Was die Rendite über die langfristige Anleihen-Performance verrät

Anleihen gelten als gut planbare Anlage. Wer eine Anleihe kauft, kennt die vereinbarten Kupons und weiß, dass die Anleihe am Laufzeitende zum Nennwert zurückgezahlt wird, sofern der Emittent nicht ausfällt. In der Praxis benötigen Anleger das Kapital jedoch selten genau am Fälligkeitstag. Meist soll es weiter im Anleihemarkt investiert bleiben. Und nun wird es doch etwas komplizierter.
20. Juli 2026

Anleihen gelten als gut planbare Anlage. Wer eine Anleihe kauft, kennt die vereinbarten Kupons und weiß, dass die Anleihe am Laufzeitende zum Nennwert zurückgezahlt wird, sofern der Emittent nicht ausfällt. In der Praxis benötigen Anleger das Kapital jedoch selten genau am Fälligkeitstag. Meist soll es weiter im Anleihemarkt investiert bleiben. Und nun wird es doch etwas komplizierter.

Zeitraum: Januar 1980 – Juli 2026; Quelle : LSEG, HQ Trust Research.

Denn jetzt müssen Rückzahlungen und Kupons regelmäßig zu den jeweils aktuellen Marktzinsen wiederangelegt werden. Viele Anleger nutzen deshalb Fonds oder ETFs, die die Auswahl und Wiederanlage automatisch übernehmen: Auslaufende Anleihen werden fortlaufend durch neue Papiere ersetzt. Damit unterliegen die Fonds aber dauerhaft einem Wiederanlage- und Zinsrisiko.

Pascal Kielkopf hat analysiert, warum Anleiherenditen kurzfristig nur wenig erklären, langfristig aber ein wichtiger Anhaltspunkt für die erzielbare Performance sind. Dazu vergleicht der Kapitalmarktstratege vom Family Office HQ Trust die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit der Wertentwicklung eines Index, der fortlaufend in Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren investiert, dem Datastream 10 Year Bund Index. Die Untersuchung umfasst den Zeitraum seit 1980.

Die wichtigsten Ergebnisse der Analyse

  • „Auf Sicht eines Jahres lässt sich die Performance lang laufender Anleihen kaum aus der anfänglichen Rendite ableiten. Veränderungen des Zinsniveaus dominieren das Ergebnis.“
  • „Die Einjahresperformance des zehnjährigen Bundesanleiheindex schwankte seit 1980 zwischen hohen zweistelligen Gewinnen und Verlusten von zeitweise mehr als 20 %.“
  • „Besonders deutlich wurde das Laufzeitrisiko im Jahr 2022. Der abrupte Anstieg der Renditen führte bei lang laufenden Bundesanleihen zu erheblichen Kursverlusten, obwohl das Ausfallrisiko Deutschlands unverändert gering war.“
  • „Eine niedrige Ausgangsrendite bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Performance bereits im folgenden Jahr niedrig ausfällt. Sinken die Marktzinsen, können auch Anleihen mit niedriger Verzinsung kurzfristig deutliche Kursgewinne erzielen.“
  • „Umgekehrt schützt eine höhere Rendite nicht vor kurzfristigen Verlusten. Steigen die Marktzinsen weiter, können die Kursverluste die laufenden Zinserträge zunächst deutlich übersteigen.“

Mit zunehmendem Anlagehorizont verändert sich das Bild

  • „Über längere Zeiträume verlieren kurzfristige Kursbewegungen an Bedeutung. Auf Sicht von zehn Jahren sind die Schwankungen der annualisierten Performance erheblich geringer als bei den Einjahres-Zeiträumen.“
  • „Die realisierte Zehnjahresperformance des Bundesanleiheindex liegt meist relativ nah an der zu Beginn beobachtbaren Rendite zehnjähriger Bundesanleihen.“
  • „Die Ausgangsrendite ist deshalb kein verlässlicher Indikator für die Performance des nächsten Jahres, gibt aber eine deutlich bessere Orientierung für die längerfristig zu erwartende Rendite.“

 

Was Anlegerinnen und Anleger aus der Analyse mitnehmen sollten

  • „Anleger sollten die Rendite lang laufender Anleihen nicht mit einer sicheren Rendite für das kommende Jahr verwechseln. Kurzfristig kann die tatsächliche Performance erheblich davon abweichen.“
  • „Wer das investierte Kapital bereits in den kommenden Jahren benötigt, sollte mit diesem Teil des Portfolios daher keine ausgeprägten Laufzeitrisiken eingehen.“
  • „Anleger mit einem ausreichend langen Anlagehorizont, können mit einem Teil ihres Anleiheportfolios bewusst auch in längere Laufzeiten investieren und damit meist höhere laufende Renditen vereinnahmen.“
  • „In einem breit aufgestellten Anleiheportfolio ist eine Mischung unterschiedlicher Laufzeiten meist sinnvoll. Kürzere Anleihen reduzieren die kurzfristigen Schwankungen, während längere Laufzeiten höhere Renditechancen und stärkere Kursgewinne bei fallenden Zinsen bieten können.

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