Abseits des US-amerikanischen und europäischen Markts lohnt im Rahmen der Diversifikation auch ein Blick gen Asien. Jupiter Asset Management macht dabei einen Bogen um Festlandchina. Die Chefredaktion im Austausch mit Jason Pidcock, Fondsmanager des Jupiter Asia Pacific Income Fund, über die Vorzüge der Region Asien-Pazifik.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Pidcok, mit Blick des Adlers, wie nehmen Sie das makroökonomische Umfeld derzeit wahr?
Jason Pidcock: Wir sind grundsätzlich positiv gestimmt, sowohl für die Weltwirtschaft als auch für Asien. Wir gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz (KI) zu Produktivitätssteigerungen führen und damit die Unternehmensgewinne verbessern wird. Wir glauben nicht, dass geopolitische Spannungen oder Handelskonflikte das globale Wachstum entgleisen lassen, sehen jedoch, dass bestimmte Länder, wie China, durch höhere Zölle verwundbarer werden.
Besonders attraktiv finden wir das Thema des Binnenkonsums in mehreren Ländern der Region – insbesondere in Indien, Australien und Singapur. Wir vermeiden hingegen eine zu hohe Gewichtung von Ländern mit ungünstiger Demografie, hohen Schulden oder schwachen Währungen. Als Konsequenz unserer makroökonomischen Einschätzung sind 90 % unseres Portfolios auf vier Länder konzentriert – in absteigender Gewichtung sind dies Taiwan (mit Fokus auf den Technologiesektor), Australien (eine Mischung aus binnen- und exportorientierten Unternehmen), Indien (vor allem Unternehmen mit Binnenmarktfokus) und Singapur (überwiegend Unternehmen mit Nachfrage aus Südostasien).
II: Die Region Asien-Pazifik ist sehr vielfältig. Wie wichtig ist es, hierbei zu differenzieren?
Pidcock: Die Vielfalt der Region schätzen wir sehr – sowohl in Bezug auf die Investmentchancen als auch die Möglichkeit, uns von Wettbewerbern abzuheben. Wir gehören zu den wenigen regionalen Asien-Investoren, die bewusst nicht in Festlandchina investieren. Nachdem wir dort jahrelang untergewichtet waren, haben wir im Juli 2022 unsere letzten Positionen verkauft und planen derzeit auch keine Rückkehr. Wir meinen, dass das politische System in China im Widerspruch zu den Voraussetzungen für nachhaltige Aktionärsrenditen steht, dass geopolitische Spannungen noch lange ein Problem bleiben werden und dass Faktoren wie Schulden, Demografie und der angeschlagene Immobiliensektor die Wirtschaft zusätzlich belasten. Auf Sektorebene gefällt uns die Möglichkeit, in Bereiche zu investieren, die weniger mit dem allgemeinen Konjunkturzyklus korrelieren – beispielsweise ein Goldminenunternehmen in Australien oder ein Rüstungsunternehmen in Singapur.
II: Viele Anleger schauen nach Übersee. Die Vereinigten Staaten waren/sind das Maß der Dinge. Mit welchen Argumenten kann die asiatisch-pazifische Region generell überzeugen?
Pidcock: Die Bewertungen in Asien sind weiterhin attraktiv, und das Wachstum ist beachtlich. Die größeren Märkte bieten eine gute Liquidität, und die Dividendenrenditen sind – zumindest bei den von uns gehaltenen Aktien – sehr attraktiv. Wir sind der Meinung, dass eine gewisse globale Diversifikation für Aktienanleger von Vorteil ist. Eine zu starke Konzentration auf die USA birgt eigene Risiken, und Asien stellt hier eine wertvolle Ergänzung dar.
II: Sie präferieren Investments in Taiwan, Australien, Indien und Singapur. Der indische Markt ist in der jüngeren Vergangenheit bereits gut gelaufen. Steckt hier noch Potenzial?
Pidcock: Die langfristige Wachstumsstory Indiens ist weiterhin intakt. Das BIP pro Kopf ist noch niedrig, was erhebliches Aufholpotenzial bietet. Die demografische Entwicklung ist ein Rückenwind für das Wachstum, und aus geopolitischer Sicht ist Indien gut positioniert. Die USA, Europa und viele andere Länder sind an stabilen Beziehungen zu Indien interessiert – einer funktionierenden Demokratie mit wirtschaftlichem Potenzial. Wir investieren hauptsächlich in Unternehmen mit starkem Binnenmarktfokus, die langfristig aussichtsreich sind. Die Bewertungen sind attraktiv, die Liquidität ist gut, und wir erhalten Dividendenrenditen, die über dem Marktdurchschnitt liegen.
II: Wie können Taiwan einerseits und Singapur andererseits punkten?
Pidcock: Taiwan hat im Technologiesektor eine überproportional hohe Bedeutung auf globaler Ebene. Nicht nur TSMC, eines der wichtigsten Unternehmen der Welt, sondern auch Hon Hai (der weltweit größte Auftragsfertiger), Mediatek (ein erfolgreicher Chipdesigner) und Quanta (ein hoch angesehenes Fertigungsunternehmen) spielen hier eine entscheidende Rolle. Viele große US-Technologiekonzerne sind auf Taiwan angewiesen, wenn es um modernste Halbleiter und Hardware geht. Wir erwarten, dass der technologische Erneuerungszyklus – insbesondere im Zusammenhang mit KI – ein bedeutender Gewinnmotor sein wird.
Singapur hingegen hat sich als bevorzugter Standort für die regionalen Hauptquartiere vieler multinationaler Unternehmen etabliert. Zudem gibt es eine Reihe einheimischer Firmen, die erfolgreich in Nachbarstaaten expandieren. Besonders schätzen wir das niedrige Korruptionsniveau, die gute Liquidität, attraktive Dividendenrenditen und moderate Bewertungen.
II: Sie machen sozusagen einen Bogen um Festlandchina. Woher rührt diese Skepsis?
Pidcock: Wie bereits erwähnt, sehen wir das politische System in China als nicht investorenfreundlich an. Geopolitische Herausforderungen werden bestehen bleiben, und strukturelle Probleme wie hohe Schulden, demografischer Wandel und der angeschlagene Immobilienmarkt belasten die Wirtschaft zusätzlich.
II: Wie konzentriert ist Ihr Portfolio?
Pidcock: Unser Portfolio besteht aus rund 30 Titeln, wodurch wir jede Position mit einem signifikanten Gewicht halten. Wir setzen auf eine fokussierte Länderallokation, legen jedoch Wert auf hohe Liquidität der Märkte, in die wir investieren. Unsere Sektorallokation liegt näher an der Benchmark, allerdings mit gezielten Über- und Untergewichtungen.
II: Was gilt es, trotz aller Chancen, bei Investments in diese Region zu bedenken? Wie wichtig ist aktives Management?
Pidcock: Wir sind überzeugt, dass in einer so vielfältigen Region wie Asien ein aktiver Investmentansatz essenziell ist. Wir investieren nicht in einen Titel oder ein Land, nur weil es in einem Index enthalten ist. Für uns spielt Governance eine entscheidende Rolle – sowohl auf Länderebene als auch auf Unternehmensebene.
Wir sind Stock-Picker mit einem Top-Down-Ansatz und analysieren politische Systeme, Korruptionsniveaus, demografische Trends, Schuldenstände und andere Risikofaktoren sehr genau. Wir sehen uns nicht als Schwellenländer-Investoren, sondern als Asien-Pazifik-(ex Japan)-Investoren mit einem klaren Fokus auf entwickeltere Märkte.




