Private Markets sind seit geraumer Zeit in aller Munde. Für wen und in welcher Form eignen sie sich als Beimischung? Wie ist der Bezug zum Altersvorsorgedepot? Auszug eines Interviews, das in Kürze in Gänze in der finanzwelt-Printausgabe erscheint.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Binder, Aktien und Anleihen sind manchen Anlegern noch fremd. Welche Gründe sprechen dafür, sich zudem mit der Vielfalt der Private Markets zu beschäftigen?
Robin Binder: Die Börse bleibt der zentrale Ort für den Vermögensaufbau, bildet aber bei Weitem nicht mehr die gesamte wirtschaftliche Dynamik ab. Wer ausschließlich in börsennotierte Unternehmen und Anleihen investiert, verpasst über 90% der Wirtschaft, die nicht den Weg an den Kapitalmarkt gegangen ist. Ein relevanter Teil von Wachstum und Wertschöpfung entsteht aber zunehmend außerhalb der Börse oder vor einem IPO: in privaten Unternehmen, Infrastrukturprojekten oder privaten Kreditmärkten.
Daraus entsteht eine strategische Frage: Reicht mir der öffentliche Kapitalmarkt allein? Oder möchte ich auch Zugang zu Renditequellen außerhalb der Börse? Richtig eingesetzt können Private Markets eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Börsenanlagen sein und die Diversifikation stärken.
II: Eine neue Zeitrechnung beginnt – das Altersvorsorgedepot (AVD) kommt 2027. Eine gute Nachricht für die Fondsindustrie. Inwiefern trifft das auch für Private Markets zu?
Binder: In erster Linie ist das eine gute Nachricht für die Sparer, nicht primär für die Fondsindustrie. Für Private Markets ist es ebenfalls erfreulich, dass sich Privatmarktanlagen über ELTIFs nun gefördert ins eigene Depot holen lassen. Allerdings sind ELTIFs im Standarddepot, der kostengedeckelten Default-Variante für Einsteiger, nicht zugelassen. Wer Privatmärkte nutzen will, muss aktiv das freie Altersvorsorgedepot wählen. Damit rückt eine Anlageklasse an die private Vorsorge heran, die lange institutionellen Investoren vorbehalten war. Entscheidend wird, ob die Anbieter auch qualitativ hochwertige Bausteine für die Altersvorsorge liefern.
II: Private Markets gelten als illiquide. Warum ist die lange Kapitalbindung beim AVD ein Vorteil und kein Nachteil?
Binder: Gerade in der Altersvorsorge ist eine längere Kapitalbindung ein struktureller Vorteil. Das AVD ist auf Jahrzehnte ausgerichtet. Es muss nicht jederzeit liquide sein, schließlich soll es über lange Zeit verlässlich Vermögen aufbauen und eine sogenannte Illiquiditätsprämie erwirtschaften. Die eingeschränkte Verfügbarkeit wirkt eher als Schutz: Wer nicht täglich verkaufen kann, verkauft auch nicht panisch im Tief. Diese Disziplin fällt vielen Anlegern schwer. Private Markets werden zudem nicht täglich anhand von Marktstimmungen neu bewertet und können ein Depot in volatilen Phasen robuster aufstellen. Genau deshalb setzen institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Stiftungen oder Family Offices seit Jahren auf diese Anlageklassen als langfristigen Baustein.
II: Welchen Anteil am AVD halten Sie als Private-Markets-Beimischung für sinnvoll?
Binder: Da die klassische 60/40-Aufteilung aus Aktien und Anleihen inzwischen zunehmend hinterfragt wird, sehen wir Private Markets als wichtigen Baustein für ein Depot. Für die meisten Privatanlegerinnen und Privatanleger halten wir, abhängig von Risikoprofil und Anlagehorizont, eine Beimischung von 10 % bis 20 % für sinnvoll. Die genaue Aufteilung bleibt aber immer individuell.




