Wo Potenziale für aktive ETFs liegen

ETFs setzen ihren Wachstumskurs ungebrochen fort und entwickeln sich gleichzeitig strukturell weiter. Neben klassischen indexabbildenden Strategien rücken zunehmend aktive Ansätze in den Fokus der Investoren, wie Tom Stephens, Head of ETFs bei Schroders, in nachstehendem Kommentar erläutert.
11. Juni 2026
Foto: © Alexander Limbach - stock.adobe.com

ETFs setzen ihren Wachstumskurs ungebrochen fort und entwickeln sich gleichzeitig strukturell weiter. Neben klassischen indexabbildenden Strategien rücken zunehmend aktive Ansätze in den Fokus der Investoren, wie Tom Stephens, Head of ETFs bei Schroders, in nachstehendem Kommentar erläutert.

Die globale ETF-Industrie verzeichnete im ersten Quartal 2026 Nettomittelzuflüsse von rund 600 Milliarden US-Dollar – der stärkste Jahresauftakt seit Bestehen des Marktes. Auch der Absatz in Europa markierte mit 128 Mrd. US-Dollar einen neuen Rekordwert. Zuflüsse in den europäischen Markt zeigen die Attraktivität aus der Kombination von Alphapotential und einfacher Handhabung. So hat sich in Europa das verwaltete Vermögen in aktiven ETFs innerhalb von zwei Jahren verdreifacht.

Aktive ETFs entwickeln sich zu zentralen Portfoliobausteinen

Die Art und Weise, wie Anleger ETFs einsetzen, entwickelt sich stetig weiter. Eine immer wichtigere Rolle spielen aktive ETFs. Sie kombinieren aktives Management mit differenzierten Strategien und der strukturellen Attraktivität des ETF-Mantels. Investoren haben mit aktiven ETFs Zugang zu bewährten aktiven Investmentansätzen in einem liquiden, transparenten Format, das Intraday-Handelbarkeit und Kosteneffizienz gewährleistet. Einst primär ein indexabbildendes kostengünstiges Instrument, haben ETFs ihre Zielgruppe erweitert.  Institutionelle Anleger, insbesondere professionelle Allokatoren, erwarten mehr als passives Marktexposure – sie suchen ergebnisorientierte oder Alpha-generierende Strategien im ETF-Mantel.

Potentiale bei neuen Kundensegmenten und Vertriebswegen

Der ETF-Mantel erschließt neue Zielgruppen und Vertriebskanäle. Insbesondere über digitale Plattformen, Modellportfolios und bestimmte Wealth-Management-Programme bieten börsengehandelte, standardisierte Produkte operative Vorteile. Entsprechend nutzen Anbieter ETFs zunehmend, um ihre Marktpräsenz in neuen Segmenten auszubauen.

In einem dynamisch wachsenden Markt gewinnt Differenzierung an Bedeutung. Entscheidend ist, aktive ETF-Strategien gezielt dort auszubauen, wo eine klare Nachfrage besteht und ein belastbarer Wettbewerbsvorteil vorliegt – statt eine möglichst breite Produktpalette anzustreben.

Wir sehen starke Chancen insbesondere bei research-getriebenen quantitativen Aktienstrategien und im aktiven Anleihebereich, wo Anleger nach effizienteren Wegen suchen, aktive Renditen zu vereinnahmen. Darüber hinaus erschließen wir innovative Felder wie maßgeschneiderte ETFs für spezifische institutionelle Kunden.

Die zentralen Herausforderungen liegen in Umsetzung und Differenzierung. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs ist es entscheidend, ausschließlich qualitativ hochwertige Strategien aufzulegen. Operativ bedeutet der Ausbau eines aktiven ETF-Geschäfts, tiefe Liquidität und enge Handelsspannen sicherzustellen und ETFs nahtlos in Kundenportfolios zu integrieren. Darüber hinaus müssen Anleger kontinuierlich darüber aufgeklärt werden, wo und wie aktive ETFs einen Mehrwert bieten können.

Weiteres Wachstum mit strukturellem Rückenwind

Wir erwarten, dass der ETF-Markt seinen starken Wachstumskurs in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Die Frage ist, wie schnell und auf welche Art. Wir gehen von einer weiteren Ausweitung über Anlageklassen und Strategien hinweg aus.

In Europa reift der Markt und gewinnt an Breite. ETFs finden sich zunehmend in langfristigen Spar- und Altersvorsorgekanälen – unterstützt durch Veränderungen in der Vertriebslandschaft und regulatorische Entwicklungen. Innerhalb dieses Wachstums sehen wir, dass aktive ETFs einen wachsenden Anteil an Neuauflagen und Zuflüssen auf sich vereinen. Aktuell machen aktive ETFs nur rund 3 Prozent des ETF-Marktes in Europa aus. Wenn sich dieser Wert dem US-Niveau annähert, besteht dabei noch erheblicher Spielraum für weiteres Wachstum.

Aktive ETFs als zentraler Kanal für die Bereitstellung aktiven Managements

Immer mehr Asset Manager werden ihre Core-Strategien im ETF-Format anbieten, und Anleger werden aktive ETFs zunehmend mit passiven Produkten kombinieren, um ganzheitliche Portfolios zu konstruieren. Aktive ETFs markieren einen strukturellen Wandel in der Art und Weise, wie aktives Management bereitgestellt wird. Ein aktives Investmenthaus kann mit aktiven ETFs drei Stärken ausspielen:

  1. Etablierte Investmentansätze mit belastbarer Erfolgsbilanz, die über den ETF-Mantel breiter zugänglich werden.
  2. Produktentwicklung entlang konkreter Investorenbedürfnisse, etwa in spezialisierten Aktien- oder Rentenstrategien sowie im Bereich nachhaltiger Anlagen.
  3. Ein integrierter Plattformansatz, der auch Aspekte wie Handelsunterstützung, Liquiditätssicherung und Anlegeraufklärung umfasst.

Wir gehen davon aus, dass sie sich in den nächsten Jahren zu einem zentralen Kanal für die Bereitstellung aktiver Investmentlösungen entwickeln werden, gleichwertig neben traditionellen Fondsstrukturen. Bei Schroders wird das ETF-Geschäft zukünftig eine zentrale Rolle spielen. Wir haben das ETF-Geschäft tief in unser Kerngeschäft integriert, sodass es von der gesamten Investmentexpertise von Schroders profitiert.

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