Übergewichtung in Aktien, aber reduziertes Engagement

Trotz der jüngsten Kursrallye und der erneuten Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran bleiben wir bei unserer Übergewichtung in Aktien, wenn auch weniger aggressiv, und behalten dabei unseren Fokus auf zyklische Sektoren bei. Die Gewinnentwicklung (EPS) ist weiterhin positiv und wird durch robuste Fundamentaldaten der Unternehmen, widerstandsfähige Margen, eingedämmte Arbeitskosten und KI-getriebene Produktivitätssteigerungen gestützt.

Warum ist der Aktienmarkt nicht stärker gefallen?

In Norwegen haben sich die Markterwartungen hinsichtlich der künftigen Zinssätze gewandelt: Statt Zinssenkungen werden nun zwei Zinserhöhungen durch die Norges Bank bis zum Jahresende eingepreist. Wie sich die Lage entwickeln wird, hängt davon ab, wie lange es dauert, bis das Öl wieder ungehindert fließt. In der Zwischenzeit schwanken die Märkte zwischen Angst und Hoffnung, basierend auf Gerüchten und Desinformation seitens der Kriegsparteien. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben den Krieg im...

Waffenruhe lässt volatile Märkte vorübergehend aufatmen

Die vereinbarte Waffenruhe im Iran-Krieg hat die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten kurzfristig stabilisiert. Nach Wochen militärischer Eskalationen, die sich zum dominierenden Risikofaktor für die Kapitalmärkte entwickelt hatten, legten die Aktienindizes weltweit spürbar zu. Besonders deutlich zeigte sich die Entspannung am Energiemarkt: Der Ölpreis, der zwischenzeitlich auf nahezu 120 US-Dollar gestiegen war und akute Versorgungsängste widerspiegelte, fiel nach der Feuerpause wieder unter die Marke von 100 US-Dollar. Über die aktuellen Marktentwicklungen informieren die BfV Bank für Vermögen AG und die BCA AG im neuen Investment Radar.

Waffenstillstand sorgt für Entspannung

Kommt mit dem Waffenstillstand im Iran die langersehnte Entspannung? Obwohl die Straße von Hormus aktuell noch geschlossen ist, fiel der Ölpreis wieder auf unter 100 US-Dollar pro Barrel (WTI) und besonders Grundstoffaktien erholen sich stark – allen voran Gold. Mögliche Szenarien, wie es nach dem Waffenstillstand weitergeht und worauf Anleger sich einstellen sollten, erläutert Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei ZKB/Swisscanto:

“Knappheit wird wieder zum Strukturprinzip”

Geopolitische Spannungen treiben die Energiepreise – und erinnern daran, dass Knappheit zurückkehrt. Europa bleibt verwundbar, physische Ressourcen gewinnen an Wert, und Energie wird zum entscheidenden Faktor für Märkte und Portfolios. Was das für Investoren bedeutet, erklärt Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

“Der Irankrieg belastet die Märkte – das Investmentumfeld bleibt grundsätzlich intakt”

Der Irankrieg hält die Marktteilnehmer weiter in Atem und dominiert das Marktgeschehen. Besonders stark unter Druck stehen die Börsen in Regionen, die in hohem Maße von Energieimporten abhängig sind – und wo die gestiegenen Energiepreise daher eine erhebliche Belastung darstellen. Dazu zählen neben Europa und Japan auch asiatische Schwellenländer. Die USA sind im Gegensatz dazu weniger betroffen, da sie energiepolitisch weitgehend autark sind. Hinzu kommt, dass vor allem große US-Technologiewerte derzeit als sichere Häfen gehandelt werden und daher im Vergleich zu anderen Branchen geringere Kursverluste verzeichneten. Neben soliden Bilanzen und einer starken Marktstellung profitieren sie vor allem von Geschäftsmodellen, die deutlich weniger energiepreisabhängig sind als die klassischen konsumsensitiven Sektoren.

sentix-Konjunkturindex fällt

Der sentix-Konjunkturindex liefert eine erste Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung nach dem Ausbruch des Iran-Krieges. Nach drei Verbesserungen in Folge fällt der Gesamtindex für den Euroraum um 7,3 Punkte auf -3,1 und stellt damit den jüngsten Aufschwung infrage.

Nahost-Krise zeigt: Europas fehlende Energiesouveränität ist ein Risiko für die wirtschaftliche Stabilität

Die Energiekrise zu Beginn des Ukraine-Krieges hat die Verwundbarkeit Europas schonungslos offengelegt. Doch statt daraus Lehren zu ziehen, ist die strategische Dimension unserer Energieabhängigkeit erneut in den Hintergrund gerückt. Gestern war es das russische Gas, heute sind es LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten. Und auch die USA, als weiterer zentraler Lieferant, gelten längst nicht mehr als verlässlicher Partner. Während die Abhängigkeit lediglich den Anbieter gewechselt hat, ist das strukturelle Problem geblieben.

Märkte im Nahost-Stresstest

Die Eskalation im Nahen Osten hat die Märkte aus dem Tritt gebracht – und sie erinnert daran, wie schnell Geopolitik wieder zum Preistreiber wird. Entscheidend ist jetzt weniger die Schlagzeile als die Frage, ob aus Risiko auch ein realer Angebotsschock wird. Denn davon hängt ab, ob wir nur eine Volatilitätswelle sehen – oder den Beginn eines Inflationsrückschlags, analysiert Carsten Klude, Chefvolkswirt der Bank M.M. Warburg & CO, in seinem Marktkommentar.

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