„Wir sind für Aktien im Jahresverlauf positiv gestimmt“

Wie entwickeln sich die Aktienmärkte 2026? Diese Frage stellen sich viele Investoren, insbesondere nach den Anstiegen in den vergangenen Jahren. Chefredakteur Alexander Heftrich sprach Mitte Februar mit Marc Decker, Co-Aktienchef bei Quintet, der Muttergesellschaft von Merck Finck, zu den Aussichten dieser Anlageklasse im laufenden Jahr.
16. März 2026
Marc Decker - Foto: © Quintet Private Bank

Wie entwickeln sich die Aktienmärkte 2026? Diese Frage stellen sich viele Investoren, insbesondere nach den Anstiegen in den vergangenen Jahren. Chefredakteur Alexander Heftrich sprach Mitte Februar mit Marc Decker, Co-Aktienchef bei Quintet, der Muttergesellschaft von Merck Finck, zu den Aussichten dieser Anlageklasse im laufenden Jahr.

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Decker, mit dem Adlerauge, wie schätzen Sie die Lage an den Aktienmärkten augenblicklich ein?

Marc Decker: Die globalen Aktienmärkte zeigen sich trotz der diversen geopolitischen Risiken recht robust. Das wird gestützt durch solide Wachstumsprognosen wie einem erwarteten globalen BIP-Wachstum, das nahezu 3 % erreicht und einem anhaltenden Gewinnwachstum der Unternehmen.

II: Die Aktienmärkte sind in der Vergangenheit gut gelaufen. Woher könnte denn noch Fantasie für weiter steigende Kurse kommen?

Decker: Zunächst muss man festhalten, dass wir in einzelnen Marktsegmenten schon verhältnismäßig hohe Bewertungen sehen. Dies geht mit einer zeitweise erhöhten Volatilität und Sektorrotation einher. Aktien, die eben noch jedermanns Liebling waren, geraten plötzlich ins Hintertreffen. Ausgehend von einer geldpolitischen Lockerung könnten die erhofften Wachstumsimpulse insbesondere aus den Investitionen in Künstliche Intelligenz, aber auch Infrastruktur und der Energiewende herrühren. Das wiederum dürfte die Kurse im Jahresverlauf weiter ansteigen lassen.

II: Die Geldpolitik ist ein gutes Stichwort. Wie viele Zinssenkungen erwarten Sie in den USA nach Amtsantritt des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh?

Decker: Wir gehen im Augenblick von zwei Zinssenkungen aus. Die Fed ist Anfang des Jahres in den Pausenmodus gewechselt. Wie lange sie in ihrer abwartenden Haltung verharrt, dürfte zum einen davon abhängen, wie sich die Lage am US-Arbeitsmarkt stabilisiert. Zum anderen wird im Rahmen ihres dualen Mandats mitentscheidend sein, wie sich die Inflation entwickelt.

II: Die geopolitischen Wirrungen lassen uns auch 2026 nicht los. Sie sind fortwährende Begleiter. Was heißt das denn für die Kapitalanlage? Sind Aktien alternativlos?

Decker: Die geopolitischen Spannungen erhöhen zwangsläufig das Risiko für Marktschwankungen. Und diese werden bislang nur teilweise wirklich eingepreist. Allerdings sehen wir schon, dass Aktien grundsätzlich attraktiv bleiben. Um eine ausgewogene Portfoliostruktur zu erzielen, bedarf es aber auch anderer Anlageklassen wie Anleihen oder eine Beigabe von alternativen Investments.

II: Wie wichtig ist denn die vielbeschworene Diversifikation in diesen Zeiten?

Decker: Diversifikation ist wahrscheinlich heute wichtiger denn je. Das hängt auch mit den strukturellen Megatrends zusammen, die die Märkte dominieren und damit natürlich auch die Gefahr der Klumpenrisiken erhöhen. In der Summe sind eine breite Allokation und Diversifikation über Regionen, Sektoren, Faktoren etc. wichtig, um Volatilität abzufedern und resiliente Portfolios zu bauen.

