MärkteHighlightValue vs. Growth Diskussion, Extreme und Wahrnehmungsdefizite

2020 wird als ein Jahr der Extreme in Erinnerung bleiben. Wir erlebten die schlimmste globale Rezession seit der großen Depression, den schnellsten Bärenmarkt und den anschließenden Bullenmarkt sowie eine deutliche Polarisierung über die Märkte hinweg und große Schwankungen der Anlegerstimmung.
25. März 2021
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2020 wird als ein Jahr der Extreme in Erinnerung bleiben. Wir erlebten die schlimmste globale Rezession seit der großen Depression, den schnellsten Bärenmarkt und den anschließenden Bullenmarkt sowie eine deutliche Polarisierung über die Märkte hinweg und große Schwankungen der Anlegerstimmung.

Die Performance des Value-Stils im Verhältnis zu Growth, gemessen am MSCI Europe Value und Growth Index, ist seit mehr als einer Dekade in Europa fallend. Disinflationäre Kräfte, die durch fallende Anleiherenditen veranschaulicht werden, haben Investoren stärker zwischen Gewinnern und Verlierern am Aktienmarkt unterscheiden lassen. Auch in 2020 hat sich Value im Vergleich zu Growth unterdurchschnittlich entwickelt, da die Anleiherenditen eingebrochen sind.

Die COVID-Krise hat die Dominanz der Wachstumsaktien durch strukturelle Trends wie Digitalisierung, ESG und niedrigere Renditen verstärkt und ist für die extreme und ungesunde Polarisierung zwischen Gewinnern und Verlieren verantwortlich. Diese Entwicklung lässt sich sehr einfach anhand der verhaltenstheoretischen Erkenntnisse (behavioral finance) wie Loss Aversion, Framing und Herding¹, erklären. Kurz gesagt, Menschen und Investoren denken typischerweise in engen und vorgegebenen „Boxen“ und folgen der Mehrheit. Vor allem in Perioden von Unsicherheit steigt der Einfluss dieser kognitiven Verzerrungen bei der Entscheidungsfindung an. Dies führt zu Extremen, zu Wahrnehmungsdefiziten und Fehlbewertungen, die mit aktiven und disziplinierten Investmentstrategien genutzt werden können.

Vor diesem Hintergrund greift die aktuell neu belebte Diskussion über „Value“ vs. „Growth“ wieder einmal zu kurz. Sie spiegelt eine quantitative Sichtweise des Value-Begriffes wider, die auch für die schlechte Wahrnehmung von Value Investing in den vergangenen zehn Jahren verantwortlich ist. Und nach wie vor verwechseln Investoren niedrige Preise pauschal mit einer Unterbewertung.

In diesem Zusammenhang möchte ich mit zwei falschen Wahrnehmungen in Bezug auf Value Investing aufräumen.

Erstens: Value Investing sollte nicht mit passiven, quantitativen und faktorbasierten Investmentstrategien verwechselt werden. Value Investing ist eine aktive und disziplinierte Investmentphilosophie, die sich mit dem Wert eines Unternehmens beschäftigt und nicht mit dem Preis.

Zweitens: Value ermöglicht nur Zugang zu „Old Economy“-Unternehmen und nicht zu innovativen Unternehmen mit Wachstum. Diese Aussage ist nicht zutreffend und resultiert wieder aus der quantitativen und faktorbasierten Sichtweise, die sich an relativen und preisgetriebenen Bewertungsmethoden orientiert. Unser aktiver und wertorientierter Value-Ansatz ermöglicht vor allem indirekten, aber auch selektiv direkten Zugang zur „New Economy“ oder säkularen Trends wie Digitalisierung, Mobilität und Energiewandel. „Value“ und „Growth“ sind grundsätzlich keine Gegensätze. Nur in der qualitativen Unterscheidung von Wert und Preis liegt der Schlüssel zu attraktiven, langfristigen Aktienrenditen.

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