Private Markets wachsen dynamisch und entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Bestandteil der Asset-Allokation vieler Investoren. Mit dieser wachsenden Bedeutung steigt jedoch auch die Komplexität. In einem sich rasch verändernden Marktumfeld erfordert der Aufbau eines Engagements in Private Assets, verstanden als strukturiertes Investmentprogramm, neue und spezialisierte Kompetenzen. Aus Sicht von Philippe Faget sind insbesondere Diversifikation, ein kontrolliertes Liquiditätsmanagement und eine stringente Managerselektion entscheidend, um langfristig Wert zu schaffen.
Die zunehmende Relevanz privater Märkte im globalen Investmentuniversum macht es erforderlich, die Konstruktion robuster, diversifizierter und über Konjunkturzyklen hinweg tragfähiger Portfolios grundlegend neu zu denken.
Nach Daten von Preqin ist das weltweit in Private Markets verwaltete Vermögen von rund 4 Billionen US-Dollar im Jahr 2014 auf heute nahezu 12 Billionen US-Dollar angewachsen. Prognosen zufolge könnten die Assets under Management bis 2030 auf etwa 30 Billionen US-Dollar steigen. Dieses Wachstum speist sich sowohl aus der Expansion etablierter Strategien wie Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Immobilien als auch aus einer deutlichen Ausweitung der Investorenbasis. Neue Zugangsstrukturen, insbesondere im Rahmen des europäischen Regulierungsrahmens ELTIF 2.0, spielen dabei eine zentrale Rolle.
Trotz dieser Entwicklung besteht weiterhin eine erhebliche Diskrepanz zwischen Europa und den USA. Während europäische Privatanleger häufig weniger als ein Prozent ihres Vermögens in Private Assets investieren, liegen die Quoten in den USA teils im zweistelligen Bereich. Dieses Ungleichgewicht verdeutlicht das strukturelle Wachstumspotenzial des europäischen Marktes.
Rolle und Mehrwert privater Anlagen im Portfolio
Private Assets umfassen nicht-börsennotierte Anlagen — von Private Equity über Private Debt bis hin zu Infrastruktur und Immobilien. Sie bieten Investoren mehrere potenzielle Vorteile, darunter eine verbesserte Diversifikation, eine geringere Korrelation zu traditionellen Anlageklassen, einen gewissen Inflationsschutz sowie die Möglichkeit, über die Illiquiditätsprämie höhere Renditen zu erzielen.
Historisch ist die Korrelation zwischen privaten und öffentlichen Märkten deutlich geringer als innerhalb börsennotierter Anlageklassen. Analysen von VEGA Investment Solutions auf Basis aggregierter Daten von Cambridge Associates und Bloomberg zeigen, dass die Beimischung von Private Equity oder Private Debt zu einem klassischen Portfolio sowohl dessen Volatilität reduzieren als auch die langfristige Rendite steigern kann. Simulationen zufolge kann der Ersatz von 15 bis 30 Prozent der traditionellen Anleiheallokation durch eine Multi-Private-Asset-Strategie die annualisierte Rendite um 70 bis 170 Basispunkte erhöhen und gleichzeitig das Risiko um 130 bis 230 Basispunkte senken.
Diese Kombination aus Illiquiditätsprämie, geringerer Korrelation und interner Diversifikation macht Private Markets zu einem zunehmend strategischen Bestandteil anspruchsvoller Multi-Asset-Portfolios.
Diversifikation als zentrales Steuerungsprinzip
Der Aufbau eines Private-Assets-Investmentprogramms folgt einer deutlich granulareren Logik als bei börsennotierten Anlagen. Eine konsequente Diversifikation über General Partner, Assetklassen, Strategien wie Primary, Secondary und Co-Investments, Sektoren, Jahrgänge und Regionen hinweg ist dabei von zentraler Bedeutung.
Insbesondere die zeitliche Diversifikation spielt eine entscheidende Rolle, da Investitionen über mehrjährige Kapitalzusagen erfolgen und die Renditeverteilung stark von der jeweiligen Marktphase abhängt. Die Vermeidung ungünstiger Einstiegszeitpunkte, die gezielte Auswahl attraktiver Jahrgänge und der Fokus auf leistungsstarke Manager gelten als wesentliche Faktoren für die Erzielung attraktiver interner Renditen.
Hinzu kommt, dass die Performance-Streuung zwischen Top- und Bottom-Quartil-Managern in Private Markets deutlich größer ist als in liquiden Märkten. Eine sorgfältige Managerselektion ist daher unerlässlich.
