Stürmen die Tauben das Tor? Die Märkte wollen Zusagen – doch Powell bleibt wohl zurückhaltend

Der Fall scheint eindeutig zu sein. Die aktuellen Daten zum US-Arbeitsmarkt deuten auf eine anhaltende Schwäche hin, während die Inflation keine signifikante Weitergabe der Zölle an die Konsumenten zeigt. Die Unternehmen scheinen einen Teil des Preisdrucks aufzufangen. Das könnte sie dazu veranlassen, ihre Kosten (Personal) zukünftig genauer im Blick zu behalten.

“Higher for longer”?

Auf der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) im Jahr 2023 erwecken die Notenbanker den Eindruck, dass die Flughöhe jetzt erreicht ist und deuten an, dass der nächste Schritt eine Zinssenkung sein könnte. Die individuellen Projektionen, die nun mit unserer Einschätzung übereinstimmen, deuten auf drei Zinssenkungen im nächsten Jahr, damit eine mehr als bei der Sitzung im September. Betrachtet man die aktualisierten Konjunkturprognosen, so scheinen die Notenbanker zuversichtlicher geworden zu sein, dass ihre bisherigen Leitzinserhöhungen letztlich die Inflation senken werden; ihre Prognosen für das nächste und übernächste Jahr wurden nach unten revidiert.

US-Arbeitsmarkt: schwächer als erwartet

Die Arbeitsmarktdaten für Oktober fielen durchweg schwächer aus als erwartet. Die Gesamtzahl der Neueinstellungen verringerte sich im Oktober auf 150.000, während die Rekordzuwächse vom September von 336.000 auf 297.000 nach unten korrigiert wurden. Im privaten Sektor ging die Zahl der Neueinstellungen sogar von 246.000 auf 99.000 zurück. Trotz eines etwas geringeren Arbeitskräfteangebots (die Erwerbsquote ging von 62,8 auf 62,7 % zurück) stieg die Arbeitslosenquote von 3,8 auf 3,9 % - ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Nachfrage nach Arbeitskräften im Oktober abschwächte.

US-Notenbank: Vorsichtig falkenhaft bleiben

Wie allgemein erwartet, gab sich die US-Notenbank auf ihrer Sitzung im September erneut falkenhaft. Die aktualisierte Wirtschaftsprognosen suggerieren, dass die US-Zentralbanker noch immer an eine weiche Landung glauben. In den nächsten Jahren erwarten sie ein robusteres Wachstum sowie einen geringeren Anstieg der Arbeitslosenquote. Gleichzeitig nähert sich die Inflation allmählich ihrem Ziel von 2 Prozent - irgendwann im Jahr 2026 - an. Der Zinsausblick beinhaltet noch immer einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr sowie weniger Zinssenkungen in 2024. Alles in allem ein relativ optimistisches Bild der Wirtschaft, welches, wenn man die Prognosen für bare Münze nimmt, die Frage aufwirft, warum die Zentralbank auf dieser Sitzung nicht an den Zinsen gedreht hat.

US-Notenbanksitzung im Mai: eine restriktive Pause?

Wie erwartet hat die US-Notenbank auf ihrer Sitzung im Mai eine weitere und vielleicht letzte Zinserhöhung in diesem Zyklus vorgenommen und das Zielband für den US-Leitzins auf 5,0 - 5,25 Prozent angehoben. In der Presseerklärung wird nicht mehr auf künftige Zinserhöhungen verwiesen. Weiterhin werden jedoch die erhöhten Unsicherheiten hinsichtlich Wirtschaftsdaten, der verzögerten Wirkung der Geldpolitik sowie der Effekte der restriktiveren Kreditbedingungen genannt.

Bald am Ziel?

Wie allgemein erwartet, erhöhte die US-Notenbank die Leitzinsen um „nur“ 25 Basispunkte, also weniger aggressiv als die 50 Basispunkte zuletzt. Weitere Anzeichen einer abkühlenden Inflation waren jedoch höchstwahrscheinlich nicht der Hauptgrund für diesen Schritt. Die Arbeitsmärkte sind nach wie vor sehr angespannt, und in bestimmten Wirtschaftssektoren übersteigt die Nachfrage noch immer das Angebot. Wir denken, dass wahrscheinlich die oft zitierte Verzögerung von drei bis vier Quartalen, mit der sich die Geldpolitik auf die Wirtschaft tendenziell auswirkt, der Hauptgrund war, auf der ersten Sitzung im Jahr 2023 weniger zu tun. Dies gewinnt insofern an Bedeutung, da der Start des aktuellen Zinserhöhungszyklus vor circa neun Monaten begonnen hat.

Starker Arbeitsmarkt hält die US-Notenbank auf Trab

Von den Arbeitsmärkten in den USA gehen im Juni keine Signale aus, die auf eine großflächige Rezession hinweisen könnten. Mit 372.000 neu geschaffenen Stellen erwies sich der US-Arbeitsmarkt erneut als bemerkenswert solide. Die Einstellungen erfolgten auf breiter Basis, was auf eine anhaltend robuste Nachfrage nach Arbeitskräften hindeutet. Das Lohnwachstum lag aufgrund der soliden Nachfrage mit 5,1 Prozent im Jahresvergleich leicht über den Erwartungen.

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