“Verwahrung gehört bei Krypto zu den sensibelsten Fragen”

14. Juli 2026
Andrej Majcen - Foto: Copyright Bitcoin Suisse

Bitcoin Suisse, führender Premium-Anbieter von Krypto-Finanzdienstleistungen in der Schweiz, weitet seine Aktivitäten auf den deutschen Markt aus. INTELLIGENT INVESTORS sprach mit Andrej Majcen, Mitgründer und Group-CEO von Bitcoin Suisse.

INTELLIGENT INVESTORS: Was ändert sich mit dem Deutschlandstart operativ? Was durfte Bitcoin Suisse in Deutschland vorher nicht tun, was jetzt?

Andrej Majcen; Deutschland ist für Bitcoin Suisse kein völlig neuer Markt. Wir haben bereits seit vielen Jahren deutsche Kunden, die aus eigener Initiative zu uns gekommen sind. Was bisher nicht möglich war, war die gezielte Ansprache deutscher Kunden. Mit der MiCAR Lizenz der Bitcoin Suisse (Europe) AG und dem entsprechenden Passporting können wir nun regulierte Krypto Dienstleistungen auch aktiv nach Deutschland anbieten. Für deutsche Kunden heißt das: Sie müssen den Weg zu Bitcoin Suisse nicht mehr selbst finden, sondern wir können sie aktiv ansprechen, anbinden und ihnen Zugang zur europäischen Version unseres einzigartigen Angebots geben. Dazu gehören insbesondere Handel, Verwahrung, Staking und persönliche Betreuung. Bei Bitcoin Suisse hat jeder Kunde einen persönlichen Ansprechpartner mit langjähriger Krypto-Erfahrung.

Für professionelle und vermögende Kunden wird damit ein Angebot zugänglich, das stärker auf Verwahrung, Service Tiefe und operative Umsetzung ausgerichtet ist als auf reinen Marktzugang. Bitcoin Suisse betreibt Krypto seit 2013 als Kerngeschäft und nur nicht als Zusatzangebot.

II: Sie sprechen von Handel, Verwahrung und Staking. Welcher dieser drei Bereiche ist für Ihre Zielgruppe in Deutschland aktuell am nachgefragtesten?

Andrej Majcen: Für unsere Zielgruppe beginnt die Diskussion in Deutschland meist bei der Verwahrung. Family Offices, Vermögensverwalter und vermögende Privatkunden stellen zunächst sehr praktische Fragen: Wo liegen die Vermögenswerte? Wie sind sie getrennt? Wer darf Transaktionen freigeben? Wie sieht das Reporting aus? Und wer ist erreichbar, wenn ein Fall nicht in ein Standardschema passt?

Handel und Staking kommen danach. Beim Handel geht es vor allem um Liquidität, saubere Ausführung, Preisqualität und Transparenz bei größeren Orders. Staking wird für Kunden interessant, die Krypto nicht nur halten, sondern vorhandene Bestände professioneller nutzen wollen. Meist ist es aber nicht der Einstieg, sondern der nächste Schritt, wenn Verwahrung und Governance geklärt sind.

Für Deutschland erwarten wir deshalb nicht, dass ein einzelner Bereich allein dominiert. Die Nachfrage geht eher in Richtung eines integrierten Setups. Kunden wollen nicht mehrere Börsen, Wallets, Verwahrer, Staking Anbieter und Reporting Quellen selbst zusammenführen. Sie suchen einen Ansprechpartner, der diese Bausteine sauber verbindet.

II: Was unterscheidet Bitcoin Suisse konkret von einer Bank mit eigenem Krypto Custody Angebot?

Andrej Majcen: Banken öffnen sich für Krypto immer mehr. Das ist gut für den Markt. Der Unterschied zeigt sich aber dort, wo Krypto nicht nur als Beimischung gekauft, sondern als eigene Vermögenskategorie professionell gehalten, gehandelt und verwahrt werden soll

Bitcoin Suisse kommt aus dem Krypto Markt selbst. Wir wurden 2013 gegründet und haben mehrere Marktzyklen durchlaufen. Wir haben unsere Kerninfrastruktur für Verwahrung, Handel und Staking auf Basis proprietärer Technologie aufgebaut. Das gibt uns volle Kontrolle über Sicherheit und Qualität und unseren Kunden einen einzigen Ansprechpartner mit vollständigem Überblick.

Viele Bankangebote sind sinnvoll, aber stärker standardisiert. Sie schaffen Zugang. Unser Ansatz beginnt dort, wo dieser Standardzugang nicht mehr reicht: bei größeren Beständen, besonderen Verwahranforderungen, individuellen Governance-Fragen oder fundierter Markteinordnung durch unsere eigenes Research-Team. Deshalb sehen wir uns nicht als Gegenmodell zur Bank, sondern als Spezialist für Kunden, deren Anforderungen über einen einfachen Kaufauftrag hinausgehen.

