„Aktiv oder passiv?“ So einfach ist es nicht!

Viele Anleger diskutieren die Frage „aktiv oder passiv?“, als gäbe es darauf eine universelle Antwort. Dass es die nicht gibt, zeigt die Analyse von Jan Tachtler, der untersucht hat, wie hoch der Anteil der Fonds ist, die ihren Vergleichsindex über drei Jahre hinweg schlagen konnten. Sein Ergebnis: Outperformer gibt es in jeder Anlageklasse. Und Muster, die Investoren kennen sollten.

„Entscheidend ist weniger die Frage nach dem richtigen Sektor als die, überhaupt investiert zu sein“

In Phasen fallender Kurse richtet sich der Blick vieler Investoren bereits auf die anschließende Erholung. Doch welche Strategie erweist sich dabei als überlegen: die Fokussierung auf vergleichsweise stabile Sektoren – oder der gezielte Einstieg bei den größten Verlierern? Eine Auswertung von Kapitalmarktstratege Pascal Kielkopf liefert hierzu eine differenzierte Antwort.

Aktive ETFs? So aktiv sind sie wirklich

Wer einen aktiven ETF kauft, erwartet aktives Management – also ein Produkt, das gezielt vom Index abweicht, um Mehrrendite zu erzielen. Jan Tachtler hat sich die Produkte genauer angeschaut. Sein Befund: Die meisten aktiven ETFs sind aktuell deutlich weniger aktiv, als ihr Name vermuten lässt. Zeitraum: 31.01.2025 – 31.01.2026 | Quelle: Morningstar Direct, HQ Trust Research. Um herauszufinden, wie aktiv aktive ETFs tatsächlich verwaltet werden, berechnete der Leiter der Fonds- und Managerselektion bei HQ Trust für rund 40 in Deutschland verfügbare Produkte zwei Kennzahlen: den aktuellen Active Share und den Tracking Error über das vergangene Jahr. Als Benchmark diente jeweils der im Verkaufsprospekt angegebene Vergleichsindex – also die Messlatte, an der sich der Produktanbieter selbst messen lässt. Dass für die Analyse keine große Anzahl an Produkten zur Verfügung stand, ist kein Zufall: Der Marktanteil aktiver ETFs liegt weltweit nach wie vor deutlich unter zehn Prozent. Viele der Produkte sind zudem so neu, dass kein einjähriger Track Record vorlag – eine Mindestvoraussetzung für die Berechnung dieser Analyse. Zum Hintergrund: Der Active Share gibt an, wie stark ein Portfolio vom Vergleichsindex abweicht. Ein Wert von null Prozent bedeutet: Der Fonds ist identisch mit dem Index. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet: Es gibt keine einzige gemeinsame Position. Der Tracking Error misst, wie stark die relative Wertentwicklung zu seiner Benchmark schwankt – und zwar über die Zeit. Ein niedriger Tracking Error bedeutet, dass die relative Rendite zu einem Index keinen starken Schwankungen unterliegt und der Fonds somit nah an der Wertentwicklung des Index liegt. Ein hoher Wert suggeriert starke Abweichungen durch den Manager. Die große Mehrheit der aktiven ETFs bleibt nah am Index „Die meisten der analysierten Produkte weisen einen Active Share unter 60 Prozent auf – und einen Tracking Error von unter zwei Prozent.“ „Das entspricht eher einem indexnahen als einem wirklich aktiven, konzentriertem Investmentansatz.“ Ausreißer gibt es – aber mit Erklärung „Nur einige wenige ETFs zeigen deutlich höhere Abweichungen.“ „Dabei handelt es sich häufig um eher thematische Produkte – etwa einen Klima-ETF, der als Benchmark den MSCI ACWI verwendet.“ „Hier sorgt schon die Themenfokussierung strukturell für einen höheren Active Share, unabhängig vom Aktivitätsgrad des Managers.“ Die Wahl der Benchmark spielt eine große Rolle „Vergleicht man einen aktiven ETF auf US-Aktien nicht mit dem S&P 500, sondern mit dem MSCI USA ergeben sich schon allein durch die unterschiedliche Titelanzahl der Indizes höhere Abweichungswerte. Der eine hat 500 Titel, der andere mehr als 600.“ „Gleiches gilt für MSCI World (rund 1650 Titel) und MSCI ACWI (rund 2900 Titel). Hier entstehen allein durch die Indexwahl Abweichungswerte, ohne dass der Manager zwingend aktiver agiert.“ Der Markt ist noch jung, das Bild kann sich ändern „Der Markt für aktive ETFs ist jung und wächst schnell. Was heute gilt, muss in zwei oder drei Jahren nicht mehr zutreffen.“ „Aktuell aber dominiert ein indexnahes Management.“

Der Markt für Private Debt Secondaries wächst weiter

Private Debt hat sich in den vergangenen Jahren als widerstandsfähige Anlageklasse bewiesen. Trotz geopolitischer Spannungen, Inflation und gestiegener Zinsen blieben die Ausfallraten niedrig bis moderat. Getrieben durch die robuste Marktentwicklung entwickelte sich in den letzten Jahren zudem ein Sekundärmarkt für Private Debt Investments, der Investoren Liquiditätsoptionen und erweiterte Portfoliosteuerungsmöglichkeiten eröffnet.

Home Bias? Kein Privatanleger-Problem!

Um dem Home Bias bei Profianlegern auf den Grund zu gehen, analysierte der Leiter Fonds- und Managerselektion bei HQ Trust 500 weltweit anlegende Aktienfonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Zunächst gruppierte Jan Tachtler diese Fonds und ETFs nach dem Firmensitz des Fondsinitiators. Anschließend berechnete er, wie stark die Fonds im Durchschnitt in einzelne Länder investieren – und verglich diese Werte mit der Gewichtung im MSCI ACWI, dem globalen Aktienindex.

Starke Börsen, schwache Währungen

Auf den ersten Blick wirkt das Börsenjahr 2025 solide. Der Weltaktienindex MSCI ACWI legte aus Sicht eines Euro-Anlegers um gut 8 % zu. Und dennoch fiel die Rendite für europäische Investoren magerer aus als erhofft. Wer verstehen will, wie aus zweistelligen Kursgewinnen am Ende eine einstellige Rendite wurde, muss genau hinschauen.

Time in the market beats timing the market

Viele Anleger glauben, durch geschicktes Timing den Markt schlagen zu können. Die einen kaufen nach Kursanstiegen, weil sie auf das Momentum setzen. Die anderen kaufen nach Verlusten, um von einer Gegenbewegung zu profitieren. Was dabei herauskäme, wenn diese beiden Investoren ihre Strategie auf Tagesbasis umsetzen, hat Pascal Kielkopf ausgerechnet.

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