Was wird 2026 insbesondere für die Aktienmärkte bringen? Wieder ein Rekordjahr oder ein Rücksetzer nach den erfolgreichen vergangenen Jahren? Warburg Invest erweitert das Produktportfolio um eine innovative Lösung für Anleger, die an den globalen Aktienmärkten partizipieren und gleichzeitig die Auswirkungen extremer Kursverluste reduzieren wollen. Hierzu sprachen wir mit Stefan Ewald, Leiter Multi Asset & Liquid Alternatives Solutions bei Warburg Invest.
II: Herr Ewald, die ersten Wochen des laufenden Jahres liegen hinter uns. Sehen Sie verstärkt Signale, dass es 2026 ruckeliger wird? War das auch ein Grund für die Erweiterung des Produktportfolios um den WARBURG – Hedged Equity?
Stefan Ewald: Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben zu historisch hohen Risikokonzentrationen in den gängigen Aktienindizes geführt. Aktuell prägt vor allem das Thema Künstliche Intelligenz (KI) das Marktgeschehen. Ob es sich dabei um eine spekulative Blase handelt oder um eine fundamentale Revolution, die Wirtschaft und Alltag grundlegend verändert, wird die Zeit zeigen. Fest steht jedoch: Nach der starken Performance der letzten Jahre sind viele Aktienbewertungen inzwischen sehr ambitioniert. Risikokonzentrationen und hohe Bewertungsniveaus sind zwar Indizien für ein erhöhtes Rückschlagpotenzial, fungieren jedoch nicht als alleinige Frühwarnsignale. Trotz dieser Faktoren kann 2026 ein erfolgreiches Jahr für Aktienanleger werden. Dennoch ist es ratsam, sich proaktiv mit der Widerstandsfähigkeit des eigenen Portfolios auseinanderzusetzen und dieses robuster gegen potenzielle Marktkorrekturen aufzustellen. Die Strategie des WARBURG – Hedged Equity hat sich bereits in Spezialfonds für institutionelle Kunden bewährt. Das erforderliche Portfoliovolumen spielt für die effiziente Umsetzung dieser Anlagestrategie eine maßgebliche Rolle, weshalb wir uns nun zur Auflage eines Publikumsfonds entschieden haben. Damit wollen wir diese Strategie einem breiteren Publikum zugänglich machen, insbesondere Vermögensverwaltern und dem Private Banking, damit sie auch flexibel in kleineren Portfolios eingesetzt werden kann.
II: Welche Charakteristika weist der Fonds auf?
Ewald: Aktien sind der zentrale Portfoliobaustein, um an der globalen wirtschaftlichen Entwicklung zu partizipieren. Historisch gesehen haben sie über lange Zeiträume hinweg höhere Renditen als andere Anlageklassen erzielt. Das Timing-Risiko kann den Anlageerfolg jedoch langfristig erheblich beeinträchtigen. Historische Börsencrashs zeigen die Volatilität: Von 1929 bis 2008 erlebten Anleger dramatische Kursstürze mit Verlusten zwischen 50 % und 80 %. Der Fonds zielt darauf ab, Anlegern die Möglichkeit zu bieten, möglichst stark an positiven Phasen des Aktienmarktes zu partizipieren und gleichzeitig die Auswirkungen von starken Korrekturen (größer 20 %) signifikant zu reduzieren. Diese Risikoreduktion führt im Vergleich zu klassischen Aktienanlagen tendenziell zu einer kürzeren Verlustaufholphase. Insbesondere bei längeren Anlagehorizonten entfaltet diese Strategie ihre volle Effizienz: Es geht nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern um eine nachhaltige Wertentwicklung.
II: Grundlage ist das global diversifizierte Aktienportfolio. Mit Blick auf einzelne Regionen und Sektoren, wo werden Sie derzeit besonders fündig?
Ewald: Der Mehrwert des WARBURG – Hedged Equity liegt im Zusammenspiel der einzelnen Strategiebausteine. Deswegen müssen vor allem das Aktienportfolio und das Options-Overlay präzise ineinandergreifen. Ziel des Aktienportfolios ist es, effizient – also mit einer optimierten Anzahl an Titeln – ein globales Aktienexposure sicherzustellen. Dies gelingt uns über einen spezialisierten Sampling-Ansatz. So bilden wir die Hauptrisikofaktoren der einzelnen Regionen effizient ab, ohne einzelne Sektoren massiv über- oder unterzugewichten. Dadurch wird sichergestellt, dass der Fonds in guten Marktphasen am breiten Markt partizipiert und starke Korrekturen mit Hilfe des Options-Overlays reduziert – sozusagen ‚Beta, nur besser‘.
II: Zweiter Baustein Ihrer Strategie ist das Risikomanagement mit Einsatz von Optionen. Können Sie uns das etwas näher ausführen?
Ewald: Optionen bieten durch ihre Freiheitsgrade viel Raum, um ein gewünschtes Auszahlungsprofil zu erzeugen. Wir haben das Options-Overlay gezielt so konzipiert, dass es gegen sogenannte Tail-Events (Extremereignisse) Schutz bietet. Die Zielvorgabe ist eine möglichst konstante Sicherungsleistung, unabhängig vom vorherrschenden Marktumfeld. Die Herausforderung besteht darin, das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu maximieren. Durch die geeignete Wahl von Basispreisen und Laufzeiten sowie die geschickte Kombination von Put- und Call-Optionen minimieren wir die laufenden Kosten für die Absicherung. Dabei nutzen wir ausschließlich börsengehandelte Optionen auf liquide Aktienindizes. Das Overlay ist zu jedem Zeitpunkt integraler Bestandteil des Portfolios und passt sich dynamisch an.
II: Nebenbei spielt auch die Nachhaltigkeitskomponente eine Rolle. Was hat es damit auf sich?
Ewald: Nachhaltigkeit und ESG sind aus der modernen Finanzbranche nicht mehr wegzudenken. Anstatt das Anlageuniversum lediglich durch strenge Ausschlüsse einzuschränken, nutzen wir eine innovative Lösung des Portfolio Solutions Teams der M.M.Warburg & CO unter Leitung von Dr. Christian Jasperneite: Eine Dekarbonisierungsnote. Der Fonds kauft Zertifikate aus dem europäischen CO2-Emissionsrechthandel. Eine Hälfte dieser Rechte wird über fünf Jahre stillgelegt und somit dem Markt entzogen. Alle Emissionen, die der Fonds indirekt über seine Portfoliounternehmen verantwortet, werden so physisch neutralisiert. Die zweite Hälfte der Emissionsrechte verbleibt in der Note und soll durch erwartete Kurssteigerungen aufgrund der künstlichen Verknappung die Kosten der Stilllegung über den Zeitraum ausgleichen.
II: Mit Blick nach vorne – wie optimistisch sind Sie für Aktien im laufenden Jahr, auch angesichts der gesehenen Allzeithochs?
Ewald: Zunächst gilt: Allzeithochs sind ein natürliches Merkmal von Bullenmärkten und oft kein schlechter Zeitpunkt für einen Einstieg. Statistisch fielen die Renditen in den Folgejahren nach neuen Höchstständen oft sogar höher aus. Wir sind für die Weltwirtschaft grundsätzlich positiv gestimmt, mahnen aber zur Wachsamkeit aufgrund geopolitischer Spannungen. Da sich Krisen kaum präzise vorhersagen lassen, sollten Anleger den Fokus verstärkt auf die Resilienz ihrer Portfolios legen, um gegen unvorhersehbare Ereignisse gewappnet zu sein.