II: Wie läuft die Anbindung für Family Offices und Vermögensverwalter praktisch ab? Direkte Kundenbeziehung oder Kooperationsmodell?

Andrej Majcen: Beides ist möglich. Es hängt von Struktur, Mandat und regulatorischem Rahmen des jeweiligen Kunden ab. Ein Family Office kann direkt mit Bitcoin Suisse zusammenarbeiten. Bei Vermögensverwaltern geht es häufig um eine klare Rollenverteilung: Der Vermögensverwalter bleibt Ansprechpartner für seine Mandanten, während Bitcoin Suisse die Krypto Infrastruktur für Verwahrung, Ausführung, Staking und Research bereitstellt.

Speziell Family Offices und Vermögensverwalter kommen häufig zu uns, weil sie zum Beispiel Bitcoin nicht nur halten möchten, um Rendite zu machen, sondern aus Diversifikationsgründen über Generationen hinweg, als wichtiger Bestandteil ihrer Assetallokation. Praktisch beginnt die Zusammenarbeit dann mit der Prüfung der Struktur und der Anbindung. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob der Kunde als Privatperson, Gesellschaft, Stiftung, Family Office oder Finanzdienstleister angebunden wird, wer zeichnungsberechtigt ist, welche Freigabeprozesse gelten und welche Reporting Anforderungen bestehen. Danach wird festgelegt, wie Handel, Verwahrung und gegebenenfalls Staking genutzt werden können.

Für Family Offices und Vermögensverwalter liegt der Mehrwert vor allem darin, dass sie kein eigenes, kleinteiliges Krypto Betriebsmodell aufbauen müssen. Sie brauchen nicht mehrere Handelsplätze, Wallet Lösungen und Staking Anbieter zu koordinieren, sondern können eine regulierte Struktur mit klaren Zuständigkeiten und vollkommener Transparenz nutzen.

II: Ab welcher Vermögensgröße wird ein Kunde für Bitcoin Suisse in Deutschland interessant?

Andrej Majcen: Entscheidend ist weniger das Gesamtvermögen eines Kunden als der konkrete Bedarf im Bereich Krypto. Bitcoin Suisse richtet sich nicht an den Privatanleger-Massenmarkt und ist nicht die Plattform für einen ersten App Kauf über einige hundert Euro.

Eine Zusammenarbeit wird vor allem dann sinnvoll, wenn Krypto Bestände oder geplante Allokationen grösser werden, dass Verwahrung, Ausführung, Freigabeprozesse, Staking, Reporting oder Strukturfragen professionell gelöst werden müssen und langfristig Vermögen aufgebaut werden soll. In Deutschland sprechen wir daher vor allem über Privatkunden mit substanziellen Krypto Beständen oder die ernsthaft, langfristig Krypto in den Vermögensaufbau mit aufnehmen möchten.

Wichtig ist: Wir wollen Kunden nicht über eine starre Zahl definieren. Für uns ist relevanter, ob der Kunde ein Setup braucht, das über Standardzugang hinausgeht. Das kann ein Unternehmer mit größeren Krypto Beständen sein, ein Family Office, ein Vermögensverwalter mit mehreren Mandaten oder ein institutioneller Investor.

II: Wie ist die Verwahrung abgesichert? Cold Storage, Versicherung, Trennung von Kundenvermögen?

Andrej Majcen: Verwahrung gehört bei Krypto zu den sensibelsten Fragen. Deshalb reicht es nicht, nur über Cold Storage oder Versicherung zu sprechen. Entscheidend ist, wie die Verwahrung technisch, rechtlich und operativ aufgebaut ist.

Bitcoin Suisse arbeitet mit mehreren Schutzebenen. Dazu gehören Cold-Storage-Setups, Multi-Signatur-Prozesse, geografische Redundanz, klar definierte Freigabeprozesse, technische und organisatorische Kontrollen sowie die Trennung der Kundenvermögen vom Unternehmensvermögen. Wichtig ist: Diese Maßnahmen werden nicht nur intern definiert. Die Verwahrprozesse werden regelmäßig extern geprüft, technische Systeme gezielt auf mögliche Schwachstellen getestet und der zugrunde liegende Code unabhängig überprüft. Dazu gehören unter anderem die jährliche ISAE 3402 Type 2 Auditierung der Custody, Penetrationstests und unabhängige Code-Audits.

Für Kunden ist vor allem wichtig, dass ihre Vermögenswerte nicht einfach mit Unternehmensvermögen vermischt werden. Für Bestände, die über die europäische Gesellschaft unter MiCAR verwahrt werden, gelten die Anforderungen der MiCAR an die Trennung (Segregation) der Kunden-Krypto-Assets und Kundengelder von den Eigenbeständen des CASP sowie an deren ordnungsgemässe Verwahrung und Aufzeichnung.Beim Thema Versicherung sollte man präzise bleiben. Wir sprechen nicht von einer pauschalen Versicherung sämtlicher denkbarer Risiken. Der Schutz ergibt sich aus der Kombination aus getrennten Kundenvermögen, geprüften Prozessen, technischer Sicherheit, klaren Freigaben und regulatorischen Vorgaben.

