Die USA und China setzen einen Teil ihrer gegenseitigen Zölle zunächst aus. Für Felix Herrmann, Chefvolkswirt bei ARAMEA Asset Management, passt das zur Zollstrategie der USA. Er verweist aber darauf, dass konkrete Details noch nicht bekannt sind.
„Erst mit extrem hohen Zöllen schocken, um diese in der Folge in Teilen wieder zurückzunehmen. Entlang des Weges bekommt man als USA einige konkrete Importzusagen anderer Länder beziehungsweise günstigen Zugang zu ausländischen Märkten für diverse US-Industriezweige. Diese Strategie der US-Regierung in Sachen Zollverhandlungen stand ohne Frage bereits vor dem von US-Präsident Donald Trump so genannten ‚Liberation Day‘ fest. Die heutige Einigung mit China passt dabei gut ins Muster. Da China aber nun einmal nicht irgendein Handelspartner ist, lässt das abermals wohl eher überraschende Ergebnis der Verhandlungen in Genf ganz besonders aufhorchen. Wenngleich konkrete Details des Deals noch nicht bekannt sind.
Zwei Feststellungen bleiben. Erstens: Die Zölle auf Einfuhren in die USA dürften im Vergleich zum Zeitpunkt des Amtsantritts Trumps deutlich steigen. Die US-Zölle gegenüber China liegen selbst nach dem ‚Deal‘ bei etwa 40 Prozent, die chinesischen Zölle gegenüber den USA bei rund 25 Prozent. Und zweitens: Wir wissen nicht, was nach Ablauf der 90 Tage mit den Zöllen auf chinesische Importe passiert. Von Verschnaufpause bis nachhaltige Entspannung ist alles möglich.
Darüber zu spekulieren, wie das neue Gleichgewicht zwischen den USA und China aussieht, mag dem einen oder anderen Analysten gefallen – ist aber mit einem Gang ins Casino vergleichbar. Letztlich bestünde der Kern der Aufgabe für Marktbeobachter jedoch darin, in den Kopf des US-Präsidenten hineinzuschauen. Da dies wohl nicht einmal die First Lady kann, werden sich die Märkte zunächst weiterhin von Verhandlung zu Verhandlung beziehungsweise von Social-Media-Post zu Social-Media-Post hangeln.“




