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Der Markt für europäische Unternehmensanleihen ist nach wie vor attraktiv. Er bietet langfristig eine positive Wertentwicklung – unter Berücksichtigung des Ausfallrisikos und potenzieller Verluste. Volker Kurr, Head of Europe, Institutional, und Marc Rovers, Head of Euro Credit, bei Legal & General Investment Management (LGIM) beleuchten die wichtigsten Treiber für die Performance im ausgehenden Jahr, geben einen Ausblick und machen deutlich, warum punktgenaues Handeln ein ausschlaggebender Erfolgsfaktor für die Anlage in Euro-Unternehmensanleihen ist:
14. Dezember 2020
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Der Markt für europäische Unternehmensanleihen ist nach wie vor attraktiv. Er bietet langfristig eine positive Wertentwicklung – unter Berücksichtigung des Ausfallrisikos und potenzieller Verluste. Volker Kurr, Head of Europe, Institutional, und Marc Rovers, Head of Euro Credit, bei Legal & General Investment Management (LGIM) beleuchten die wichtigsten Treiber für die Performance im ausgehenden Jahr, geben einen Ausblick und machen deutlich, warum punktgenaues Handeln ein ausschlaggebender Erfolgsfaktor für die Anlage in Euro-Unternehmensanleihen ist:

„Die Performance-Treiber“

 Entsprechend der ökonomischen und monetären Bedingungen haben wir unsere Portfoliopositionen in den letzten Jahren mehrfach geändert. Wir haben unsere Performance durch eine dynamische Kombination von Top-Down- und Bottom-Up-Research erreicht. Es gab also nicht die eine besondere Gewichtung.

Das zeigt ein Blick auf die letzten Jahre: 2018 begann äußerst positiv, bevor wir zunehmend besorgt auf die Bewertungen blickten. 2019 war es genau andersherum: Nach einem schwachen Start wurde die Marktstimmung optimistischer, so dass wir das Beta anhoben und auch Hybride auf lange Sicht hielten, was sich positiv auf die Performance auswirkte. Natürlich war nicht jede Aktion von Erfolg gekrönt. So hatten wir Versorger übergewichtet, was die Performance beeinträchtigte.

Dagegen ist 2020 eine Art Achterbahnfahrt: Das Jahr startete mit einem starken Januar, gefolgt von einem schwachen Februar und dem Crash im März. Unser Portfolio war defensiv aufgestellt. Die Übergewichtung in Versorgungsunternehmen, die uns 2019 eher schadete, hat uns im ersten Quartal dieses Jahres genützt. Im weiteren Verlauf waren wir zuversichtlich unterwegs, bei günstigen Bewertungen und historisch hoher geld- und fiskalpolitischer Unterstützungsmaßnahmen. Viele Unternehmen emittierten neue Anleihen, weil sie sich mit der nötigen Liquidität versorgen wollten, um die Pandemie zu überstehen. Wir nutzten diese Gelegenheiten, um stärker ins Risiko zu gehen. So kauften wir Papiere von Unternehmen, die von Covid-19 betroffen waren, aber keine von Firmen, die die Krise möglicherweise nicht überleben würden.

Higher Conviction ist eine Antwort

Higher Conviction in bestimmten Sektoren und bestimmten Unternehmen lief gut. Beispielsweise ist es uns gelungen, Anlagen im Automobilsektor mithilfe einer wirklich guten Analysten-Coverage zu steuern. Dieser Erfolg bestärkte uns, dass einige Hersteller aus den USA während der aktuellen Turbulenzen den Investment Grade Status halten würden, während wir bei einigen anderen Unternehmen in diesem Sektor ganz anders entschieden.

Bei den Finanzwerten sind einige unserer erfolgreichsten langfristigen Investments ausgewählte italienische Banken, von denen wir glauben, dass sie im Vergleich zu ihren Konkurrenten in Italien selbst, aber auch in Europa starke gute Fundamentaldaten aufweisen. Besonders dann, wenn es unruhig wird und bei all den Herausforderungen, vor denen der Bankensektor steht, wird die Konzentration auf Qualität noch wichtiger werden.

Elektromobilität und Versorger mit Potenzial

Elektrizität ist die Antriebskraft der Zukunft. Sie wirkt sich bereits jetzt auf den Automobilsektor aus. Der Verkauf von Elektroautos nimmt zu, die Anzahl der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren geht zurück. Das ist ein starker Trend. In dieser Branche wird es Gewinner und Verlierer geben.