II: Was macht Bitcoin Suisse bei der Verwahrung von Vermögenswerten anders als die klassischen Banken?

Andrej Majcen: Bitcoin Suisse hat die Verwahrung nicht als Ergänzung klassischer Bankprozesse aufgebaut. Sie ist aus den Anforderungen des Krypto Marktes entstanden.

Bei digitalen Vermögenswerten zählen operative Details. Es geht nicht nur darum, einen Vermögenswert in einem Depot auszuweisen. Es geht um private Schlüssel, Transaktionsfreigaben, Adressstrukturen, Staking, Token Unterstützung, technische Sicherheit, Reporting und schnelle Reaktionsfähigkeit bei Sonderfällen. Diese Themen sind bei Bitcoin Suisse kein Zusatzmodul, sondern Teil des Kerngeschäfts.

Klassische Banken bringen Vertrauen, Regulierungserfahrung und etablierte Prozesse mit. Bitcoin Suisse verbindet diese Stärken mit Krypto Erfahrung aus dem laufenden Betrieb seit 2013. Für Family Offices und Vermögensverwalter ist das relevant, weil sie bei größeren Beständen wissen wollen, wer die Anlageklasse wirklich versteht und wer im konkreten Fall fachlich belastbar antworten kann.

II: Macht MiCAR Krypto für professionelle Anleger grundsätzlich anschlussfähiger, oder ändert sich vor allem der Marktzugang für Anbieter wie Bitcoin Suisse selbst?

Andrej Majcen: MiCAR verändert beides, aber auf unterschiedliche Weise. Für Anbieter schafft MiCAR einen einheitlicheren europäischen Rahmen. Eine Lizenz in einem EWR-Staat kann über Passporting den Zugang zu weiteren Märkten ermöglichen. Für Bitcoin Suisse ist das die Grundlage, Deutschland nun aktiv zu bearbeiten.

Für professionelle Anleger ist der Effekt indirekter, aber sehr wichtig. MiCAR macht Krypto nicht risikofrei und ersetzt keine eigene Prüfung des Anbieters. Der Rahmen macht Dienstleister aber vergleichbarer und schafft klarere, einheitlichere Anforderungen an Organisation, Verwahrung, Kundenschutz und Prozesse. Genau das ist für Family Offices, Vermögensverwalter und institutionelle Investoren entscheidend.

Der deutsche Markt ist bereits entwickelt und in mehreren Segmenten besetzt. Es gibt Plattformen, Banken und Infrastruktur Anbieter. MiCAR kann nun die nächste Phase unterstützen: weg von reinem Zugang, hin zu professionellen Strukturen. Für Kunden bedeutet das mehr Klarheit bei der Frage, mit wem sie arbeiten, wie Vermögenswerte verwahrt werden und welche Leistungen ein Anbieter tatsächlich erbringen darf.

II: Wo steht Bitcoin Suisse in drei Jahren im deutschen Markt? Nischenanbieter oder etablierter Partner neben klassischen Verwahrstellen?

Andrej Majcen: Wir wollen in Deutschland nicht der nächste Massenanbieter werden. Das ist nicht unser Modell. Unser Ziel ist, im anspruchsvolleren Segment ein etablierter Spezialist zu sein: für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Family Offices, Vermögensverwalter, institutionelle Investoren und Unternehmen, die mehr brauchen als Standardzugang.

In den kommenden Jahren soll Bitcoin Suisse in Deutschland zu den naheliegenden Ansprechpartnern gehören, wenn professionelle Kunden eine belastbare Krypto Struktur aufbauen oder bestehende Bestände professionalisieren wollen. Das bedeutet nicht, klassische Banken oder Verwahrstellen zu ersetzen. In vielen Strukturen werden Banken weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Bitcoin Suisse ergänzt diesen Markt dort, wo Krypto Erfahrung, persönliche Betreuung, eigene technische Tiefe und operative Umsetzung gefragt sind.

Ob man das Nische nennt, hängt von der Perspektive ab. Für den Retailmarkt sind wir bewusst nicht gebaut. Für das Private Banking, Family Office und Vermögensverwalter Segment wollen wir ein etablierter Partner werden. Der Maßstab ist nicht die Zahl der App Downloads, sondern die Qualität der Kundenbeziehungen, die verwahrten Vermögenswerte, die Nutzung der Services und das Vertrauenunserer Kunden.

Die im EWR lizenzierte Gesellschaft ist die Bitcoin Suisse (Europe) AG. Referenzen auf «Bitcoin Suisse» erfolgen ausschliesslich im Markenkontext.

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