Welche Funktion übernehmen Edelmetalle und Krypto in volatilen Zeiten? Sind sie ein Anker in stürmischer See? Und wie lassen sich beide Vehikel kombinieren? Hans Kleser, HK Imperia AG, gibt Antworten.
INTELLIGENT INVESTORS: Herr Kleser, warum braucht es ein Gold Crypto ETP?
Hans Kleser: Weil sich professionelle Vermögensanlage aus meiner Sicht nicht mehr an der Frage ‚traditionell oder digital?‘ orientieren sollte, sondern an der Funktion eines Assets im Portfolio.
Nach 52 Jahren im Markt habe ich gelernt: Man sollte Bewährtes nicht aufgeben, nur weil etwas Neues entsteht. Aber man sollte Neues auch nicht ignorieren, nur weil das Bewährte funktioniert.
Genau daraus entstand unsere Investmentthese: Gold als Substanzkern, digitale Assets als kontrollierte Chancenkomponente.
II: Warum 75 % Gold und 25 % Krypto?
Kleser: Die Gewichtung definiert bewusst die Hierarchie des Produktes. Gold dominiert. Die digitale Komponente ergänzt. Wir wollten weder ein Kryptoprodukt mit etwas Gold als Sicherheitsargument noch ein Goldprodukt mit einer symbolischen Krypto-Beimischung. Auf einen Satz reduziert: Substanz dominiert – Chance ergänzt.
II: Warum sollte ein Family Office das ETP kaufen, wenn es beide Anlageklassen selbst abbilden kann?
Kleser: Ein professioneller Investor kann Gold und digitale Assets selbstverständlich separat erwerben. Unser Mehrwert liegt deshalb nicht in der Verfügbarkeit der Assets, sondern in ihrer strukturierten Kombination: Ein Instrument. Eine definierte Allokation. Zwei Anlagewelten. Eine Investmentthese. Für Investoren, die genau diese strategische Kombination verfolgen, wird daraus eine gebündelte Umsetzung innerhalb eines börsengehandelten Produktes.
II: Was ist daran mehr als ein interessantes Marketingkonzept?
Kleser: Dass wir vom Portfolio zum Produkt denken – und nicht umgekehrt. Gold und Bitcoin kommunikativ zusammenzubringen, wäre einfach gewesen. Ein belastbares Kapitalmarktprodukt daraus zu entwickeln, nicht. Deshalb haben wir mehr als drei Jahre an der Umsetzung gearbeitet. Für mich gilt: Eine gute Investmentidee muss nicht nur attraktiv klingen. Sie muss investierbar, nachvollziehbar und erklärbar sein.
II: Welche Rolle kann das ETP für Vermögensberater und professionelle Vermögensverwalter spielen?
Kleser: Es schafft einen klaren Beratungsansatz für eine Frage, die zunehmend relevant wird: Welche Rolle sollen digitale Assets innerhalb eines substanzorientierten Gesamtvermögens überhaupt spielen? Statt Gold und Krypto ideologisch gegeneinanderzustellen, kann über Allokation, Funktion, Chancen und Risiken gesprochen werden. Das ist für mich professionelle Vermögensberatung.
II: Sie kommen aus der klassischen Edelmetallwelt. Warum beschäftigen Sie sich überhaupt mit digitalen Assets?
Kleser: Weil Erfahrung nicht bedeuten darf, 52 Jahre dasselbe zu denken. Ich habe seit 1974 zahlreiche Krisen, Marktzyklen, Innovationen und vermeintliche Gewissheiten erlebt. Gold steht für mich weiterhin für Substanz, Knappheit und langfristiges Denken. Digitale Assets eröffnen eine neue Anlagewelt mit einem vollkommen anderen Risiko- und Chancenprofil. Die Aufgabe professioneller Vermögensverwaltung besteht nicht darin, das Neue reflexartig abzulehnen oder ihm blind hinterherzulaufen. Sie muss es verstehen und einordnen.
II: Was ist deshalb Ihre zentrale These für die Vermögensverwaltung der kommenden Jahre?
Kleser: Die Grenze zwischen ‚traditionell‘ und ‚digital‘ wird an Bedeutung verlieren. Entscheidend wird sein, welche Funktion ein Vermögenswert innerhalb des Gesamtportfolios erfüllt. Das ist auch die Philosophie unseres ETP. Vermögen schützt man nicht, indem man Veränderungen ignoriert. Man schützt es, indem man Risiken versteht und Chancen kontrolliert integriert. Gold muss Bitcoin nicht ersetzen. Bitcoin muss Gold nicht ersetzen. Die interessante Frage ist, was beide gemeinsam für ein modernes Portfolio leisten können.





