Wandelanleihen gelten als cleverer Kompromiss zwischen Aktien und Anleihen. Schließlich bieten sie die Stabilität einer Anleihe, kombiniert mit der Renditechance einer Aktie. Eine neue Analyse von Kapitalmarktstratege Pascal Kielkopf zeigt aber: In den vergangenen 15 Jahren lieferten globale Wandelanleihen exakt dieselbe Rendite wie ein schlichtes 60/40-Mischportfolio. Nur beim Risiko gibt es einen Unterschied – zum Nachteil der Wandelanleihen.
Quelle: LSEG, HQ Trust Research, Zeitraum: 01.01.2011– 30.04.2026.
In seiner Untersuchung vergleicht Pascal Kielkopf vom Family Office HQ Trust die Wertentwicklung des FTSE Qualified Global Convertible Wandelanleihen-Index (EUR-hedged) mit einem Mischportfolio, das aus 60 Prozent Aktien (MSCI ACWI) und 40 Prozent Anleihen (Bloomberg Global Aggregate, EUR-hedged) besteht. Der Kapitalmarktstratege betrachtet den Zeitraum von Januar 2011 bis April 2026. Das 60/40-Portfolio wird vierteljährlich rebalanciert.
Zum Hintergrund: Wandelanleihen sind Unternehmensanleihen mit einem besonderen Merkmal. Der Inhaber kann die Anleihe unter bestimmten Bedingungen in Aktien des Emittenten umwandeln. Steigt der Aktienkurs über den vorab festgelegten Wandlungspreis, lohnt sich diese Option. Bleibt der Aktienkurs unter der Schwelle, zahlt die Anleihe regelmäßige Kupons und wird am Ende zurückgezahlt. Für Anleger klingt das nach einer eleganten Lösung. Aber ist sie das auch?
- „Bei der Rendite und dem Schwankungsrisiko gab es auf lange Sicht keinen Unterschied: In den vergangenen gut 15 Jahren erzielten globale Wandelanleihen und das 60/40-Portfolio bei einer Volatilität von 8,4% p.a. eine annualisierte Rendite von 7,4 Prozent.“
- „In Krisenphasen waren die Wandelanleihen allerdings anfälliger: Der maximale Verlust lag bei Wandelanleihen bei 25,9 %. Das klassische 60/40-Portfolio verlor im stärksten Einbruch dagegen ‚nur‘ 21,1 %.“
- „Da die Korrelation zum klassischen Aktien-Renten-Portfolio bei knapp 80 % liegt, ist der Diversifikationseffekt zudem relativ gering.“
Wandelanleihen performen sehr zyklisch
- „Schaut man auf die relative Renditeentwicklung zeigt sich ein klares Muster: Wandelanleihen entwickelten sich besonders stark in wachstumsgetriebenen Börsenphasen.“
- „Das galt etwa für die Post-Covid-Rallye 2020/2021 oder zuletzt im Zuge des KI-Booms 2025/2026.“
- „Auf diese Phasen folgten allerdings häufig längere Perioden deutlicher Underperformance, beispielsweise im Umfeld des Zinsanstiegs 2022.“
Was viele Investoren überraschen dürfte
- „Bei Wandelanleihen sind überdurchschnittlich oft spekulativere Unternehmen vertreten. Weit mehr als die Hälfte der Emittenten haben ein Rating von BBB oder schlechter.“
- „Zudem dominieren viele Technologie- und Wachstumstitel. Zu den größten Emittenten zählen unter anderem SK Hynix, Western Digital, Echostar, Alibaba oder Lumentum.“
Pascal Kielkopfs Fazit
- „Der Reiz von Wandelanleihen liegt vor allem in ihrer Geschichte: Kuponzahlungen plus Aktienchance klingt auf den ersten Blick sehr attraktiv.“
- „In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Anleger dafür häufig höhere laufende Produktkosten, eine stärkere Konzentration auf einzelne Wachstumsunternehmen und ein komplexeres Produkt in Kauf nehmen – ohne langfristig ein besseres Risiko-Rendite-Profil zu erhalten.“
- „Wer die Phasen relativer Stärke von Wandelanleihen nicht aktiv timen kann, fährt mit einem breit diversifizierten 60/40-Portfolio besser.“





