Trump und der Doppelfehler

Der US-Dollar auf dem Rückzug, das Verbrauchervertrauen auf dem tiefsten Stand seit 1952, und ein US-Präsident, der die Unabhängigkeit der Notenbank offen infrage stellt. Reinhard Panse, Chief Investment Officer (CIO) des Multi Family Office FINVIA, kommt in seinemKapitalmarktausblick zu einem klaren Befund. Vieles spricht dafür, dass die aktuellen Entwicklungen politisch bewusst in Kauf genommen werden.

US-Inflation wieder über 3%

Die US-Verbraucherpreise sind im März um 0,9% und damit erwartet kräftig gestiegen. Die Inflationsrate liegt damit wieder deutlich über 3%. Verantwortlich war der starke Anstieg der Benzinpreise, die infolge des Ölpreisschocks durch den Irankrieg zum Vormonat um 35% zugelegt haben. Ohne Energie und Nahrungsmittel lag die monatliche Teuerung bei 0,2%. Die jährliche Rate für die Kerninflation lag damit bei 2,6%. Der Anstieg der Verbraucherpreise setzt die Politik aber stärker unter Druck als die Notenbank. Denn solange die Kerninflation und die Inflationserwartungen nicht deutlicher zulegen, ist eine abwartende Haltung der FED angebracht, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

“Der Irankrieg belastet die Märkte – das Investmentumfeld bleibt grundsätzlich intakt”

Der Irankrieg hält die Marktteilnehmer weiter in Atem und dominiert das Marktgeschehen. Besonders stark unter Druck stehen die Börsen in Regionen, die in hohem Maße von Energieimporten abhängig sind – und wo die gestiegenen Energiepreise daher eine erhebliche Belastung darstellen. Dazu zählen neben Europa und Japan auch asiatische Schwellenländer. Die USA sind im Gegensatz dazu weniger betroffen, da sie energiepolitisch weitgehend autark sind. Hinzu kommt, dass vor allem große US-Technologiewerte derzeit als sichere Häfen gehandelt werden und daher im Vergleich zu anderen Branchen geringere Kursverluste verzeichneten. Neben soliden Bilanzen und einer starken Marktstellung profitieren sie vor allem von Geschäftsmodellen, die deutlich weniger energiepreisabhängig sind als die klassischen konsumsensitiven Sektoren.

Strukturelle Bedeutung der Emerging Markets noch nicht eingepreist

Angesichts der Rückkehr von Donald Trump mit seiner „America-First“-Politik hatten zahlreiche Marktbeobachter 2025 ein schwieriges Jahr für die Schwellenländer vorhergesagt. Die tatsächliche Entwicklung sorgte jedoch für Überraschung. Mit einem Plus von 31 % in US-Dollar übertraf der MSCI Emerging Markets die Industrieländer um 11 %.[1] Anleger investieren nicht mehr nur reflexartig in Schwellenländer, wenn der US-Dollar abwertet.  Zunehmend sehen sie diese Märkte  als strukturelle Gewinner einer multipolaren Welt. Diese taktische Vorgehensweise könnte durchaus in eine langfristige strategische Allokation münden.

Supreme Court kassiert Trumps Zoll-Politik

Das lang erwartete heutige Urteil des Supreme Court zu Trumps Zöllen entzieht der bisherigen Praxis die Rechtsgrundlage. Die pauschale Anwendung des Notstandsrechts (IEEPA) für globale Importabgaben wurde überraschend klar mit 6:3 Stimmen gestoppt. Das Urteil sorgt für eine Zäsur in der US-Handelspolitik. Auch wenn US-Präsident Trump versuchen wird, über eine „Notstands-Zollpolitik 2.0“ (Sektion 232) gegenzusteuern, hat sich die Situation mit dieser Entscheidung grundlegend verändert.

Fed dürfte mit Zinssenkung warten

Die Sitzung der US-Notenbank war weniger ein „Nicht-Ereignis“ als eine gezielte Botschaft: Der Offenmarktausschuss ließ die Zielspanne für den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent und stimmte mit 10 zu 2 für das Abwarten. Zwei Notenbanker – Waller und Miran – wollten bereits jetzt eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte. Das kann man als ernst gemeinte geldpolitische Minderheitenposition lesen, weil Waller seit längerem für Zinssenkungen argumentiert. Man kann es aber ebenso als Signal in eigener Sache deuten: Wer sich als künftiger Vorsitzender ins Gespräch bringen will, profitiert davon, früh „Mut zur Lockerung“ zu zeigen. Entscheidend ist: Diese beiden Stimmen bilden nicht die Mehrheit ab.

„Unsere Währung – Euer Problem?“

Präsident Trump zeigt sich unbeeindruckt vom Wertverlust des US-Dollars in den letzten Tagen – prompt setzt sich die Rallye an den Edelmetallmärkten fort. Scheinbar reagieren die Märkte eher auf einen potenziellen Wertverlust des Dollars als auf den tatsächlichen Wertverlust, analysiert Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär:

Pax Groenlandica – Ein Deal in Davos?

Außer Spesen nichts gewesen? Nach viel verbaler Aufrüstung und neuen Zollandrohungen will Trump jetzt doch eine einvernehmliche Lösung in der Grönlandfrage finden. Wer jetzt entspannt aufatmet, übersieht, welche Spuren die letzten Tage in der Weltpolitik hinterlassen haben: Von der transatlantischen Partnerschaft bis hin zu russischen und chinesischen Großmachtambitionen sind die langfristigen Folgen noch kaum absehbar, analysiert Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

US-Strafzölle, Grönland und geopolitische Implikationen für Europa

 Zwei zentrale Aspekte 1. Politisch-strategische Dimension (Erpressungslogik) • Die Forderung nach dem Verkauf Grönlands stellt aus europäischer Sicht eine klare Erpressung dar. • Ein Nachgeben würde eine massive außenpolitische Schwäche Europas offenlegen. • Laut nahezu einhelliger Expertenmeinung ist ein Einknicken ausgeschlossen, da sonst eine gefährliche Präzedenzwirkung entstünde: Heute Grönland, morgen andere Gebiete oder sogar ganze Länder. Prognose: Europa wird Grönland nicht verkaufen und bewusst Härte zeigen, um strategische Glaubwürdigkeit zu wahren. 2. Europäische Geschlossenheit und...

Macht vor Regeln: Venezuela, die neue Weltordnung und vier Lehren daraus

Bereits an den ersten Tagen des Jahres hat sich eine zentrale These unseres Jahresausblicks für 2026 bestätigt: „Politik treibt Märkte“. Die regelbasierte Weltordnung löst sich auf, und es bildet sich eine neue Struktur heraus, in der einzelne Länder ihre Interessen ohne Rücksicht auf übergeordnete Werte durchzusetzen versuchen. Dass dies auch für die USA gilt, ist für nüchterne Beobachter keine Überraschung. Es handelt sich vielmehr seit dem Amtsantritt Donald Trumps um die konzeptionelle Grundlage, auf der die US-Regierung agiert. Die Folgen dieser Entwicklung gilt es genau zu analysieren. 

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