Oliver Bunn ist Global Head of Alternatives, Quantitative Investment Strategies bei Goldman Sachs Asset Management. INTELLIGENT INVESTORS sprach mit ihm vor einiger Zeit zu einem neuen ETF, den das Haus auf den Markt gebracht hat und der Renditeeigenschaften von Private Equity über ein liquides, transparentes UCITS-Format abbildet.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Bunn, mit dem GSPE UCITS-ETF erweitern Sie Ihre bisherigen ETF-Strategien. Gab es Gründe, die für die Auflage dieses Vehikels Anfang dieses Jahres ausschlaggebend waren?
Oliver Bunn: Es gab nicht den einen ausschlaggebenden Grund, der uns bewogen hat, dieses Produkt aufzulegen. Vielmehr ist der GSPE UCITS-ETF das Ergebnis einer längeren Entwicklung und Zusammenarbeit mit MSCI. MSCI hatte 2023 den Datenanbieter Burgiss erworben, der über eine mehr als drei Jahrzehnte lange Erfahrung im Bereich der alternativen Anlagen verfügte. Nun lautete das Ziel, insbesondere privaten Investoren einen breiteren Zugang zu alternativen Renditequellen zu ermöglichen. Der ETF ist das passende Vehikel. Wir sind überzeugt, dass eine entsprechende Nachfrage im Markt nach entsprechenden Produktlösungen vorhanden ist.
II: Gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Sie sind Teil des Quantitative Investment Team von GSAM. Was steht für Sie in Ihrem Tätigkeitsspektrum im Fokus?
Bunn: Angesichts des stetig wachsenden Datenvolumens gewinnt der Einsatz quantitativer Methoden zunehmend an Bedeutung, um Muster und Zusammenhänge zu identifizieren, die bei traditionellen Anlageansätzen möglicherweise übersehen würden. In den dynamischen Märkten bietet das quantitative Investieren auch Vorteile für Anleger, die differenzierte Renditeströme anstreben. Im Fokus stehen demnach Ansätze, die objektive, umfassend datenbasierte Investmententscheidungen ermöglichen. Praktisch beschäftigen wir uns mit sehr großen diversifizierten Universen, wie beispielsweise Private Equity, und versuchen, diese in einer abgewandelten Form für unsere Kunden zugänglich zu machen.
II: Können Sie darlegen, für welche Anleger ein solcher ETF besonders interessant sein kann?
Bunn: Die Anlageklasse Private Equity war lange institutionellen Investoren oder sehr vermögenden Privatanlegern vorbehalten. Mit dem GSPE-UCITS ETF ändert sich das, und der Zugang zu Privat Equity-ähnlichen Erträgen wird vergrößert. In anderen Worten: Wir liefern einen liquiden Zugang für eine illiquide Anlageklasse. Darüber hinaus schaffen wir Zugriff auf gewisse Charakteristika vom Privatmarktuniversum mittels des ETF.
II: Jetzt sind wir beim Produkt, dem Goldman Sachs MSCI World Private Equity Return Tracker UCITS ETF. Können Sie uns die Wesensmerkmale einmal kurz darlegen?
Bunn: Gerne. Das Produkt ist ein passiver UCITS-ETF, der die Wertentwicklung des MSCI World Private Equity Return Tracker Index möglichst genau abbilden soll. Ziel ist es, Private-Equity-ähnliche Renditen zugänglich zu machen, ohne in nicht börsennotierte Unternehmen investieren zu müssen. Stattdessen setzt der ETF auf börsennotierte Aktien, mit denen die regionalen, sektoralen und stilistischen Eigenschaften von Private-Equity-Investments repliziert werden.
II: Das heißt konkret?
Bunn: Zum einen bedeutet es, dass kein direktes PE-Engagement enthalten ist. Der Index, der dem ETF zugrunde liegt, bildet ohne direkte Beteiligung in Private Equity nach. Zum anderen bildet der Ansatz das gesamte PE-Universum ab, also sowohl Informationen aus dem Buyout- sowie aus dem Venture Capital Segment. Der Index bringt dann das Privatmarktuniversum mit dem börsennotierten Segment des MSCI World IMI in Einklang. Zum Beispiel geht der Index Übergewichtungen in Deutschland und Großbritannien ein, wenn wir uns die speziellen Eigenschaften von europäischen Buyout-Firmen anschauen.
II: Wie schaut es mit der Sektorgewichtung aus?
Bunn: Investiert wird breit diversifiziert über die Sektoren. Informationstechnologie und die Gesundheitssparte sind relativ zu ihren Allokationen im MSCI World am stärksten übergewichtet, während der Finanzsektor als Beispiel eher untergewichtet ist.
II: Denkt man an Private Equity, so fallen große Namen. Sie wählen bewusst einen anderen Ansatz. Können Sie das bitte etwas ausführen und die Trennlinie zu klassischen Listed-PE-Anbietern aufzeigen?
Bunn: Es ist eine andere Herangehensweise. Im klassischen Listed-PE-Segment ist es eher eine Top-Down-Sichtweise, in der man Anlagen in Firmen wählt, die im Privatmarktsegment als Anleger aktiv sind. Wir hingegen wählen einen Bottom-Up-Ansatz. Mit anderen Worten: Wir blicken auf die einzelnen Privatanlagen der Private Equity GPs und versuchen, die Charakteristika dieser Privatanlagen im Hinblick auf deren regionale, sektorale und stilistische Ausrichtung letztendlich nachzubilden.
II: Der GSPE-UCITS ETF ist in Europa neu am Markt. Was erhoffen Sie sich von der Nachfrage?
Bunn: Es bedarf immer etwas Zeit, um den Investoren das Produkt zu erklären und näherzubringen. Die Rückmeldungen sind positiv; Nachfrage nach alternativen Renditequellen bei gegebener Liquidität ist vorhanden. Wir verfügen über mehr als 35 Jahre Erfahrung im Bereich systematischer Anlagen. Der GSPE-UCITS ETF zielt darauf ab, Anlegern ein liquides Engagement in Private-Equity-ähnlichen Renditen zu bieten, wobei Aktien aus öffentlichen Märkten zum Einsatz kommen. Die beliebte ETF-Struktur erhöht dabei die Liquidität, Transparenz und Kosteneffizienz des Fonds. Nach unserer Auffassung adressiert diese Produktlösung die aktuelle Investorennachfrage.




