Fed ist mitten im Paradigmenwechsel

„Die Frage ist längst nicht mehr, ob sich das geldpolitische System der USA verändert, sondern wie schnell und welche Folgen dies für die Kapitalmärkte hat“, kommentiert Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A. „Fakt ist: Die Märkte handeln diese Veränderung bereits, lange bevor sie offen ausgesprochen wird.“

Zinssenkungen als verlässlicher Kurstreiber!?

Wenn die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen senken, horchen Anleger auf. "Dass Zinssenkungen unterstützend und in der Tendenz positiv für Konjunktur und auch für Aktienmärkte sind, ist eine Binsenweisheit. Doch wie stark ist dieser Effekt wirklich? Diese Frage stellt sich aktuell umso mehr, da die Fed auf weitere Zinssenkungen in den nächsten Quartalen zusteuert, nachdem sie seit längerer Zeit im September bereits um 25 Basispunkte gesenkt hatte", sagt Marc Decker, Co-Aktienchef bei Quintet, der Muttergesellschaft von Merck Finck. 

Prognosen werden sich nicht dem Willen der Tauben beugen – vorerst

Im Juli hat die EZB ihren Zinssenkungskurs wie erwartet unterbrochen, da die Inflation nahe am Ziel lag, die Konjunkturstimmung robust war und die Arbeitsmarktbedingungen stabil waren. Wir interpretierten die Einschätzung der EZB hinsichtlich der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit als potenziell hawkisches Signal – insbesondere für den Fall, dass die externen Gegenwinde nachlassen sollten. Allerdings betonen wir die außergewöhnliche Unsicherheit hinsichtlich der globalen Handelsentwicklung, insbesondere der US-Zölle und der Reaktion Europas, die entweder zu erneuten Zinssenkungen führen oder den Fokus der EZB auf Inflationsrisiken verlagern könnten, aufgrund der fiskalischen Lockerung.

“Warum Bankaktien über weiteres Kurspotenzial verfügen”

Das Kapitalmarktumfeld ist weiterhin positiv – das Risiko anstehender nachhaltiger Kurskorrekturen scheint gering. Die jüngste Berichtssaison hat erneut gezeigt, dass die Unternehmen robuster sind als vielfach angenommen: Trotz Herausforderungen wie steigender Zollsätze haben sie insgesamt ein starkes Gewinnwachstum erzielt und stabile Ausblicke präsentiert. Von konjunktureller Seite sind ebenfalls keine großen Störfaktoren zu erwarten. Zwar befindet sich die Weltwirtschaft in einer spätzyklischen Phase – nur wenige Regionen wachsen dynamisch. Ein signifikanter Wachstumseinbruch oder gar eine globale Rezession sind derzeit aber nicht in Sicht. 

US-Geldpolitik: Verpasst die Fed den richtigen Zeitpunkt?

Die Wirtschaftsdaten waren in den vergangenen Monaten überraschend schlecht – und die Stimmung in Hinblick auf Zinssenkungen ist ebenfalls deutlich gekippt. Das Beschäftigungswachstum hat sich verlangsamt, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen und die Verbraucherstimmung sinkt. Gleichzeitig sinkt die Inflation – das zeigen wichtige Kennzahlen, wie etwa der Kern-Preisindex PCE. Die Märkte preisen daher eine stärkere Lockerung ein: Es wird jetzt davon ausgegangen, dass die Federal Reserve (Fed) die Zinsen insgesamt um 50 Basispunkte senken wird –...

Was, wenn die Fed die Zinsen in diesem Jahr nicht senkt?

Anfang des Jahres waren viele Anleger davon überzeugt, dass die US-Notenbank Fed, die Zinsen bis Ende 2024 viermal senken würde. Heute, angesichts der unerwartet hohen Inflation, erscheint dies jedoch unwahrscheinlich. „Gut möglich, dass es in diesem Jahr überhaupt keine Zinssenkungen geben wird – und dass die Märkte damit gut zurechtkommen“, sagt Darrell Spence, Ökonom bei Capital Group. Aus seiner Sicht sprechen drei gute Gründe dafür, den US-Leitzins für den Rest des Jahres auf dem jetzigen Niveau zu belassen.

EZB-Geldpolitik: „Eine Verzögerung bei Zinssenkungen wäre unklug“

Für Donnerstag erwarten wir keine Überraschungen: Es werden keine neuen Prognosen gemacht und seit der letzten Sitzung sind auch keine wesentlichen neuen Informationen bekannt geworden. Es gibt daher keinen Grund, warum die EZB von ihrem Plan abweichen sollte, im Juni die Zinsen zu senken. Damit wäre sie die erste große Zentralbank, die ihre Geldpolitik lockert. Während die Erwartungen an einen Zinsschritt der Federal Reserve (Fed) im Juni zurückgegangen sind, gehen die Euro-Geldmärkte derzeit mit einer 92-prozentigen Wahrscheinlichkeit von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte aus.

Fenster für BOJ-Kurswechsel öffnet sich

Die BOJ bereitet die Märkte auf eine Rücknahme ihrer Politik der Renditekurvensteuerung (Yield Curve Control, YCC) und einen möglichen Ausstieg aus der Negativzinspolitik (Negative Interest Rate Policy, NIRP) vor. In den letzten Wochen häuften sich Äußerungen von BOJ-Mitgliedern, darunter Gouverneur Ueda und der stellvertretende Gouverneur Himino, die auf geldpolitische Änderungen anspielten oder deren mögliche Auswirkungen in Betracht zogen. Dennoch deuteten jüngste Nachrichtenberichte, die sich auf „informierte Kreise“ bezogen, darauf hin, dass in diesem Monat noch kein Kurswechsel stattfinden wird. Unserer Einschätzung nach liegt ein echter Straffungszyklus noch in weiter Ferne, und jede Politik-Anpassung würde vermutlich zunächst mit einem „dovishen“ Ton begleitet.

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