Alternative InvestmentsAnsprüche und Realität stimmen überein

Institutionelle Investoren in Deutschland sind zufrieden mit ihrem Engagement in Private Equity und Venture Capital, haben ihre Anlagen in dem Bereich ausgebaut und planen auch in Zukunft eine Ausweitung. Dies sind einige Ergebnisse einer gemeinsamen Studie des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), des Center for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) der HHL Leipzig Graduate School of Management und KfW Capital unter deutschen institutionellen Investoren und Family Offices.
28. September 2020
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Institutionelle Investoren in Deutschland sind zufrieden mit ihrem Engagement in Private Equity und Venture Capital, haben ihre Anlagen in dem Bereich ausgebaut und planen auch in Zukunft eine Ausweitung. Dies sind einige Ergebnisse einer gemeinsamen Studie des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), des Center for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) der HHL Leipzig Graduate School of Management und KfW Capital unter deutschen institutionellen Investoren und Family Offices.

 

Mehr als 60 Institutionen hatten sich an der Befragung beteiligt und unter anderem Einblick in ihre Private Equity-Anlagen und ‑Strategie gegeben. „Die Befragung wurde im ersten Quartal 2020 durchgeführt und vor dem Höhepunkt des Covid-19-Ausbruchs abgeschlossen. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Studienergebnisse und der grundlegende Überblick über die Anlageklasse ihre wesentliche Aussagekraft auch nach der Pandemie beibehalten“, so Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Academic Director des CCTPE.

An der Befragung beteiligten sich Investoren mit einem Anlagekapital von mehr als 700 Mrd. €, mehrheitlich Pensionsfonds, Versorgungswerke, Versicherungen und Family Offices. Als wichtigste Gründe für ihr Private Equity-Engagement wurden das Renditeprofil, die Diversifizierung des eigenen Portfolios und eigene positive Erfahrungen mit der Anlageklasse angeführt. Zudem berichten acht von zehn Investoren, ihren Private Equity-Anteil im Portfolio seit 2016 ausgebaut oder neu eingeführt zu haben. „Nicht zuletzt durch die andauernde Niedrigzinssituation suchen institutionelle Investoren nach attraktiven, renditeträchtigen Anlagen mit geringer Volatilität. All dies bietet Private Equity“, erläutert Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes BVK-Vorstandsmitglied.

Hohe Ansprüche aber auch große Zufriedenheit

Dabei liegen die Zielrenditen bei Private Equity zum Teil deutlich über denen anderer Anlageklassen. Von den Befragungsteilnehmern wurden im Mittel zwischen 9 und 10% genannt. Gut die Hälfte der Befragten strebt eine Nettorendite von mehr als 8% an. Die Erwartungen der Investoren wurden offensichtlich nicht enttäuscht, denn die Zufriedenheit mit ihrem Private Equity-Portfolio ist ausgesprochen hoch. „Neun von zehn Befragten zeigen sich zufrieden oder sehr zufrieden mit der erreichten Performance“, fasst Hinrichs zusammen. Die hohe Zufriedenheit schlägt sich auch in den zukünftigen Planungen nieder. Mehr als zwei Drittel der Investoren (69%) wollen ihre Private Equity-Allokation in den kommenden ein bis zwei Jahren weiter ausbauen, weitere 30% zumindest beibehalten. „Angesichts der Volatilität am Aktienmarkt und dem Zinsniveau im Anleihenmarkt, sollten diese Zukunftspläne auch nach Covid-19 Bestand haben. Allerdings dürften die erzielbaren Renditen vorerst sinken“, blickt Prof. Schwetzler voraus.

Der Großteil der Investoren erwartet, dass die Renditen von Private Equity insgesamt in den nächsten ein bis zwei Jahren leicht rückgängig oder bestenfalls unverändert sein wird, was angesichts der weltweiten Bewertungsanstiege der letzten Jahre bei börsennotierten und nicht notierten Unternehmen verständlich ist. Zudem ist zu beachten, dass diese Einschätzung vor Ausbruch von Covid-19 erfolgte und durch die Pandemie noch verstärkt werden dürfte.

