Die US-Arbeitsmarktdaten sind schlecht, und über die Inflation in den nächsten Monaten kann man bestenfalls Vermutungen anstellen. Keine angenehme Situation für die Fed, selbst ohne den konstanten politischen Druck aus dem Weißen Haus. Während die Fed in rauer See navigieren muss, sucht die Schweiz einen völlig neuen Kurs. 39% sind der höchste Zoll, den ein Industrieland bislang schultern muss – und die wichtige Pharmabranche könnte es sogar noch deutlich härter treffen, beobachtet Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Seit der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts am vergangenen Freitag werden die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen durch die Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik durch die Fed gestützt. Hätten die Fed-Vertreter die schwachen Arbeitsmarktdaten der letzten drei Monate gesehen, hätte dies wohl eine Zinssenkung beim FOMC-Treffen im Juli gerechtfertigt.
Der Dreimonatsdurchschnitt des Beschäftigungswachstums liegt derzeit bei nur 35.000 Arbeitsplätzen. Im Vergleich dazu waren es im September letzten Jahres 82.000 – damals nahm der FOMC die abrupte Abkühlung des Arbeitsmarktes zum Anlass für eine Zinssenkung um 50 Basispunkte. Allerdings ist zu beachten, dass die Arbeitslosenquote damals im Anstieg war – heute ist sie mit 4,2 % stabil.
Vor diesem Hintergrund preisen die Märkte eine Senkung um 25 Basispunkte bei der nächsten Fed-Sitzung ein, obwohl sie offenbar viel empfindlicher auf Anzeichen einer breiteren Konjunkturabkühlung reagieren werden, sollten sich diese in den Daten der kommenden Wochen abzeichnen.
Es bleibt ungewiss, ob die Hauptlast der Zölle letztlich auf die US-Verbraucher oder auf die exportierenden Unternehmen fallen wird, die den Großteil der Belastung über Margen und Gewinne auffangen werden. Diese Unsicherheit ist der Hauptgrund für Powells Wunsch, bei der Anpassung der Zinssätze abzuwarten.
Die schwächeren Arbeitsmarktdaten allerdings lassen das Lager seiner Kritiker wachsen. In einer Zeit, in der die Fed unter erheblichem politischen Druck steht, ist es verständlich, dass sie ihre Reihen schließen und sich auf eine einheitliche Position für die FOMC-Sitzung im September einigen will. Die bevorstehenden Meetings in Jackson Hole Ende diesen Monat könnten Powell daher eine Gelegenheit bieten, eine geldpolitische Lockerung anzudeuten, sofern der Verbraucherpreisindex nächste Woche kein unschönes Anziehen der Inflation zeigt.
Während in Europa die Ferienzeit in vollem Gange ist, steht die Schweiz im Mittelpunkt unerwünschter Aufmerksamkeit, da das Land mit 39 % die höchsten US-Zölle aller Industrieländer zu schultern hat. In der vergangenen Woche reiste die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter nach Washington, um diese Entscheidung neu zu verhandeln, konnte jedoch keine Fortschritte erzielen. Diese Nachricht belastete Schweizer Vermögenswerte, und auch der Franken gab nach.
Die Haltung gegenüber der Schweiz könnte jedoch einen wichtigen Hinweis darauf geben, was hinsichtlich der bevorstehenden Zölle für den Pharmasektor zu erwarten ist. In diesem Zusammenhang hat Trump die Idee einer anfänglichen Zollrate von 25–50 % auf Pharmaimporte ins Spiel gebracht, die in den nächsten 18 Monaten auf 150 % oder mehr steigen könnte.
Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen eine Ankündigung von Zöllen gemäß Section 232 (Stahl und Aluminium) erfolgen wird, was in einem ansonsten ruhigen Monat zu einer gewissen Marktvolatilität führen könnte.
Ausblick
In der kommenden Woche steht der US-Verbraucherpreisindex im Fokus des Interesses der Makro-Investoren. Schätzungen gehen von einem Anstieg der Preise um 0,3 % im Juli aus, was auf das ganze Jahr berechnet 3,0 % bedeuten würde.
Wir halten die Risiken für die Datenprognose für eher hoch. Sollte sich diese jedoch bestätigen, dürfte dies die Stimmen verstärken, die meinen, dass die Fed Spielraum für Zinssenkungen hat und sich zu viele Sorgen über vorübergehende Inflationseffekte macht, die sich aus einmaligen Preisänderungen im Zusammenhang mit der Einführung von Zöllen ergeben könnten.
Es besteht weiterhin die Sorge, dass sich die Fed auf schlechte Wirtschaftsmodelle und Daten von minderer Qualität stützt. Vor diesem Hintergrund spiegelt die Entlassung der Chefin des Bureaus of Labor Statistics, Erika McEntarfer„ teilweise die Frustration innerhalb des Weißen Hauses wider.
So haben anscheinend nicht nur die Schweizer in diesem Sommer Grund zum Ärger, sondern auch Jerome Powell.




