MärkteHighlightStandpunkte zur EZB-Sitzung

Die EZB-Sitzung brachte wohl für viele Marktteilnehmer keine großen Neuigkeiten. Andreas Billmeier von Western AM und Marcel van Zuilen, Senior Portfolio Manager, Fixed Income bei Aegon Asset Management, kommentieren die Lage.
11. Juni 2021
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Die EZB-Sitzung brachte wohl für viele Marktteilnehmer keine großen Neuigkeiten. Andreas Billmeier von Western AM und Marcel van Zuilen, Senior Portfolio Manager, Fixed Income bei Aegon Asset Management, kommentieren die Lage.

Lagardes ruhige Hand

Kommentar von Andreas Billmeier, Europäischer Volkswirt bei Western Asset Management, Teil von Franklin Templeton:

“Die EZB hat heute keine wesentlichen Änderungen ihrer Politik angekündigt. Sie hat insbesondere die Ankaufsgeschwindigkeit im Rahmen des PEPP wie bereits im März weiterhin als “deutlich höher” als in Q1 eingestuft. Auf der anderen Seite verweist die EZB auch auf flexible Käufe je nach Marktbedingungen — wir interpretieren dies als Hinweis auf die Sommerperiode, in der weniger Anleihen emittiert werden und die EZB daher weniger kaufen müsste, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Insgesamt sehen wir keine klaren Vorgaben aus der heutigen Sitzung, da wir eine kleine Atempause über den Sommer und eine formellere Reduzierung auf das Niveau der Käufe des ersten Quartals in der Septembersitzung erwarten. Zu diesem Zeitpunkt erwarten wir auch, dass die EZB ihre Prognosen für 2023 nach oben korrigiert und Konsequenzen für die Strategieüberprüfung zieht. Für den Moment rechnen wir damit, dass die EZB mit einem allmählichen Anstieg der Staatsanleiherenditen zufrieden sein wird — eine ruhige Hand in Lagardes Worten.”

 

Die EZB macht sich keine Sorgen um die Inflation

Kommentar von Marcel van Zuilen, Senior Portfolio Manager, Fixed Income, Aegon Asset Management

“Die EZB hat heute beschlossen, ihre Zinssätze unverändert zu lassen. Der Hauptrefinanzierungssatz (der Reposatz) wurde bei 0 % belassen, die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 0,25 % und — der wichtigste — die Einlagefazilität, bleibt bei ‑0,5 %. Er ist am wichtigsten, weil er aufgrund der massiven Liquidität im Euro-System derzeit als marginaler offizieller Zinssatz fungiert.

Noch wichtiger war die Entscheidung der EZB, nichts am Pandemic Emergency Purchasing Programme (PEPP) zu ändern. Mit diesem Programm kauft die EZB Staatsanleihen auf, damit die Mitgliedsstaaten der Eurozone ihre eigenen Konjunkturprogramme besser finanzieren können. Das Programm läuft bis mindestens März 2022, kann aber vorher auslaufen, wenn die Finanzierungsbedingungen “günstiger” werden. Die EZB kann dieses Programm also fortsetzen, bevor die EU-Rettungsprogramme vollständig abgeschlossen sind, was voraussichtlich Ende dieses Jahres/im ersten Quartal nächsten Jahres der Fall sein wird, was also gut zusammenpasst.

Die EZB scheint sich keine Sorgen über eine zu hohe Inflation zu machen. Obwohl die Inflation in der Eurozone im Mai das von der EZB angestrebte Niveau von 2 % erreicht hat, hat sie wiederholt erklärt, dass sie nichts dagegen hätte, für einen kürzeren Zeitraum über das Ziel hinauszuschießen, um die vergangenen Jahre auszugleichen, in denen die Inflation weit unter diesem Niveau lag. Sie sehen die derzeitige höhere Inflation als “vorübergehend” an, so dass sie wieder unter die 2 %-Marke fallen wird. Ihre Projektionen für die jährliche Inflation liegen bei 1,9 % im Jahr 2021, 1,5 % im Jahr 2022 und 1,4 % im Jahr 2023. Die Wachstumsrisiken in der Eurozone werden als weitgehend ausgeglichen angesehen (zum ersten Mal seit Dezember 2018 sagen sie dies) und das BIP-Wachstum wird auf 4,6 % im Jahr 2021, 4,7 % im Jahr 2022 und 2,1 % im Jahr 2023 projiziert.

Ein weiteres Ziel der EZB ist es, den Markt nicht zu überraschen und damit Volatilität zu erzeugen. Obwohl die Markterwartungen im Großen und Ganzen mit den beiden Hauptentscheidungen übereinstimmten, war die Marktreaktion ein wenig verhalten. Anfänglich stieg die 10-jährige deutsche Rendite um 2 Basispunkte, aber eine Stunde nach der Sitzung war sie wieder auf dem gleichen Niveau wie heute Morgen. Berücksichtigt man die Inflationszahlen von 5 % in den USA (wo 4,7 % erwartet wurden) und die sinkenden Renditen, kommen wir zu dem Schluss, dass der Markt die Inflation ebenfalls als “vorübergehend” ansieht.

Die Spreads der Peripherieländer verengten sich nach der Sitzung. Der Spread zwischen italienischen und deutschen 10-jährigen Anleihen ging um 3 Basispunkte zurück. Die Fortsetzung des PEPP-Programms wird eindeutig als unterstützend für die europäischen Anleihemärkte gesehen.”

Foto: © Martin Muniz — stock.adobe.com

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