Energie als Assetklasse im KI-Zeitalter

Keine Technologie hat die Kapitalmärkte der letzten Jahre so grundlegend neu bewertet wie künstliche Intelligenz. Aber wer die eigentlichen Gewinner sucht, schaut nicht nur auf KI-Modelle – sondern auf die Infrastruktur, ohne die sie nicht funktionieren. Die Knappheit leistungsfähiger Chips hat Nvidia zur wertvollsten Firma der Welt gemacht. Der nächste Engpass zeichnet sich bereits ab: Strom.

Keine KI-Blase am Aktienmarkt zu erkennen

Eine KI-Blase am Aktienmarkt ist dem Berliner Asset Manager BIT Capital zufolge nicht zu erwarten – trotz stark gestiegener Investitionsausgaben von Unternehmen mit Bezug zu KI (Künstlicher Intelligenz).  „Die generativen KI-Umsätze sind gewachsen, die Adoption durch Unternehmen hat sich beschleunigt, und neue KI-Modelle haben ihre Leistung wie erwartet steigern können“, begründet das Team um Gründer und CIO Jan Beckers seine positive Einschätzung in einem aktuellen Research-Paper. Das Paradoxon sei offensichtlich: „Normalerweise zeichnen sich Blasen durch weit verbreiteten Optimismus und Euphorie aus, stattdessen ist die Stimmung um KI deutlich pessimistischer geworden.“

Staatsanleihen bieten erneut keine ausreichende Diversifikation

Die rollierende 30-Monats-Korrelation zwischen den monatlichen Gesamtrenditeindizes des S&P und der US-Staatsanleihen ist seit mehr als drei Jahren positiv – meist über +0,5. Von einer Aktien-Anleihen-Diversifikation kann also kaum die Rede sein. Die Korrelation tendiert ins Negative, wenn ein zyklisches und/oder risikoorientiertes Umfeld vorherrscht, dreht jedoch häufig ins Positive, wenn die Geldpolitik in den Vordergrund rückt.

Die drei wichtigsten Risikoszenarien für 2026

Das Jahr 2026 bietet aktuell ein konstruktives Makroumfeld, beurteilt Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. Es herrsche ein „Goldilocks“-Setup: Wachstum über dem Trend, Inflation auf dem Rückzug und Zentralbanken mehrheitlich in einer Pause oder mit moderaten Lockerungsschritten. Die Marktbreite nehme zu, das Thema Künstliche Intelligenz (KI) verbreite sich global, und fiskalische Impulse in Deutschland sowie den USA wirkten stützend. Dennoch warnt Held vor potenziellen Risiken, die die Lage zum Kippen bringen könnten:

Wie struktureller Wandel neue Aktien-Gewinner definiert

Die Kapitalmärkte stehen vor einem Jahr, in dem weniger kurzfristige Konjunkturschwankungen als vielmehr tiefgreifende Strukturtrends die Chancenverteilung bei Aktien bestimmen dürften. Zu diesem Schluss kommt Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group. Dabei komme es für Anleger darauf an, die langfristigen Treiber hinter den Schlagzeilen zu erkennen und Unternehmen zu identifizieren, die sich in diesem Umfeld anpassen und Marktanteile gewinnen könnten. „Wir sehen strukturellen Wandel nicht als Risiko, das man pauschal meiden sollte, sondern als Quelle für selektive Chancen – vorausgesetzt, man bleibt diszipliniert und unterscheidet genau zwischen Hype und echter Wettbewerbsstärke“, erläutert Braun. Vier Entwicklungen seien dabei besonders relevant:

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