Positives Zeichen, aber dringende Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft

Am heutigen Montag, 21. Juli, empfing Bundeskanzler Friedrich Merz Top-Manager zum „Investitionsgipfel“ im Kanzleramt. Zuvor hatten 61 Firmen die Gründung der Initiative „Made for Germany“ bekannt gegeben. Deren Mitglieder planen in den nächsten drei Jahren einen dreistelligen Milliardenbetrag am Standort Deutschland zu investieren. Dr. Felix Schmidt, Senior Economist bei Berenberg, sieht darin ein positives Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Es bedarf aber neben der engen Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft und mehr Haushaltsausgaben auch noch zusätzlicher Reformen:
21. Juli 2025
Dr. Felix Schmidt - Foto: Copyright Florian Läufer /Berenberg

Am heutigen Montag, 21. Juli, empfing Bundeskanzler Friedrich Merz Top-Manager zum „Investitionsgipfel“ im Kanzleramt. Zuvor hatten 61 Firmen die Gründung der Initiative „Made for Germany“ bekannt gegeben. Deren Mitglieder planen in den nächsten drei Jahren einen dreistelligen Milliardenbetrag am Standort Deutschland zu investieren. Dr. Felix Schmidt, Senior Economist bei Berenberg, sieht darin ein positives Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Es bedarf aber neben der engen Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft und mehr Haushaltsausgaben auch noch zusätzlicher Reformen: 

„Der Privatsektor bekennt sich zum Wirtschaftsstandort Deutschland: Obwohl die Initiative ‚Made for Germany‘, die Bundeskanzler Merz heute in Berlin von führenden Wirtschaftsvertretern vorgestellt wurde, wahrscheinlich nur zu begrenzten zusätzlichen Investitionen führen wird, ist sie dennoch ein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Initiative umfasst 61 deutsche Unternehmen, die bis zum Jahr 2028 631 Milliarden Euro in Deutschland investieren wollen. Unklar ist, wie viele dieser Zusagen wirklich zusätzliche Mittel sind. Laut der Initiative umfasst die Gesamtsumme geplante und neue Investitionen, Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Zusagen internationaler Investoren. Die heute vorgestellte Initiative der Privatwirtschaft könnte jedoch dazu beitragen, die zuletzt zu beobachtende Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft weiter zu beflügeln. Ein Game Change ist ‚Made for Germany‘ zwar nicht, aber einer von vielen Bausteinen, welcher in den kommenden Jahren zur Rückkehr des Wirtschaftswachstums in Deutschland beitragen wird.

Der Staat und die Privatwirtschaft müssen zusammenarbeiten: Nach Angaben der Initiatoren soll ein dreistelliger Milliardenbetrag auf Neuinvestitionen entfallen. Derzeit liegen noch keine weiteren Details vor. Wie viel Geld am Ende wirklich zusätzlich investiert wird, bleibt abzuwarten. Das heutige Treffen mit dem Bundeskanzler hat den Wirtschaftsvertretern wahrscheinlich vor allem die Gelegenheit geboten, die Herausforderungen, vor denen die deutsche Wirtschaft steht, zu skizzieren und die Notwendigkeit von weniger Bürokratie, niedrigeren Energiekosten und einer geringeren Steuerbelastung zu betonen. Es ist jedoch richtig und wichtig anzuerkennen, dass gemeinsame Anstrengungen von Staat und Privatwirtschaft erforderlich sein werden, um Deutschland wieder auf den Wachstumskurs zu bringen. Neben Mehrausgaben sind vor allem auch weitere Reformen erforderlich. Die neue Regierung hat bereits erste Schritte unternommen, darunter die Einführung des Investitionsboosters und die Senkung des Körperschaftsteuersatzes, die 2028 in Kraft treten wird. Weitere Reformen, wie beispielsweise der Bürokratieabbau, dürften aber sogar noch wichtiger sein. Die umfangreichen Ausgabenankündigungen der deutschen Regierung, welche die Lockerung der Schuldenbremse ermöglichen, haben jedoch bereits die Stimmung in der deutschen Wirtschaft etwas aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juli, der am Freitag veröffentlicht wird, dürfte den siebten Anstieg in Folge verzeichnen. Darüber hinaus wird erwartet, dass der Einkaufsmanagerindex (PMI) für Juli, der am Donnerstag erscheint, erneut steigen wird, nachdem er im Juni wieder über die Schwelle von 50 Punkten – die Grenze zwischen Expansion und Kontraktion – geklettert ist (siehe Grafik).

Das größte Hindernis für die deutsche Wirtschaft bleibt der anhaltende Handelsstreit: Nach drei Jahren der Stagnation erwarten wir für das nächste Jahr eine Erholung der Wirtschaft, wenn sich die Auswirkungen der erhöhten Staatsausgaben und der lockereren Geldpolitik der EZB vollständig in der Realwirtschaft niederschlagen werden. Die heute vorgestellte Initiative ‚Made for Germany‘ könnte dazu beitragen, den aufkeimenden Optimismus in den kommenden Monaten aufrechtzuerhalten. Die größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft geht jedoch nach wie vor vom Handelsstreit mit den USA aus. Eine zeitnahe Verhandlungslösung wäre für die deutsche Wirtschaft ein Katalysator für mehr Wachstum.“

Grafik: Die deutsche Wirtschaft gewinnt langsam an Zuversicht

Monatliche Daten. Ifo-Geschäftsklimaindex (2015 = 100); saisonbereinigt. PMI-Umfragedaten, Werte über 50 deuten auf eine wirtschaftliche Expansion hin. Quellen: Ifo, S&P Global/Hamburger Handelsbank.

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