen leben. Da sie mit Technologie aufgewachsen sind, tendieren sie dazu, online einzukaufen, statt über traditionelle Kanäle.

Während des Höhepunktes der Pandemie beschleunigte sich das Wachstum des E‑Commerce, da weitere demographische Gruppen (z.B. ältere Menschen) online Lebensmittel, Hygieneartikel und andere Haushaltsartikel gekauft haben. Inmitten des Covid-Lockdowns, mit nur wenigen verfügbaren Einkaufsoptionen, erreichte Chinas E‑Commerce-Durchdringung im ersten Halbjahr 2020 30 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes (gegenüber 26 Prozent vor der Pandemie).

Bis vor Kurzem haben wir den Aufstieg der chinesischen Technologieriesen von der Seitenlinie aus verfolgt. Unsere Unternehmensrecherche ließ uns an der Unternehmensführung, der Transparenz und den hohen Bewertungen zweifeln. Viele dieser Probleme haben sich deutlich verbessert. Durch zusätzliche Recherche und ein besseres Verständnis für das Verhältnis von Risiko und Gewinn der Technologieunternehmen, haben wir einige wenige Unternehmen mit den Qualitätsmerkmalen gefunden, nach denen wir üblicherweise suchen.

Der Aufstieg der “Super-App”

Wir sind von Technologie umgeben. Die meisten von uns verwenden mobile Anwendungen (Apps), um ihren Alltag zu organisieren. Von der Nachrichtenübermittlung bis zur Essenslieferung – unsere Aktivitäten lassen sich mit nur wenigen Gesten per Smartphone erledigen.

In China wurden viele dieser Dienste in einer Plattform – der “Super-App” – gebündelt. Meituan Dianping ist ein gutes Beispiel für so ein geschlossenes Ökosystem. Die App ermöglicht die Lieferung von Speisen zum Mitnehmen, frischen Lebensmitteln, Waren aus Supermärkten und Apotheken sowie das Buchen von Restaurants, Reisen, Kino- und anderen Veranstaltungstickets sowie Transportdienstleistungen. Als O2O-Geschäft (von online nach offline) bietet Meituan Produkte und Dienstleistungen an, die online abgewickelt, aber offline “in der realen Welt” konsumiert werden.

Meituan ist sowohl im Online- (Verbraucher) als auch im Offline-Bereich (Händler) stark. Mit mehr als 450 Millionen Nutzern und sechs Millionen Unternehmen im ganzen Land ist Meituan mit Abstand die größte lokale E‑Commerce-Plattform für Dienstleistungen in China. Sie ist führend bei Lebensmittellieferdiensten – zwei von drei Bestellungen für Lebensmittellieferungen in China werden über die Meituan-App abgewickelt – und bei inländischen Hotelbuchungen mit einem Marktanteil von 40 Prozent. Restaurant- und Reisedienstleistungen sind ebenfalls wichtige Einkommensquellen.

Chinas Markt für Expresslieferungen

Nicht nur bei „Super-Apps“, auch bei Expresslieferungen ist China führend. Im Jahr 2019 wurden 63 Milliarden Pakete durch das Land verschickt. Dies entspricht etwa 172 Millionen Paketen pro Tag und mehr als 45 Paketen pro Person pro Jahr. Im sechsten Jahr in Folge war Chinas Expresszustellungsmarkt der größte der Welt. Wir glauben, dass das Volumen und Wachstumspotenzial der chinesischen Expresszustellindustrie eine einzigartige Gelegenheit für Investoren bieten.

In China gibt es fünf große Expresszustellunternehmen, die jeweils um ein Stück vom Kuchen wetteifern. Vier von ihnen – STO Express, YTO Express, ZTO Express und Yunda – wurden in Tonglu, einem kleinen Bezirk in Zhejiang Hangzhou im Osten Chinas, gegründet. Aufgrund ihrer regionalen Herkunft werden die vier Unternehmen als Tonglu-Gruppe oder Tongda-Betreiber bezeichnet, obwohl sie voneinander unabhängig sind.

Die SF Holding wurde in Shunde, Guangdong, gegründet. Im Gegensatz zu den Tongda-Betreibern richtet sich SF an mittlere bis gehobene Geschäftskunden. SF betreibt ein Direktverwaltungsmodell, um ihre Geschäftsabläufe zu kontrollieren, da zeitkritische Dienstleistungen, bei denen die Zustellung zu einem bestimmten Zeitpunkt garantiert wird, ihre Haupteinnahmequellen sind. Während der elektronische Handel einen wachsenden Teil des Geschäfts von SF ausmacht, konzentriert sie sich in erster Linie auf das Premium-Segment und Luxusmarken, während die Tongda-Betreiber den Massenmarkt bedienen.

Der beste Betreiber der Tonglu-Gruppe ist unserer Ansicht nach ZTO. Er bietet die besten Dienstleistungen, ist Kostenführer und sein Netz ist das stabilste. Im Laufe der Geschichte von ZTO haben die Gründer und das Managementteam wohlüberlegt über das Wachstum des Unternehmens entschieden, während die Kernwerte Fairness, Transparenz und gemeinsamer Erfolg ein solides Fundament für die Zukunft des Unternehmens gelegt haben. (ah)

Foto: © TTstudio- stock.adobe.com

 

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