HighlightStrategien & Produkte„Verschuldungsorgien der Staaten“

Der Crash und die Folgen. Wie haben führende Gesellschaften die vergangenen Wochen gemeistert und nutzten sie womöglich die Gelegenheit für Nachkäufe? Die Intelligent Investors-Chefredaktion fragte dazu nach bei Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender und Fondsmanager der LOYS AG.
5. Mai 2020
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Der Crash und die Folgen. Wie haben führende Gesellschaften die vergangenen Wochen gemeistert und nutzten sie womöglich die Gelegenheit für Nachkäufe? Die Intelligent Investors-Chefredaktion fragte dazu nach bei Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender und Fondsmanager der LOYS AG.

Intelligent Investors: Der Corona-Virus ist beileibe noch nicht ausgestanden. Hat die Krise Sie überraschend getroffen?

Ufuk Boydak: Viele reden in Bezug auf Corona vom schwarzen Schwan. Allerdings ist nicht die Pandemie der Entenvogel, sondern die scharfe Reaktion der Regierungen und das nahezu vollständige Herunterfahren der globalen Weltwirtschaft. Dieses Handeln ist doch einigermaßen überraschend und heftig ausgefallen, ebenso wie das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Kursrückgänge an den Weltbörsen.

 

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II: Ist die Corona-Krise anders gelagert als Krisen zuvor?

Boydak: Ja, definitiv, da gerade die weltweiten Lock-Down-Maßnahmen in Bezug auf vergangene Krisen unvergleichbar sind. In Zeiten der ständig fortschreitenden Globalisierung ist niemand auf ein solches Ereignis vorbereitet gewesen. Daher wird diese Krise weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. In 2008 schnürten die Amerikaner ein historisches Hilfspaket von 700 Mrd. USD; heutzutage wirkt das maximal wie eine kleine Hilfsspritze, die vielleicht ein paar Wochen reichen würden. Die Dimension der Herausforderungen übersteigt die der Vergangenheit um ein Vielfaches. Entscheidend für die Erholung der Wirtschaft wird die Situation am Arbeitsmarkt sein und das dadurch beeinflusste Konsumverhalten.

 

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II: Wie sehr bekamen Sie den dramatischen Abverkauf an den Märkten beim LOYS Global L/S zu spüren?

Boydak: Besonders in solch volatilen Phasen legen wir großen Wert auf eine „ruhige Hand“ im Portfoliomanagement und vermeiden „Ad-hoc-Anpassungen“. Seit der Corona-Krise konnte der LOYS Global L/S sein Sicherheitsnetz nutzen und mit ‑10% die Verluste einigermaßen abfedern. Im April konnte der Fonds dann ~ 4% Performance verbuchen. Aufgrund der momentanen Divergenz zwischen der Entwicklung der Aktienmärkte und der Realwirtschaft bleibt der Fonds in dieser Phase weiterhin defensiv positioniert. Deutliches Wertsteigerungspotential können wir erwarten, sobald wieder belastbare Fundamentaldaten in Q2 / Q3 vorliegen. Der Sommer sollte doch einigermaßen turbulent verlaufen.

 

II: Haben Sie inzwischen schon wieder zugekauft?

Boydak: Der Nettoinvestitionsgrad des LOYS Global L/S wurde in antizyklischer Manier auf rund 30,85% erhöht. Das Portfoliomanagement hat die vergangenen Wochen durchaus für Zukäufe zu nutzen gewusst. Im Zuge dessen sind die Gewichtungen der Top-Titel einigermaßen konstant geblieben. Ein Trend zu größer kapitalisierten Aktien wird sich im LOYS Global L/S auch im Mai weiter fortsetzen.

In diesem Sinne haben wir günstige – und teilweise verfallene – Kurse genutzt, um insbesondere im IT-Sektor den Nettoinvestitionsgrad um sechs Prozentpunkte anzuheben. Leicht reduziert haben wir hingegen Titel im Industrie- und im Basiskonsumgüter-Sektor.

Auf Länderebene wurden Positionen in den USA und Japan ausgebaut, während wir in Großbritannien als Verkäufer agierten.

 

II: Wie blicken Sie in die Zukunft?

Boydak: Die Zinsen haben ein historisches Tief erreicht und können aufgrund der Verschuldungsorgien der Staaten nicht mehr steigen. Wie dies mit den sozialen Verpflichtungen zu vereinbaren sein soll, ist mir unklar. Der Aktienmarkt bleibt volatil und ist aufgeteilt zwischen Wachstum- und Value-Werten. Das wertorientierte Investieren ist in einer echten Sinnkrise, da es selten einen solch hohen Konsens darüber gab in welchen Unternehmen man investiert sein muss, um gewinnbringende Renditen zu erwirtschaften. Gerade in Krisen gibt es Chancen für Paradigmenwechsel und Bereinigungsprozesse, d.h. dass zu große Diskrepanzen sich auflösen. Es ist zu vermuten, dass der Konsum „nach Corona“ erst einmal zurückhaltender bleiben wird. Dennoch sollte nach der Rezession ein langsamer Erholungsprozess starten und die Wirtschaft sich von den niedrigen Niveaus wieder deutlich erholen. Gerade in diesen Phasen sollten sehr günstige und vernachlässigte Werte enormes Aufholpotential haben und den Aufschwung anführen. Wichtig ist es in der Krise, den Grundstein für die Erholung zu legen, weshalb wir positiv für die weitere Entwicklung des LOYS Global L/S, sowie der weiteren LOYS-Fonds gestimmt sind. (ah)

 

Foto: Ufuk Boydak / © LOYS AG

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