HighlightMärkteWas sagen die Daten? Unternehmenssteuer, klimabezogene Rechtsstreitigkeiten und Gastronomie-Blues

Aviva Investors befasst sich aus aktuellem Anlass mit drängenden Fragen der Zeit wie Unternehmenssteuersätzen, klimabezogenen Rechtsstreitigkeiten und der anhaltenden Misere der Gastwirtschaften/Gastronomien.
8. Juli 2021
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Aviva Investors befasst sich aus aktuellem Anlass mit drängenden Fragen der Zeit wie Unternehmenssteuersätzen, klimabezogenen Rechtsstreitigkeiten und der anhaltenden Misere der Gastwirtschaften/Gastronomien.

Welches Land hat die höchste Unternehmenssteuer?

Große multinationale Unternehmen sind in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik geraten, weil sie versuchen, die Höhe der von ihnen zu zahlenden Unternehmenssteuern zu „optimieren“ – und zwar am liebsten, indem sie ihre Gewinne und damit die steuerpflichtigen Umsätze in Niedrigsteuerländer verlegen.

Das könnte jedoch bald ein Ende haben, denn: Die G7 haben im Juni eine Vereinbarung getroffen, die einen globalen Mindestunternehmenssteuersatz von 15 Prozent für Unternehmen vorsieht.

Derzeit liegt der durchschnittliche Steuersatz der 38 Länder, welche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bilden, bei 21,5 Prozent – jener des Vereinigten Königreichs beträgt nebenbei bemerkt 19 Prozent.

Abbildung 1 zeigt, dass Frankreich den höchsten Unternehmenssteuersatz erhebt (32 Prozent), gefolgt von Australien, Mexiko und Portugal (30 Prozent). Am anderen Ende des Spektrums liegen die Schweiz und Ungarn mit Steuersätzen von 8,5 bzw. 9 Prozent.

Abbildung 1: Unternehmenssteuersätze in OECD-Ländern im Jahr 2020 (in Prozent)

Hinweis: Einige Länder wie die USA und die Schweiz erheben höhere Steuern als in der Grafik angegeben, wenn man die Steuern unterhalb der Ebene des Zentralstaates einbezieht. Quelle: OCED

 

Nehmen die klimabezogenen Rechtsstreitigkeiten zu?

Im Mai wurde ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel erreicht, als der Ölgigant Shell mit einem Gerichtsurteil in den Niederlanden scheiterte. Das Unternehmen hatte sich verpflichtet, seine Emissionen bis 2030 um 20 Prozent (gegenüber den Werten von 2019) zu senken. Das niederländische Gericht zwingt den Energieriesen jetzt, sie stärker und schneller zu reduzieren als geplant (um 45 Prozent bis 2030).

Ein Urteil mit Signalwirkung? Obwohl es wahrscheinlich ist, dass Shell in Berufung gehen wird, geht vom Urteil ein eindeutiges Signal aus: Öl- und Gaskonzerne stehen von allen Seiten unter Druck, ihr Geschäft neu auszurichten, um zu einer kohlenstoffarmen Welt beizutragen.

Abbildung 2 zeigt, wie die Anzahl an klimabezogenen Rechtsstreitigkeiten seit 1986 zugenommen hat. Jeder Punkt steht für einen Fall – die Anzahl der in hellblau dargestellten Fälle, die zwischen 2015 und 2019 stattgefunden haben, ist deutlich größer als die in grau und grün dargestellten Fälle, die sich zwischen 1986 und 2004 sowie 2005 und 2009 ereigneten.

Abbildung 2: Klimabezogene Rechtsstreitigkeiten (1986–2019)

Hinweis: Jeder Punkt steht für einen Fall. Quelle: ‘Climate-related litigation. By numbers’, Freshfields Bruckhaus Deringer. Daten vom Sabin Center for Climate Change Law, Columbia University; Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment, London School of Economics and Political Science mit Stand von Dezember 2019

Besonders hervorzuheben ist, dass sich die Zahl der Fälle seit 2017 von 884 auf 1550 fast verdoppelt hat, wobei die meisten Rechtsstreitigkeiten (79 Prozent) in den USA stattfanden und hier nur zehn Prozent der Klagen gegen Unternehmen erhoben wurden.

Die Mehrheit der 135 an Rechtsstreitigkeiten beteiligten Unternehmen, waren Energie- und Rohstoffunternehmen. Hier konzentrieren sich die Rechtsstreitigkeiten auf sechs Bereiche: Das Recht auf Leben und das Recht auf eine saubere Umwelt, die Notwendigkeit, Kohlenstoff im Boden zu halten, Bereiche der unternehmerischen Verantwortung, die Durchsetzung von Klimazielen, Auswirkungen der Anpassung und klimabezogene Angaben.

Wenn es nicht Corona ist, dann ist es das Wetter

Der 12. April war ein wichtiges Datum in England, da die Lockdown-Beschränkungen nach einem langen Winter endlich gelockert wurden. Viele Menschen hätten sich auf die Aussicht gefreut, endlich mit Freunden in Gastwirtschaften, Bars und Restaurants im Freien zu essen oder zu trinken.

Während die Daten jedoch wie erwartet einen zunehmenden Anstieg der Hotelaktivitäten zeigen (Abbildung 3), lässt sich das Gleiche für die Gastronomie nicht behaupten.

Abbildung 3: Hotelaktivitäten nach dem 12. April 2021

Quelle: Huq Industries Limited, Stand vom 15. Mai 2021

Abbildung 4 zeigt das Pech der Gastwirte in diesem Jahr.

Die Zahl der Besucher in Gastronomien stieg in den Tagen nach der Wiedereröffnung sprunghaft an –  sank aber, als die Begeisterung, sich draußen mit Freunden und Familie zu treffen, wegen des schlechten Wetters nachließ. Ohne Zweifel werden sie für gutes Wetter beten – vor allem jetzt, da die Fußball-EM 2020 in vollem Gange ist.

Abbildung 4: Gastronomie-Aktivitäten nach dem 12. April 2021

Quelle: Huq Industries Limited, Stand vom 15. Mai 2021

Foto: © Blue Planet Studio — stock.adobe.com

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