Die stark erhöhte Unsicherheit mit Blick auf die US-Zollpolitik führt mittlerweile auch in den USA zu einer Abkühlung der bisher wachstumsstützenden Konsumentenstimmung, sagt Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management. Gleichzeitig bleibe auch das seit längerer Zeit schwache verarbeitende Gewerbe in den USA unter Druck. „Trotzdem ist derzeit weder in den USA noch in Europa und China eine Rezession in Sicht“, betont Thoma. Die reichliche globale Liquidität sorge vorerst noch für starke Unterstützung.
„Derzeit profitieren die Märkte weltweit von einer sehr guten Liquiditätsversorgung. Eine zunehmende Geldschöpfung in den USA und eine Geldmengenausweitung der chinesischen Zentralbank wirken sich weltweit positiv aus. Auch der 12-Tage-Krieg zwischen Israel und dem Iran hat die Märkte daher kaum beeinflusst.
Allerdings könnte die ‚Debt Maturity Wall‘ in den USA schon bald für einen Umschwung sorgen. Das US-Treasury muss in den kommenden zwölf Monaten rund 10.000 Milliarden US-Dollar refinanzieren. Hinzu kommen eine weiter ausufernde Staatsverschuldung in den USA, hohe Inflationserwartungen und die Sorge bezüglich weiterer Handelskonflikte.
Noch stützt die Liquiditätsversorgung aber die Märkte. Historisch waren rein liquiditätsgetriebene Börsenaufschwünge – wie der aktuelle – jedoch nie nachhaltig genug, um die Konjunktur längerfristig zu beflügeln. Bereits jetzt nimmt das Momentum der Liquiditätsversorgung ab, der US-Dollar schwächelt und hat sich von langfristigen US-Anleihen entkoppelt, was auf einen Kapitalabfluss aus den USA hindeutet. In der Folge könnten die US-Zinsen bei anziehender Inflation steigen und zu globalen Verwerfungen führen.
Noch sind die Störfaktoren keine Gefahr für die Märkte. Die US-Regierung emittiert vermehrt ‚geldähnliche‘ kurzlaufende Anleihen, sogenannte T‑Bills, und kompensiert so das ‚Quantitative Tightening‘ der US-Notenbank Federal Reserve. Sehr wichtig ist es, den US-Dollar im Blick zu behalten. Dessen Wechselkurs zum Yen ist ein bedeutender Frühindikator. Sollte es aber zu größeren Verwerfungen kommen, gehen wir von einem schnellen und beherzten Eingreifen der Notenbanken aus.“