Auch unsere Einstellung zu Versorgungsunternehmen ist davon beeinflusst, dass wir das Thema Elektrifizierung langfristig positiv sehen. Wir halten insbesondere solche Unternehmen für attraktive Investments, deren Erträge aus regulierten Netzen stammen. Wegen der defensiven Charakteristika dieses Sektors haben wir in unserem Portfolio weiterhin einen angemessenen Anteil an Versorgertiteln. Seit langem sehen wir auch die Immobilienbranche positiv. Covid-19 hat allerdings die Unterschiede zwischen den Teilsektoren noch deutlicher ans Licht gebracht. Daher bevorzugen wir Namen aus den Bereichen regulierter Wohnungsmarkt, Logistik oder Rechenzentren.

Dagegen ist unser Verhältnis zu Energietiteln indifferent. Als der Ölpreis niedrig war, haben wir uns hier massiv engagiert. Denn Unternehmen wie Shell, Total und BP kamen mit sehr attraktiven Emissionen auf den Markt. Durch die Normalisierung des Ölpreises sind diese Bewertungen zum Teil wieder zurückgegangen, sodass der Sektor kritischer gesehen werden muss – besonders bei den langfristigen Aussichten für die Energiebranche.

Abwartend zum Jahreswechsel

Der europäische Anleihemarkt sieht immer noch attraktiv aus. Allerdings finden wir die Bewertungen bereits recht hoch und sehen auch, wie groß die kurzfristigen Unsicherheiten sind. Darum werden wir uns in den nächsten Wochen neutral verhalten.

Die wirtschaftliche Erholung hat zwar bereits Fahrt aufgenommen. Aber es gibt nach wie vor wenig Sicherheit, was die Rückkehr zu Wachstum auf dem Niveau vor der Pandemie betrifft. Regierungen auf der ganzen Welt ringen noch immer damit, wie sie mit den Gefahren des Virus umgehen sollen. Auch die flächendeckende Verteilung des Impfstoffes dürfte noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen. Die Herausforderung besteht darin, wie sich die Unternehmen, in die wir investiert haben, in verschiedenen Szenarien verhalten werden. Wie werden sich ihre Bilanzen entwickeln und was können sie tun, um ihre Perspektiven zu verbessern?

Alles steht und fällt mit den Stresstests. Darüber diskutieren wir mit unseren Anleiheanalysten, und das ist der Grund, warum wir weiterhin bei bestimmten Emittenten vorsichtig agieren. Allerdings denken wir auch, dass die besseren Namen aus besonders hart getroffenen Sektoren wie Reisen und Freizeit sich erholen werden, sobald ein Impfstoff flächendeckend verteilt wird.

Insgesamt dürfen wir aber die geopolitischen Risiken nicht aus den Augen verlieren. So werden uns die Nachwirkungen der US-Wahlen noch länger begleiten, und der Brexit steht unmittelbar bevor.

Angesichts der Herausforderungen für den Welthandel sowie einer Geldpolitik, die bis zum Äußersten geht und heftige Staatsdefizite verursacht, ist es leider sehr schwierig, eine positive Prognose für das weltweite Wachstum abzugeben. Dieser Punkt muss bei der Analyse von Unternehmen berücksichtigt werden.

Flexibilität als Schlüssel zum Erfolg 

Angesichts der Situation auf den Märkten gilt es, beim Portfoliomanagement nicht selbstgefällig zu werden. In so unsicheren Zeiten, wie wir sie aktuell erleben, haben wir gern genügend Flexibilität im Fonds – etwa durch relativ liquide Posten sowie Kassenbestände oder Bundesanleihen.

Dieses schnelllebige Jahr hat in besonderer Weise gezeigt, wie wichtig ein starkes Team mit umfassenden Analysekapazitäten ist. Nur so kann man auch die kleinsten Wendungen an den Märkten erfassen und gleichzeitig bei der Skalierung der Risiken und der Bewertung diszipliniert vorgehen. So wussten wir zu Beginn dieses Jahres noch nichts von Covid-19, hatten aber das Gefühl, dass die Märkte die defensiven Merkmale einiger Sektoren, wie beispielsweise Versorgungsunternehmen, im Verhältnis zu eher zyklischen Titeln nicht richtig bewertet hatten. Zukünftig wird es für Investoren noch entscheidender sein, in ähnlichen Situationen genauso zu reagieren und rechtzeitig Positionen auszutauschen, wenn Bewertungen in die eine oder andere Richtung tendieren.“

Anleihen — Foto: © sittinan- stock.adobe.com

 

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