In seinem aktuellen Marktkommentar analysiert Matt Lodge, Investment Strategist bei Global X, den fundamentalen Wandel auf dem Kupfermarkt. Das Metall entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Rohstoff – getrieben durch die Nachfrage aus Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Energieinfrastruktur, Verteidigung und Elektromobilität.
„Kupfer – vom zyklischen Metall zum strategischen Engpass“
„Die Kupfernachfrage stützte sich bislang auf die Bauwirtschaft, die Automobilindustrie und Chinas Infrastrukturwelle. Heute verlagert sich der Schwerpunkt des Kupferverbrauchs auf KI-/Rechenzentrums-Campus, Stromnetze, Aufrüstungsprogramme, Elektrofahrzeuge und Schnellladetechnologien – die weniger anfällig für kurzfristige Konjunkturzyklen sind.
Auf der Angebotsseite sieht die kurzfristige Bilanz für Raffinerieprodukte stabil aus, mit Prognosen für einen Überschuss im Jahr 2025. Die bislang angekündigten Minen werden bis 2035 jedoch nur etwa 70 Prozent des Primärversorgungsbedarfs decken. Das deutet auf anhaltende Engpässe hin, sofern keine weiteren Projekte umgesetzt, bestehende Anlagen ausgebaut und das Recycling in großem Maßstab realisiert werden. Unterdessen sichern sich diversifizierte Bergbauunternehmen durch Übernahmen und Kapitalmärkte zunehmend Zugang zu Kupfer – ein Hinweis auf das wachsende strategische Interesse an hochwertigen Kupferoptionen.
Da diese sich verschärfende Versorgungslage auf eine steigende physische Nachfrage trifft, entwickelt sich Kupfer nicht nur zu einem Nutznießer des KI-Zeitalters, sondern potenziell auch zu einem Hemmnis. Kupfer könnte zu einem kritischen Material werden, das die Entwicklung und den Umfang des KI-Zeitalters bestimmt.
Die Nachfrage nach Kupfer wird in den folgenden Bereichen künftig weiter steigen:
- Datencenter und digitale Infrastruktur: Das Nachfragewachstum ist in der Realwirtschaft verankert und beständig
- Der Ausbau der KI ist ein mehrjähriges Unterfangen.
- Die Investitionen der Hyperscaler haben sich von Forschung und Entwicklung auf Beton und Kabel verlagert.
- Die Größe der Campus-Standorte nimmt zu, nicht nur ihre Anzahl.
- Aufrüstung: Strukturell höhere Ausgaben mit Schwerpunkt auf Beschaffung statt Forschung und Entwicklung
- Die Budgets werden seit über einem Jahrzehnt aufgestockt.
- Europa baut seine Lagerbestände und Industrie wieder auf.
- Die USA steigern ihre Munitionsproduktion.
- Stromnetze, Transformatoren und Hochspannungsanlagen: Investitionen in Stromnetze nehmen zu und sind kupferintensiv
- Nach Jahrzehnten stagnierender Investitionen wird derzeit wieder verstärkt in Stromnetze investiert.
- Die Vorlaufzeiten und Preise wurden nach oben korrigiert.
- Die Preissensibilität der Materialien stellt ein echtes politisches Risiko dar. Kupfer und Aluminium machen etwa 20 Prozent der Netzinvestitionskosten aus.
- Elektrofahrzeuge und Schnellladung: Die Technologie erfordert zunehmend mehr Kupfer
- Der Kupferverbrauch pro Fahrzeug steigt strukturell an, da der Anteil von Elektrofahrzeugen zunimmt.
- Das Laden ist auf der Stromseite sehr kupferintensiv.
- Gebäude und industrielle Elektrifizierung: Der Fortschritt erfordert mehr Strom
- Die Effizienzstandards werden verschärft.
- Die Einführung von Wärmepumpen schwankt, aber die Politik bleibt bestehen.
- Elektrifizierung ist nicht nur eine Frage des Klimas, sondern auch der Produktivität.
Fazit: Die Kupfernachfrage ist heutzutage weniger zyklisch als früher. Hyperscaler, Versorgungsunternehmen, Hersteller von Elektrofahrzeugen und Rüstungsprogramme schaffen eine stabilere Nachfrage. Lange Vorlaufzeiten begünstigen etablierte Unternehmen und Brownfield-Projekte. Die strukturelle Knappheit spricht für Disziplin und nicht für Volumen um jeden Preis. Die jüngsten Transaktionen deuten eher auf den Kauf hochwertiger Kupferoptionen als auf Investitionen in die Produktion hin – eine gesunde Kapitaldisziplin für den kommenden Zyklus.“




