Kommt mit dem Waffenstillstand im Iran die langersehnte Entspannung? Obwohl die Straße von Hormus aktuell noch geschlossen ist, fiel der Ölpreis wieder auf unter 100 US-Dollar pro Barrel (WTI) und besonders Grundstoffaktien erholen sich stark – allen voran Gold. Mögliche Szenarien, wie es nach dem Waffenstillstand weitergeht und worauf Anleger sich einstellen sollten, erläutert Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei ZKB/Swisscanto:
Iran-Konflikt: Waffenstillstand sorgt für Entspannung
Die USA und der Iran haben sich auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt – auch der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus soll zukünftig wieder ermöglicht werden. Pakistan und China haben maßgeblich an der Einigung mitgewirkt, und auch die US-Regierung will den Konflikt so schnell wie möglich beilegen. Damit ist der Höhepunkt der Unsicherheit jetzt wahrscheinlich erreicht. Der bisherige Verlauf hat große Ähnlichkeit mit einem durchschnittlichen Volatilitätsschock.
Ölpreis sinkt nur leicht – zugrundeliegende Konflikte bleiben ungelöst
Der Ölpreis ist nach der Ankündigung des Waffenstillstands unter 96 US-Dollar pro Barrel (WTI) gefallen, doch er bleibt deutlich über dem Vorkrisenniveau, denn die zugrunde liegenden Konflikte bleiben ungelöst. Wie nachhaltig die Entspannung bei den Energiepreisen ist, dürfte von den weiteren Verhandlungen abhängen.
Drei Szenarien sind denkbar: eine begrenzte diplomatische Lösung, ein eingefrorener Konflikt mit wiederholten Waffenstillständen oder eine erneute Eskalation nach Ablauf des Waffenstillstands in zwei Wochen. Die Märkte preisen derzeit eine reduzierte Eskalationsgefahr ein, und eine verbesserte Stimmung zeigt sich auch in den Kursbewegungen: Mehrere wichtige Future-Indizes haben gestern die 200-Tage-Durchschnittslinien nach oben durchbrochen – die Märkte hoffen trotz anhaltender Unsicherheit auf eine weitere Stabilisierung.
Dennoch bleibt die Lage angespannt. Die Verhandlungen über eine langfristige Lösung sollen in den kommenden Tagen in Islamabad beginnen. Der iranische 10-Punkte-Plan dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen – er sieht unter anderem die Kontrolle des Schiffsverkehrs durch den Iran und die Aufhebung von Sanktionen vor.
Deeskalation an den Märkten: Grundstoffaktien sind klare Gewinner
Grundstoffaktien, die zu Beginn des Konflikts abgestraft wurden, konnten sich sehr stark erholen und zählen nun zu den Gewinnern der letzten Wochen. Ein Hauptgrund ist der starke Rebound beim Goldpreis, der von 4100 auf 4800 US-Dollar pro Feinunze gestiegen ist.
Anleger können sich für ein Deeskalationsszenario positionieren, sollten dabei aber nicht die fundamentalen Kennzahlen aus den Augen verlieren. Am Freitag werden die Inflationszahlen in den USA bekanntgegeben – und diese dürften ansteigen. Bei der Kerninflation dürfte der Anstieg mit 0,2 Prozent im Monatsvergleich jedoch moderat ausfallen. Gleichzeitig startet kommende Woche die Berichtssaison zum ersten Quartal, für die der Markt in den USA weiterhin solides Gewinnwachstum von 17 Prozent im Jahresvergleich erwartet.




