„Wir sehen uns die gesamte Wertschöpfungskette an“

Wenig Themen haben so an Relevanz gewonnen wie zuletzt die Verteidigungsbranche. Zeit für ein Update. Alexander Heftrich sprach mit Michel Hoffmann, Portfoliomanager des European Defence Equity Funds aus dem Hause M.M.Warburg & CO. Er ging unter anderem darauf ein, wie sich sein Fonds von Wettbewerbern unterscheidet.
29. Juni 2026
Michel Hoffmann - Foto : © M.M.Warburg & CO

Wenig Themen haben so an Relevanz gewonnen wie zuletzt die Verteidigungsbranche. Zeit für ein Update. Alexander Heftrich sprach mit Michel Hoffmann, Portfoliomanager des European Defence Equity Funds aus dem Hause M.M.Warburg & CO. Er ging unter anderem darauf ein, wie sich sein Fonds von Wettbewerbern unterscheidet.

INTELLIGENT INVESTORS: Herr Hoffmann, das Thema Verteidigung im Weiteren ist ständiger Begleiter im laufenden Jahr. Wichtig auch für die Investmentindustrie?

Michel Hoffmann: Absolut. Dabei gilt zu betonen, dass wir nicht erst seit kurzem, sondern bereits seit längerem, zunehmend eine neue Realität in der Geopolitik sehen. Im Fokus steht die Aufgabe des europäischen Kontinents, sich von der Weltmacht USA zu lösen, zu emanzipieren. Kein einfaches Unterfangen, aber sozusagen alternativlos. Wer nicht verteidigungsfähig ist, weist keine nachhaltige Strategie aus.

II: Guter Punkt. Sind wir auch hierzulande an diesem Punkt „erwacht“?

Hoffmann: Ich denke schon. Die Verteidigungsausgaben sollen deutlich ansteigen und es scheint erklärtes Ziel zu sein, dass Europa mehr Verantwortung übernimmt. Eine Staatsaufgabe mit hoher Priorität.

II: Rüstung und Waffen im Portfolio – bis vor kurzem noch ein Ausschlusskriterium im Sinne der Nachhaltigkeit. Was hat sich verändert?

Hoffmann: Die Lage in der Welt mit all ihren Konflikten hat zu einem Bewusstseinswandel geführt. Unternehmen, die beispielsweise Luftabwehrraketen herstellen, waren vor wenigen Jahren noch so etwas wie die Schmuddelkinder der Industrie und wurden gemieden. Heute sind ihre Produkte gefragt. Spätestens mit dem Ukraine-Krieg sind in Europa die Themen Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit präsenter denn je.

II: Ihr European Defence Equity Fund wurde Mitte des vergangenen Jahres gelauncht. Wo liegt der Mehrwert Ihres Produkts gegenüber Wettbewerbern, beispielsweise den ETFs?

Hoffmann: Indizes als auch die passiven ETFs, die das Thema Verteidigung spielen, sind sehr konzentriert. Was meine ich damit? Vergleichsweise wenige Titel machen einen Großteil des Portfolios aus. Wir verfolgen einen anderen Ansatz. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern managen wir den Fonds wie einen klassischen Industriefonds. Bedeutet, wir sehen uns die gesamte Wertschöpfungskette an. Zulieferer, Vorprodukte und Logistik spielen eine Rolle und finden Eingang ins Portfolio. Hinzu kommt, dass durch den aktiven Fondsansatz Chancen und Risiken optimal gesteuert und somit ein überlegtes Investieren in die Verteidigungsindustrie ermöglicht wird.

II: Ihr Aktienfonds investiert in ein diversifiziertes Portfolio von 40 bis 50 Titeln. Wie wichtig ist Ihnen diese Vielfalt an Titeln? Wo werden Sie regional im Besonderen fündig?

Hoffmann: Diversifikation, aktuell um die 50 Positionen, ist für uns wichtig – sie streut Risiken über verschiedene Verteidigungssubsektoren, von Cybersecurity bis Raumfahrt, und über unterschiedliche Unternehmensgrößen. Regional fokussieren wir uns auf europäische Länder; aktuell machen Aktien von Unternehmen aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich mehr als 60 % des Portfolios aus.

II: Zum Abschluss – wie ist die Resonanz auf den European Defence Equity Fund?

Hoffmann: Nach zehn Monaten haben wir mehr als 60 Mio. Euro AuM. Insbesondere die Nachfrage von Privatinvestoren stimmt uns zuversichtlich, das richtige Produkt zur richtigen Zeit an den Markt gebracht zu haben.

 

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