Warum 2025 das Jahr der US-Small-Caps werden könnte

In den vergangenen Jahren standen Nebenwerte unter Druck. Nun aber könnten sie angesichts einer soliden US-Wirtschaft und sinkender Zinsen ein Comeback feiern. Greg Tuorto, Portfoliomanager im Fundamental Equity Team von Goldman Sachs Asset Management, analysiert den Markt für US-Small-Caps.
18. März 2025
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In den vergangenen Jahren standen Nebenwerte unter Druck. Nun aber könnten sie angesichts einer soliden US-Wirtschaft und sinkender Zinsen ein Comeback feiern. Greg Tuorto, Portfoliomanager im Fundamental Equity Team von Goldman Sachs Asset Management, analysiert den Markt für US-Small-Caps.

Hohe Inflation und gestiegene Zinsen: Von 2022 an stellte das makroökonomische Umfeld einen erheblichen Belastungsfaktor für Small Caps dar. Das Gewinn- und Umsatzwachstum kleinerer Unternehmen verlangsamte sich und wurde 2023 sogar negativ. Die Gewinne US-amerikanischer Small Caps sanken um 12 %, während sie im US-Large-Cap-Index S&P 500 um fast 10 % zulegten. Nun aber hat sich das Blatt gewendet: Bereits 2024 zeigte der US-Nebenwerteindex Russell 2000 mit einem Plus von mehr als 11 % eine starke Performance – und wir sehen auch künftig Potenzial für eine nachhaltige Outperformance geringer kapitalisierter Werte.

Unsere positive Einschätzung stützt sich auf verschiedene Faktoren. Neben der soliden US-Konjunktur zählen dazu die gesunkenen Zinsen. In der Vergangenheit haben sich US-Small-Caps im Anschluss an Zinssenkungszyklen oft besser entwickelt als Large Caps – insbesondere, wenn der Wirtschaft eine weiche Landung gelang. Dies liegt daran, dass kleinere Unternehmen in der Regel einen höheren Anteil an variabel verzinslichen Verbindlichkeiten haben und daher überproportional von Zinssenkungen profitieren können.

Daneben sind Small Caps meist stärker auf den Heimatmarkt ausgerichtet und weniger abhängig vom unsicheren internationalen Handel. Aufgrund ihrer stärkeren Binnenorientierung und kürzeren Lieferketten sind sie im Vergleich zu größeren Unternehmen tendenziell besser gegen die negativen Folgen von Zöllen abgesichert.

Börsengänge kleinerer Unternehmen könnten wieder zunehmen
Eine der größten Herausforderungen für den Small-Cap-Bereich war in den vergangenen Jahren eine geringe Anzahl an Börsengängen (Initial Public Offerings, IPOs). In der Regel geht eine Erholung der Aktienmärkte mit einem Anstieg der IPO-Aktivitäten einher. Im Jahr 2024 war dies jedoch nicht der Fall. Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe. Einer besteht darin, dass das Wachstum passiver Investitionen am Aktienmarkt größere Unternehmen begünstigt. Eine tragfähige Marktkapitalisierung börsennotierter Aktien liegt nicht mehr bei 1 Mrd. US-Dollar, sondern eher bei 10 Mrd. US-Dollar. Dies führt dazu, dass einige Unternehmen von den privaten Märkten direkt in die Indizes für mittlere und große Werte aufgenommen wurden.

Außerdem werden mehrere Unternehmen, die jüngst den Börsengang gewagt haben, trotz positiver Stimmung an den Märkten mittlerweile unter ihrem Einstiegskurs gehandelt. Das könnte andere Firmen von einem solchen Schritt abhalten. Diese Dynamik ist aus unserer Sicht zum Teil auf den IPO-Boom während der Corona-Pandemie zurückzuführen, der durch eine unterstützende Geldpolitik ausgelöst wurde. Dieser Effekt ist aber nun weitgehend ausgelaufen.

Im Jahr 2025 haben wir bereits eine Zunahme der IPO-Aktivitäten gesehen. Es gab bislang eine Handvoll hochwertiger Deals, und weitere werden folgen. Private Equity-Gesellschaften werden nach Exits suchen müssen, um Kapital auszuschütten. Das Marktumfeld unterstützt diesen Trend: Die Renditen für öffentliches Beteiligungskapital sind so hoch wie nie zuvor, der Large-Cap-Zyklus ist nach historischen Maßstäben „alt“ geworden, der S&P 500 selbst ist stark konzentriert, und Small Caps sind im Vergleich zu hochkapitalisierten Werten niedrig bewertet. Auch Private-Equity-Unternehmen werden sich eine anhaltende Rallye des Russell 2000 nicht entgehen lassen wollen. Wir könnten daher erleben, dass private Investoren ihre Portfoliounternehmen wieder vermehrt an die Börse bringen.

