Schweizer Aktien – starke Währung, starke Unternehmen

Viele Anleger achten bei der Portfoliokonstruktion auf Branchen, Bewertungen und Regionen. Dr. Holger Schmitz, Vorstand der SCHMITZ & PARTNER AG – Privates Depotmanagement, hält jedoch einen weiteren Faktor für entscheidend: die Währung. Er erklärt, warum Euro und US-Dollar aus seiner Sicht keine verlässlichen Wertaufbewahrungsmittel sind, weshalb der Schweizer Franken als Hartwährung eine zentrale Rolle spielt – und warum Schweizer Aktien globale Geschäftsmodelle mit Währungsstabilität verbinden.
18. Juni 2026
Foto: © Michael Simon - stock.adobe.com

Viele Anleger achten bei der Portfoliokonstruktion auf Branchen, Bewertungen und Regionen. Dr. Holger Schmitz, Vorstand der SCHMITZ & PARTNER AG – Privates Depotmanagement, hält jedoch einen weiteren Faktor für entscheidend: die Währung. Er erklärt, warum Euro und US-Dollar aus seiner Sicht keine verlässlichen Wertaufbewahrungsmittel sind, weshalb der Schweizer Franken als Hartwährung eine zentrale Rolle spielt – und warum Schweizer Aktien globale Geschäftsmodelle mit Währungsstabilität verbinden. 

Welche Branchen verfügen aktuell über die besten Aussichten? Wie sind die Unternehmen bewertet – und welche Regionen bieten noch attraktive Einstiegschancen? Diese Fragen stehen bei vielen Investoren im Zentrum ihrer Portfoliokonstruktion. Und natürlich sind das alles relevante Faktoren – der aus meiner Sicht wichtigste Aspekt gerät aber oft in den Hintergrund: Wer langfristig Vermögen erhalten will, sollte sich auch über die Währungskomponente Gedanken machen.

Hier liegt der blinde Fleck vieler Portfolios: Euro und US-Dollar gelten für viele Anleger noch immer als verlässliche Wertaufbewahrungsmittel. Aus meiner Sicht ist das aber eine gefährliche Illusion: Beide Währungen werden durch explodierende Staatsverschuldung, politische Begehrlichkeiten und geldpolitische Nachgiebigkeit systematisch geschwächt. Inflation ist für die Entscheidungsträger ein bequemes Entschuldungsprogramm.

Das Gegenmodell dazu ist die Schweiz mit dem Schweizer Franken, einer der wenigen verbliebenen Hartwährungen. Von Beginn an ist die Währung daher ein zentrales Fundament unserer Anlagestrategie. Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, wie sich das ausgezahlt hat: Eine 1.000-Franken-Banknote kostete vor 18 Jahren rund 600 Euro. Heute ist dieselbe Banknote mehr als 1.050 Euro wert. Für Euro-Anleger entspricht das einem Währungsgewinn von rund 75 Prozent – ohne Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne.

Wer seine Kaufkraft schützen will, kommt am Schweizer Franken daher nicht vorbei. Das liegt an nüchternen Fakten: geringe Staatsverschuldung, eine damit verbundene niedrige Inflation und eine eigenständige Geldpolitik sorgen für einen widerstandsfähigen Franken.

Starke Kombination für Investoren

Der Schweizer Franken ist eine hervorragende Basis für das Portfolio, die eigentliche Stärke entsteht schließlich aus der Kombination von harter Währung und starken Unternehmen. Die starke Währung ist für Schweizer Unternehmen ein permanenter Qualitätstest. Eine schwache Währung kann Wettbewerbsprobleme überdecken, weil sie Exporte künstlich verbilligt. Der Schweizer Franken erlaubt diese Bequemlichkeit nicht. Wer aus einem Hartwährungsland heraus international erfolgreich sein will, muss effizient arbeiten, innovativ bleiben und echte Wettbewerbsvorteile besitzen. Auch deshalb finden sich in der Schweiz viele Unternehmen mit soliden Bilanzen, hoher Spezialisierung und langfristig belastbaren Geschäftsmodellen.

Der Aktienmarkt der Eidgenossen wird dennoch häufig unterschätzt. Dabei ist seine Marktkapitalisierung im Vergleich zu Deutschland höher und bietet weit mehr als Nestlé, Novartis und Roche. Schwergewichte sind absolute Qualitätsunternehmen: globale Geschäftsmodelle, hohe Preissetzungsmacht, starke Bilanzen und eine verlässliche Dividendenhistorie. Dahinter gibt es aber eine große Zahl weiterer Unternehmen, die zwar kaum bekannt, in ihren Nischen aber weltweit führend sind. Insgesamt finden Anleger in der Schweiz globale Geschäftsmodelle – aber in einem Währungsraum, der deutlich stabiler ist als die Eurozone oder die USA. Genau diese Kombination macht den Markt so interessant: internationale Ertragskraft auf Basis einer harten Heimatwährung.

Substanz statt Storys

Entscheidend ist nicht, ob ein Unternehmen eine gute Story erzählt. Ich suche keine Hoffnungswerte und keine Aktien, bei denen die Investmentthese vor allem darin besteht, dass der Kurs schon stark gefallen ist. Es geht in erster Linie um Substanz. Und davon gibt es in der Schweiz jede Menge. Viele der dortigen Unternehmen sind stark internationalisiert und verfügen über strukturelle Wettbewerbsvorteile. Nestlé verkauft weltweit Lebensmittel und Getränke, Novartis und Roche stehen für globale Pharmakompetenz. Und in der zweiten Reihe finden sich Unternehmen wie VAT, ein Spezialist für Hochvakuumventile in der Halbleiterproduktion, oder Belimo, ein Anbieter von Lösungen für energieeffiziente Heizungs‑, Lüftungs- und Klimatechnik. Das sind keine Aktien für ein kurzfristiges Kursfeuerwerk, aber für eine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie.

Viele Anleger überschätzen Timing und unterschätzen Geduld. Wer verkauft, braucht nicht nur einen Grund für den Ausstieg, sondern auch einen Plan für den Wiedereinstieg. Dieser fehlt meist. Deshalb ist hektisches Rein und Raus keine Strategie, sondern ein Zeichen von Nervosität.

Qualität vor der Haustür

Kapitalerhalt beginnt bei der Währung, Stabilität entsteht durch Qualität. Am Ende geht es um eine einfache Frage: Will ich mein Vermögen in Währungen halten, deren Kaufkraft politisch verwässert wird? Oder investiere ich in einem Umfeld, in dem Währungsstabilität, solide Unternehmensbilanzen und langfristiges Denken zusammenkommen? Für mich ist die Antwort klar: Der Schweizer Aktienmarkt ist kein exotischer Nebenplatz, sondern ein Stabilitätsanker direkt vor der Haustür. Wer langfristig Kaufkraft erhalten und sich zugleich an produktivem Unternehmenskapital beteiligen will, sollte in Franken denken.

Dr. Holger Schmitz — Foto: Copyright Schmitz & Partner

 

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