Strategien & ProdukteWarum der nächste globale Internetkonzern aus Indien kommen wird

8. Oktober 2020
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Laut der Global Financial Inclusion Database der Weltbank, bekannt als Global Findex, hatten noch 2017 ganze 1,7 Milliarden Menschen weltweit – ein Drittel aller Erwachsenen – kein Bankkonto und damit keinen Zugang zu bargeldlosem Zahlungsverkehr, zu Online-Transaktionen oder Krediten. Indien ist hierbei ein besonderer Fall, mit über 190 Millionen Menschen ohne Bankkonto, doch einer Regierung mit einem klaren Schwerpunkt auf mehr digitale und finanzielle Integration. Deren Maßnahmen in den letzten Jahren, mit dem Ziel, die Aktivitäten des informellen Finanzsektors in einen sichtbareren, digitalen Bereich zu bringen, schienen oft extrem, waren aber auch sehr effektiv. Laut der Reserve Bank of India (RBI) haben die digitalen Transaktionen von 2017 bis 2019 um etwa 140 Prozent zugenommen und die RBI peilt eine Vervierfachung des Transaktionsvolumens bis 2021 an.

Es ist daher keine Überraschung, dass Chinas FinTechs um den Markt buhlen und mit US-amerikanischen Technologieriesen wetteifern, da Indiens junge und wachsende Bevölkerung eine längere und vielleicht robustere Wachstums-Story darstellt als China selbst. Allerdings achtet die indische Regierung sehr darauf, dass lokale Unternehmen nicht durch ausländische Großkonzerne verdrängt werden. Daher hat der Mischkonzern Reliance Industries Ltd., eines der größten Unternehmen Indiens, es sich zur Aufgabe gemacht, in großem Umfang in erschwingliche 4G-Mobilfunkdienste und ‑geräte zu investieren. Damit konnten sich Online-Services wie das Mobile Banking rasch im ganzen Land ausbreiten, auch in ländlichen Regionen, wo Internetzugang bisher nicht möglich war. Eine Erfolgsgeschichte, die CEO Mukesh Ambani zum reichsten Mann Indiens gemacht hat und auch die Anleger konnten zufrieden sein: In den letzten fünf Jahren hat der Aktienkurs seines Konglomerates um rund 320 Prozent zugelegt (Stand: 06.10.2020).

Damit nicht genug: Reliance Jio heißt nun der jüngste Ableger, der derzeit die Fantasie der Investoren beflügelt, eine Art digitaler Rundumversorger. Über JioMart lassen sich Lebensmittel und Haushaltswaren nach Hause bestellen. JioCinema bietet Streaming à la Netflix, JioSaavn ist ein Musikdienst wie Spotify. JioMeet macht in Indien Zoom als Anbieter von Videokonferenzen Konkurrenz. Eine Möglichkeit, sich direkt bei Jio zu beteiligen, haben Privatanleger noch nicht. Das könnte sich jedoch bald ändern. So ist geplant, Jio demnächst als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen. Indischen Medienberichten zufolge könnte der Börsengang bereits 2021 stattfinden – im Gespräch ist dabei unter anderem die US-Technologiebörse Nasdaq, wo auch Amazon und die chinesische E‑Commerce-Plattform Alibaba gelistet sind.

Marktkommentar von Alex Wai Shing Ko,  Fondsmanager des BNP Paribas India Equity

Foto: © BillionPhotos.com — stock.adobe.com

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