Fusionen und Übernahmen dürften zulegen
Anziehende Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) dürften ebenfalls den Markt für Small Caps stützen. Für 2025 prognostizieren wir einen Anstieg um 20 %. Wenn M&A‑Aktivitäten im Jahresvergleich zunehmen, zeigen geringer kapitalisierte Werte in der Regel eine überdurchschnittliche Performance. Private Equity-Sponsoren verfügen derzeit über nicht investiertes Kapital in Höhe von fast 1 Bio. US-Dollar, und das weltweite M&A‑Volumen allein im Technologiesektor wird für 2025 auf bis zu 465 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die Bewertungen sind in einigen Bereichen so niedrig, dass sie sowohl für Private Equity-Unternehmen als auch für größere Mitbewerber interessant sind. In diesem Jahr wurden in unserem Beteiligungsuniversum bisher fünf Transaktionen angekündigt. Wir erwarten nicht, dass diese Dynamik nachlässt.

Steigende Nachfrage nach Medizintechnik
Insgesamt gehen wir davon aus, dass der Russell 2000 im Jahr 2025 von soliden Erträgen, Umsatzwachstum und einer Ausweitung der Bewertungen angetrieben wird. Auf Branchenebene könnten Finanzwerte aus unserer Sicht den größten Renditebeitrag leisten. Die Bewertungen haben bereits zu steigen begonnen, und es besteht Raum für eine weitere Ausweitung.

Innerhalb des Gesundheitssektors verdient der Medtech-Sektor unserer Meinung nach besondere Aufmerksamkeit. Die Branche erlebte 2023 aufgrund der Einführung neuer Medikamente gegen Fettleibigkeit einen Rückschlag. Es wurde erwartet, dass diese zur Vorbeugung von gewichtsbedingten Gesundheitsproblemen beitragen und somit die Fortschritte bei hochinnovativen kardiovaskulären Verfahren hemmen würden.

Inzwischen ist jedoch eine allgemeine Erholung zu beobachten, und wir sehen eine größere Nachfrage nach medizintechnischen Geräten. Innovative Unternehmen mit starken Produktportfolios gewinnen Marktanteile hinzu. Außerdem sind unserer Meinung nach viele der Small Caps im Medizintechnikbereich reif für eine Übernahme, und es besteht Interesse seitens größerer Unternehmen.

Potenzial für moderne Finanzsoftware und spezialisierte Industriewerte
Im Softwarebereich beobachten wir ebenfalls eine anziehende Nachfrage. Bei Softwarelösungen für die Finanzbuchhaltung dominieren beispielsweise heute noch veraltete On-Premises-Lösungen – also Programme, die lokal auf dem Rechner installiert werden müssen.

Der Vorteil liegt nun bei Anbietern von Cloud-basierter, KI-gestützter Software für die Finanzplanung und ‑analyse. Mit Produkten, die in Bezug auf Funktionalität, Innovation und Benutzerfreundlichkeit überlegen sind, sollten sie ein überdurchschnittliches Marktwachstum erzielen und Marktanteile von etablierten Unternehmen gewinnen können – zumal wir erwarten, dass KI in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen breiteren Software-Aktualisierungszyklus vorantreiben wird.

Auch bei Industriewerten rechnen wir mit einer starken Gewinndynamik und sehen in diesem Sektor großes Potenzial. Interessante Anlagemöglichkeiten gibt es unseres Erachtens zum Beispiel in der Luft- und Raumfahrt, da weltweit Flotten überholt und repariert werden müssen. Anfang 2024 ging ein Unternehmen an die Börse, das Spezialkomponenten für die Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigungsindustrie entwickelt. Es unterhält strategische Partnerschaften mit führenden Unternehmen aus der Branche und hat in den vergangenen 10 Jahren erfolgreiche Fusionen und Übernahmen durchgeführt. Wir haben das Management kennengelernt, als das Unternehmen noch in privater Hand war, und vertrauen seinem Fokus auf operative Effizienz und seiner Wachstumsstrategie.

Small Caps prädestiniert für aktives Management
Mit der nötigen Expertise und den entsprechenden Ressourcen lassen sich unter US-amerikanischen Small Caps großartige Werte aufspüren, die sich im Laufe der Zeit zu echten Renditebringern entwickeln können. Ein wichtiges Kriterium ist dabei die Qualität des Managements. Diese lässt sich nur beurteilen, wenn man die Schlüsselpersonen an der Spitze eines Unternehmens über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgt, eine enge Beziehung zu ihnen aufbaut und versteht, was sie antreibt.

Der Markt für Small Caps ist vielfältig, weniger liquide und in geringerem Maße vom Research abgedeckt. Daher erscheinen aktive Anlagestrategien besonders geeignet. Die Erkennung von Mustern durch erfahrene Portfoliomanager, unterstützt von einem gut ausgestatteten und fachlich versierten Team kann dazu beitragen, Alpha zu erzielen und Risiken in einem breiten Anlageuniversum zu managen – und als Investor zu profitieren, wenn 2025 das Jahr der US-Small-Caps wird.

Autor: Greg Tuorto, Portfoliomanager im Fundamental Equity Team, Goldman Sachs Asset Management

 

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