US-Bankreserven in der Gefahrenzone

Die US-Wirtschaft hält Kurs – doch hinter der stabilen Oberfläche baut sich ein geldpolitischer Gegensatz auf. Während die US-Regierung mit hohen Staatsausgaben und massiven T-Bill-Emissionen die Konjunktur befeuert, zeigt sich die Federal Reserve zunehmend vorsichtig. Sie senkte Ende Oktober zwar den Leitzins leicht, stellte aber eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr infrage. Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management, geht in seiner aktuellen FischView auf das spannungsgeladene Umfeld für Investoren ein, welches durch das Zusammenspiel von expansiver Fiskalpolitik und vorsichtiger Geldpolitik entsteht – mit Rückenwind durch Liquidität, aber auch Warnsignalen am Geldmarkt.
7. November 2025

Die US-Wirtschaft hält Kurs – doch hinter der stabilen Oberfläche baut sich ein geldpolitischer Gegensatz auf. Während die US-Regierung mit hohen Staatsausgaben und massiven T‑Bill-Emissionen die Konjunktur befeuert, zeigt sich die Federal Reserve zunehmend vorsichtig. Sie senkte Ende Oktober zwar den Leitzins leicht, stellte aber eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr infrage. Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management, geht in seiner aktuellen FischView auf das spannungsgeladene Umfeld für Investoren ein, welches durch das Zusammenspiel von expansiver Fiskalpolitik und vorsichtiger Geldpolitik entsteht – mit Rückenwind durch Liquidität, aber auch Warnsignalen am Geldmarkt.

„Die US-Konjunktur befindet sich in einem Goldilocks-Umfeld mit moderater Inflation und solidem Wachstum. Die Fed steht folgerichtig auf der Bremse und stellte eine weitere Zinssenkung Ende des Jahres infrage.

Die globale Liquidität steigt weiter, was für Rückenwind an den Aktien- und Kreditmärkten sorgt. Gleichzeitig führt das zu Aufwärtsdruck bei Inflation und langfristigen Zinsen. Auch in Europa ist eine leichte Beschleunigung des Wachstums zu beobachten. Trotz höherer US-Zölle zeigt sich zudem eine Erholung des zuvor über längere Zeit global schwachen verarbeitenden Gewerbes. Die Auftragseingänge für Kapitalgüter steigen stark an und spiegeln eine Belebung der Unternehmensinvestitionen wider – nicht nur in den USA, sondern auch global.

Zunehmende Aufmerksamkeit verdienen die Entwicklungen am US-Geldmarkt: Die Bankreserven in den USA sind mit rund 2,85 Billionen US-Dollar in die Gefahrenzone gefallen. Das konnte man in den letzten Wochen an den gestiegenen Spreads zwischen den Geldmarktzinsen (SOFR) und dem Fed-Funds-Satz sehen. Die Fed versucht, mit dem angekündigten Ende des „Quantitative Tightenings“ gegenzusteuern. Ein weiteres Absinken der Reserven unter 2,8 Billionen US-Dollar wäre ein ernstes Warnsignal für Risikoanlagen.

Trotz dieser Spannungen bleibt das Bild insgesamt positiv: Die durch das US-Treasury generierte Liquidität in Form von T‑Bill-Emissionen überkompensiert den noch leicht restriktiven Kurs der Fed. Daher rechnen wir per Saldo mit Unterstützung für die Konjunktur, leicht höherer Inflation und tendenziell steigenden langfristigen Zinsen. Entsprechend bleiben wir beim Risikoexposure neutral bis leicht übergewichtet und bei der Duration neutral bis leicht kürzer positioniert.“

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