RBC BlueBay AM: „Die Gewissheit weicht der Unsicherheit“

Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten zeigt sich nach wie vor robust. Die US-Zinsen könnten daher über einen längeren Zeitraum auf einem erhöhten Niveau bleiben, sagt Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management. Die Unsicherheiten nehmen wieder zu.
20. Februar 2023
Mark Dowding - Foto: © BlueBay AM

Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten zeigt sich nach wie vor robust. Die US-Zinsen könnten daher über einen längeren Zeitraum auf einem erhöhten Niveau bleiben, sagt Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management. Die Unsicherheiten nehmen wieder zu.

„Die Staatsanleiherenditen stiegen in der vergangenen Woche weiter an, da solide Wirtschaftsdaten zu einer fortgesetzten Neubewertung der US-Zinserwartungen führten. Die US-Kerninflation ging im Januar leicht auf 5,6 Prozent zurück. Der zugrunde liegende Preistrend liegt jedoch nach wie vor deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Zwar ist in den kommenden Monaten mit einer weiteren Abschwächung zu rechnen. Es scheint aber, dass die Zinssätze zur Wiederherstellung der Preisstabilität längerfristig höher bleiben müssen.

Die auf einen robusten Arbeitsmarktbericht folgenden starken Einzelhandelsumsätze deuten derweil darauf hin, dass die Wirtschaft trotz der geldpolitischen Straffung der Geldpolitik in den vergangenen elf Monaten an Schwung gewinnt und nicht verliert. Diese ungewöhnliche Entwicklung könnte teilweise auf eine Kombination aus mildem Wetter, der Wiedereröffnung Chinas, einem starken Arbeitsmarkt und der jüngsten Lockerung der finanziellen Bedingungen zurückzuführen sein. Die Zinssätze sind jedoch im vergangenen Jahr um 450 Basispunkte gestiegen. Und da Geldpolitik erst mit Verzögerung wirkt, könnte sich die Konjunktur in den kommenden Monaten abschwächen.

Die Realzinsen befinden sich nach wie vor im negativen Bereich: Der Leitzins liegt immer noch 1 Prozent unter der aktuellen Kerninflation. Relevant ist auch, dass die US-Hypothekenschuldner dank der Konditionen auf dem Hypothekenmarkt weitgehend von höheren Zinsen in den USA abgekoppelt sind.

Vor diesem Hintergrund argumentieren einige Beobachter, dass der Höchststand der US-Zinsen möglicherweise höher sein muss als bisher angenommen. Da die Hoffnungen auf eine ‚sanfte Landung‘ der Wirtschaft im Januar den Aussichten auf eine ‚Nicht-Landung‘ gewichen sind, ist ein Leitzins von 6 Prozent ein plausibles Szenario – wenn auch nicht unsere zentrale Erwartung.

Darüber hinaus gehen die Marktteilnehmer nun nicht mehr von Zinssenkungen im Jahr 2023 aus, sondern rechnen erst 2024 damit, da sie die Situation entsprechend der Fed-Sichtweise neu bewerten. Allerdings sind aktuell Zinssenkungen von bis zu 150 Basispunkten ab dem Höchststand der Zinssätze bis Ende 2024 eingepreist. An den Märkten ist der Glaube tief verwurzelt, dass die Inflation irgendwann wieder auf 2 Prozent sinken wird und die Zinssätze daher auf das Niveau des vergangenen Jahrzehnts zurückkehren.

Wir sind jedoch der Meinung, dass das weiterhin zur Debatte steht. Die Inflation könnte für einen längeren Zeitraum auf einem höheren Niveau verharren, da sich die strukturellen Faktoren, die in den letzten 20 Jahren die Disinflation angetrieben haben, im Zuge der Pandemie umkehren. In diesem Fall würden wir uns fragen, ob die Bewertungen von Risikoaktiva angesichts eines wesentlich höheren langfristigen Abzinsungssatzes für künftige Cashflows aufrechterhalten werden können. Dies wird die Zeit zeigen.

Klar scheint jedoch: Ein Teil der ‚Gewissheit‘, dass die Inflationssorgen vorbei seien und die Geldpolitik keinen Grund zur Sorge mehr darstellt, wird angesichts der neuen Wirtschaftsdaten durch zunehmende Unsicherheit ersetzt.“

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