MärkteRealwirtschaft versus Kapitalmarkt

Unbehagen verspürt die Chefstrategin des US-amerikanischen Investmenthauses Principal Global Investors, Seema Shah, angesichts des Auseinanderklaffens der Daten aus der Realwirtschaft und der Performance der Aktienmärkte. Sogar die miserablen US-Arbeitsmarktzahlen im April habe der Markt offensichtlich positiv aufgenommen, indem er den Verlust von mehr als 70 % der Arbeitsplätze als vorübergehend bewertete.  „Aber wie viele Unternehmen werden wirklich in einer ausreichend starken Position sein, um ihre Mitarbeiter wieder einzustellen und so eine reibungslose wirtschaftliche Erholung zu ermöglichen?“, fragt die Strategin und verweist auf Sektoren wie Luftfahrt und Retail und auf die negativen Zweitrundeneffekte von Unternehmenspleiten.
15. Mai 2020
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Unbehagen verspürt die Chefstrategin des US-amerikanischen Investmenthauses Principal Global Investors, Seema Shah, angesichts des Auseinanderklaffens der Daten aus der Realwirtschaft und der Performance der Aktienmärkte. Sogar die miserablen US-Arbeitsmarktzahlen im April habe der Markt offensichtlich positiv aufgenommen, indem er den Verlust von mehr als 70 % der Arbeitsplätze als vorübergehend bewertete.  „Aber wie viele Unternehmen werden wirklich in einer ausreichend starken Position sein, um ihre Mitarbeiter wieder einzustellen und so eine reibungslose wirtschaftliche Erholung zu ermöglichen?“, fragt die Strategin und verweist auf Sektoren wie Luftfahrt und Retail und auf die negativen Zweitrundeneffekte von Unternehmenspleiten.

Seema Shah: „Genau darin liegt das Problem. Die Märkte mögen Recht haben, wenn sie durch die Zahlen für das zweite Quartal hindurch sehen und sich auf eine Erholung im dritten Quartal freuen. Aber es ist eben auch nicht auszuschließen, dass es eine Prognose für das 4. Quartal geben wird, in der eine zweite Welle von Arbeitsplatzverlusten und eine längere Periode von Unternehmenspleiten die Stimmung der Anleger auf die Probe stellt.

Zwar liegt das Schlimmste der Pandemie wahrscheinlich tatsächlich hinter uns, und es ist unwahrscheinlich, dass die von der Zentralbank unterstützten Aktienmärkte ihre Tiefststände erneut testen werden. Doch auch wenn die wiedererwachende Dynamik kurzfristig Risikoassets durchaus noch etwas höher tragen könnte, sprechen die zaghafte Konjunkturerholung und die tiefe Unsicherheit über den Virus selbst gegen eine Wiederaufnahme von mehr Risiken im Portfolio. Sicher: Defensive Investments sind bereits teuer, aber angesichts der genannten Risiken werden Outperformer wahrscheinlich weiterhin im defensiven Segment zu finden sein.

Umgekehrt sind aber bei weitem nicht alle zyklischen Unternehmen zum Scheitern verurteilt. Viele werden von den sich abzeichnenden Trends profitieren können. Wir haben zum Beispiel bereits gesehen, dass der Einzel- und Lebensmittelhandel seine hohen Kosten für die Läden in teuren Lagen  durchaus senken kann, wenn er stärker die digitale Kanäle nutzt und so den vielen Herausforderungen des „Social Distancing“ ausweicht.

Eine Rotation von defensiven hin zu zyklischen Werten, von Large Cap zu Small Cap und von Growth zu Value könnte durchaus stattfinden, wenn die Dinge für den Rest des Jahres 2020 und danach gut laufen sollten. Vorerst sollten Anleger jedoch nur selektiv zyklische Werte in ihr Portfolio aufnehmen und sich auf Unternehmen mit starken Bilanzen, positivem Cashflow, weniger Verschuldung konzentrieren – und auf solche, die die Vision haben, von neuen säkularen Wachstumstrends zu profitieren.“ (ah)

Foto: © Butch — stock.adobe.com

 

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