Diversifikation betrifft zudem die Struktur der Cashflows. Unterschiedliche Segmente privater Märkte weisen unterschiedliche Liquiditäts- und Zyklizitätsprofile auf. Eine ausgewogene Allokation sollte vermeiden, dass Kapitalabrufe oder Ausschüttungen zeitlich stark konzentriert auftreten. Ziel ist eine breite Streuung über Assetklassen und Substrategien hinweg, die unterschiedlich auf makroökonomische Rahmenbedingungen reagieren.
Evergreen-Strukturen und Liquiditätsmanagement
Evergreen-Strukturen gewinnen in Europa zunehmend an Bedeutung, auch begünstigt durch die Reform des ELTIF-Regimes. Sie ermöglichen eine dauerhaft stabile Allokation in Private Markets und erlauben es, Ausschüttungen flexibel zwischen Liquiditätsbausteinen und neuen privaten Investitionen umzuschichten.
Das Liquiditätsmanagement zählt dabei zu den größten Herausforderungen. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, potenzielle Stressszenarien systematisch zu analysieren und die Widerstandsfähigkeit der Struktur zu überprüfen, etwa bei erhöhtem Rückgabedruck in Phasen fallender Bewertungen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, den liquiden Anteil eines Fonds präzise zu strukturieren, durch die Kombination aus Geldmarktinstrumenten, laufenden Ausschüttungen und gegebenenfalls der Nutzung des Sekundärmarktes. Ergänzend kommen formale Mechanismen wie Rücknahmebeschränkungen, Lock-up-Perioden oder Kündigungsfristen zum Einsatz.
Eine weitere anspruchsvolle Dimension ist die Bewertung der Vermögenswerte. Quartalsweise Nettoinventarwerte erfordern eine hohe Bewertungsdisziplin und eine robuste Governance, um Transparenz und Verlässlichkeit auch in volatilen Marktphasen sicherzustellen.
Ein Multi-Private-Asset-Ansatz kann dazu beitragen, die operative Steuerung zu stabilisieren. Schwächere Ausschüttungsphasen im Private-Equity-Bereich lassen sich beispielsweise durch laufende Erträge aus Private Debt oder Infrastruktur abfedern.
Zyklusorientierte Allokation und Due Diligence
Der Investmentansatz von VEGA Investment Solutions kombiniert makroökonomische Analysen, die Einordnung des Marktzyklus, klar definierte Allokationsüberzeugungen sowie eine strukturierte Auswahl interner und externer Fonds im Rahmen eines umfassenden Due-Diligence- und ESG-Prozesses.
Der Konjunkturzyklus spielt dabei eine zentrale Rolle, da der Einstiegszeitpunkt in Private Markets einen wesentlichen Einfluss auf die langfristige Rendite hat. Quartalsweise werden die Gewichtungen von Assetklassen und Substrategien überprüft und Neuzeichnungen sowie Reinvestitionen entsprechend gesteuert.
Ein Investmentprogramm in Private Assets ist damit kein statisches Konstrukt, sondern entwickelt sich kontinuierlich entlang des Marktzyklus. Neue Kapitalzusagen und Ausschüttungen werden gezielt dort eingesetzt, wo das attraktivste zukünftige Risiko-Rendite-Verhältnis gesehen wird, abhängig von Zinsniveau, Inflation und Marktphase.
Aus Sicht der Portfoliokonstruktion lässt sich beispielhaft eine Struktur mit rund 85 Prozent Private Assets und 15 Prozent Liquidität skizzieren. Innerhalb des Private-Asset-Anteils entfällt etwa die Hälfte auf Private Equity, ergänzt durch Private Debt, Infrastruktur und Immobilien. Unter mittleren Annahmen kann ein solches Programm über einen Zeitraum von zehn Jahren einen Multiple von rund 2,5 erreichen, ohne zusätzliche Wertbeiträge aus besonders erfolgreicher Managerselektion zu berücksichtigen.
Fazit
Private Markets entwickeln sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Portfolios anspruchsvoller Investoren. Sie bieten das Potenzial, Renditen zu steigern, Korrelationen zu reduzieren und inflationssensitive Cashflows zu generieren. Gerade diese Eigenschaften machen sie in einem Umfeld makroökonomischer Unsicherheit besonders attraktiv.
Der Aufbau eines wirksamen Engagements erfordert jedoch einen umfassenden und disziplinierten Ansatz. Diversifikation muss über Assetklassen hinausgehen und Strategien, Jahrgänge, Manager und Regionen einbeziehen. Liquidität ist dabei kein bloßer Sicherheitspuffer, sondern ein strategisches Steuerungsinstrument. Wer Private Assets heute erfolgreich einsetzen will, muss strategische Weitsicht mit operativer Präzision verbinden. Denn für immer mehr Investoren gilt: Die Zukunft der Diversifikation führt maßgeblich über Private Markets.
Gastautor: Philippe Faget, Head of Private Assets – VEGA Investment Solutions