II: Lassen Sie uns etwas in die Vielfalt der Aktienanlage eintauchen. Viel wird derzeit über das Potenzial europäischer Aktien als mögliche Outperfomer 2026 gesprochen. Wie sehen Sie das?

Decker: Europäische Aktien werden bei Anlegern beliebter. Viele Unternehmen gelten zwar nicht als so wachstumsstark wie die US-Konzerne, dafür ist die Bewertung günstiger. Grundsätzlich ist die europäische Wirtschaft auf einem soliden Wachstumspfad. Parallel dazu dürften die Märkte beginnen, die sich verbessernden Gewinnaussichten nach und nach einzupreisen, unterstützt beispielsweise hierzulande durch fiskalische Impulse. Wir haben europäische Aktien eher übergewichtet. Aber diese mögliche Outperformance hängt natürlich stark vom globalen Handelsumfeld ab. Geopolitische Konflikte und Krisen rund um den Globus wirken sich auch auf die europäische Wirtschaft aus.

II: Die Tech-Aktien beherrschten lange Zeit das Geschehen an den Märkten. Ist Tech noch attraktiv oder ist viel Fantasie bereits eingepreist?

Decker: Technologie bleibt strukturell definitiv attraktiv. Wir erleben eine industrielle Zäsur. Nehmen sie beispielsweise die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz und den Ausbau von Rechenzentren. Vieles ist aktuell erst in der Entstehung. Kurzfristig kann es natürlich immer zu Rücksetzern kommen, weil die Bewertung teilweise schon recht ambitioniert ist. Zudem wird sich die Spreu vom Weizen trennen – nicht alle Geschäftsmodelle überleben die technologische Disruption.

II: Zu den möglichen Outperformern auf der Aktienseite zählen 2026 die Schwellenländer. Welche Gründe lassen sich hierfür anbringen?

Decker: Schwellenländeraktien sind mit Rückenwind ins Jahr gestartet. Ein schwächerer US-Dollar, sich verbessernde makroökonomische Rahmenbedingungen sowie eine hohe Anpassungsfähigkeit stützen diese Entwicklung. Das Anlageuniversum in den Schwellenländern hat sich zudem ausgeweitet. Auch in Bereichen wie KI-Infrastruktur zeichnen sich langfristig tragfähige Wachstumstreiber ab.

II: Anfang des Jahres sorgte die Rally am japanischen Aktienmarkt für Aufsehen. Jahrzehntelang im „Dornröschenschlaf“, ist Tokio wieder erwacht.

Decker: Absolut. Der japanische Markt ist ein sehr spannender. Investoren mögen grundsätzlich Sicherheit und klare Strukturen. Mit dem Erdrutschsieg hat die Premierministerin ein eindeutiges Mandat für ihre politische Agenda bekommen. Das hat der Markt goutiert und der Nikkei ist temporär in die Höhe geklettert. Aber man darf nicht vergessen, dass auch Japan sich zahlreichen strukturellen Herausforderungen gegenübersieht – alternde Gesellschaft, hohe Staatsverschuldung etc. Auf der anderen Seite ist Japan eines jener Länder, das schon immer sehr technologieaffin getrieben war und das könnte natürlich jetzt in dieser neuen hoch technologisierten Welt auch von Vorteil sein.

 

II: Abschließend Ihr Fazit zu den Aktienaussichten 2026?

Decker: Wie erwähnt sind wir für Aktien im Jahresverlauf positiv gestimmt. Dabei reicht es allerdings nicht aus, nur nach attraktiven Regionen oder Sektoren Ausschau zu halten. Es empfiehlt sich, genauer hinzusehen und Subsektoren beziehungsweise die Geschäftsmodelle unter die Lupe zu nehmen. Ein Beispiel sind IT-Aktien. Während Software-Aktien in der jüngeren Vergangenheit Abschläge hinnehmen mussten, entwickelten sich Halbleiter-Werte gut.

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