Recht & SteuernFinanzbranche sieht erheblichen Reformbedarf bei der deutschen Finanzaufsicht

Wirecard schlägt weiter hohe Wellen. Eine Umfrage des CFS unter Führungskräften in der Finanzbranche zeigt, dass mehr als 85% der Befragten einen Reformbedarf bei der deutschen Finanzaufsicht sehen. 76% der Teilnehmer plädieren dafür, den Zuständigkeitsbereich der BaFin zu erweitern und dadurch sicherzustellen, dass alle Finanzdienstleistungen in deren Zuständigkeitsbereich fallen.
30. Juli 2020
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Wirecard schlägt weiter hohe Wellen. Eine Umfrage des CFS unter Führungskräften in der Finanzbranche zeigt, dass mehr als 85% der Befragten einen Reformbedarf bei der deutschen Finanzaufsicht sehen. 76% der Teilnehmer plädieren dafür, den Zuständigkeitsbereich der BaFin zu erweitern und dadurch sicherzustellen, dass alle Finanzdienstleistungen in deren Zuständigkeitsbereich fallen.

Der Fall Wirecard wirft auch zahlreiche Fragen zu der Rolle der Wirtschaftsprüfer auf. Bislang unterstützte die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) die BaFin bei der Prüfung der Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen. Ca. 58% der Teilnehmer der Befragung würden den Aufbau eigener Prüferkapazitäten durch die BaFin begrüßen, um unabhängiger von den Big 4 zu werden. Schließlich ist die überwiegende Mehrheit der Befragten (rund 70%) davon überzeugt, dass durch den Einsatz neuer Technologien (z.B. Künstliche Intelligenz) die Effektivität der Aufsicht erhöhen könnte.

„Die Finanzbranche plädiert eindeutig für eine Reformierung der deutschen Finanzaufsicht. Im Vordergrund sollten eine Erweiterung der Kompetenzen sowie eine bessere personelle und technologische Ausstattung stehen“, erläutert Professor Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies. „Dennoch darf man bei aller Aufregung über den Fall Wirecard nicht in Aktionismus verfallen. Ein Bashing der BaFin und des Bundesfinanzministeriums hilft niemandem. Der Sachverhalt ist noch lange nicht aufgeklärt. Erst wenn alle Fakten bekannt sind, kann man die entsprechenden Schlussfolgerungen in einem Reformpaket umsetzen“, so Brühl weiter.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Bei aller berechtigten Kritik in der Causa Wirecard, ist die notwendige Antwort nicht weniger, sondern mehr Digitalisierung. Das gilt gerade auch für die Betrugserkennung und ‑prävention. Die Corona-Krise ist ein enormer Beschleuniger der Digitalisierung und hat gezeigt, dass der Stand der  Digitalisierung in der Deutschen Finanzwirtschaft, Wirtschaftsprüfung und Aufsicht sehr viel besser ist, als ihr Ruf. Angesichts von Wirecard, gerät das etwas ins Hintertreffen. Nun gilt es, das Momentum zu nutzen. Vom bargeldlosen Zahlungsverkehr, bis zum digitalen Schuldscheinen, vom forensischen Accounting bis zum Reporting an die Aufsicht, in Finanzsektor, Prüfung und Aufsicht ruhen noch erhebliche digitale Potentiale.“ (ah)

Foto: © WrightStudio — stock.adobe.com

 

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