Venture Capital rückt in den Fokus

Vertieft beleuchtet die Studie innerhalb der Anlageklasse Private Equity auch die Investorensicht auf das Teilsegment Venture Capital. Hier hat Deutschland zwar immer noch Nachholbedarf. Allerdings berichten vier von zehn Investoren, seit 2016 ihre Venture Capital-Anteile im Portfolio ausgebaut oder neu eingeführt zu haben. Dabei werden nochmals höhere Zielrendite angestrebt als bei Private Equity insgesamt. Deutlich mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmer nennt eine Nettorendite von mindestens 12% als Ziel, 40% sogar mehr als 16%.

Trotzdem sind Investoren bei Engagements in Venture Capital noch zurückhaltend. Vor allem die wahrgenommene Volatilität und unsichere Renditeaussichten einerseits sowie die fehlende interne Expertise und limitierende interne Anlagevorschriften werden als wichtigste Gründe genannt. „Mehr Kapital von den einheimischen Kapitalsammelstellen für deutsche Fonds zu mobilisieren, würde einen wichtigen Wachstumsschub für die hiesige Venture-Capital-Versorgung bringen“, so Dr. Jörg Goschin, Geschäftsführer KfW Capital. „Hieran arbeitet die Branche zusammen mit der Politik schon seit Langem intensiv.“ Auf die Frage nach Maßnahmen, um institutionelle Investoren für Venture Capital zu gewinnen, nannten die Befragten vor allem die Erhöhung der Markttransparenz, regulatorische Erleichterungen und die Professionalisierung der Branche. „Hier wird auch KfW Capital dazu beitragen, mehr Investoren und privates Kapital für die Assetklasse Venture Capital zu gewinnen und so finanzstärkere Fonds in Deutschland zu erhalten“, so Alexander Thees, Geschäftsführer KfW Capital.

Ein weiteres wesentliches Ergebnis der Studie ist zudem die herausgehobene Bedeutung von ESG Kriterien. So ist für 98% aller Befragten eine bei den Zielfonds vorhandene ESG-Politik grundlegend für eine Investition. „Dieses Ergebnis spiegelt unseren Eindruck wider: ESG wird zunehmend zum entscheidenden Kriterium für eine Investmententscheidung, was wir begrüßen“, so Dr. Jörg Goschin.

Weitere Ergebnisse der Befragung

·         80% der Befragten investiert seit mehr als 10 Jahren in Private Equity, mehr als ein Drittel sogar länger als 20 Jahre. In das Subsegment Venture Capital investiert jeder Fünfte bereits seit mindestens 20 Jahren, gut jeder dritte Investor ist dagegen weniger als 10 Jahren in dem Bereich engagiert.

·         Im Mittel beträgt der Private Equity-Anteil am Gesamtportfolio in der Teilnehmergruppe etwa 7%, unterscheidet sich innerhalb der einzelnen Investorengruppen allerdings deutlich. Versicherungen geben im Mittel etwa 2% an, während Family Offices einen Mittelwert von etwa 13% aufweisen. Bei Venture Capital liegt der Mittelwert über die gesamte Befragungsgruppe bei etwa 4%, wobei auch hier vor allem Family Offices oft einen zweistelligen Anteil ausweisen.

·         Über die verschiedenen Segmente hinweg sind die Investoren häufiger im Ausland als in Deutschland investiert. Dabei setzen Sie vor allem auf Buy-Outs (Small/Midcap und Large) sowie auf Sekundärfonds. Growth Equity und Venture Capital sind weniger oft anzutreffen.

·         Bei der Auswahl ihrer Zielfonds setzen die Investoren einen besonderen Fokus auf Qualität und Erfahrung des Managements, den Track Record, eine nachvollziehbare Investitionsstrategie und eine stabile Organisation.

·         Die regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen werden von den Investoren weitgehend als nicht zufriedenstellend und verbesserungswürdig bewertet. (ah)

Foto: ra2 studio — stock.adobe.com

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